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Olympische Spiele 2021: Nun also ohne ausländische Besucher

Matthias Reich
Matthias Reich

Am 20. März war die Katze aus dem Sack: Die Olympischen Sommerspiele sollen wie seit dem vergangenen Jahr geplant im Sommer 2021 stattfinden. Doch Japan bat darum, auf ausländische Besucher zu verzichten – das IOC willigte ein. Was bedeutet das konkret, und wie denken die Japaner darüber?

Tokyo-Skyline mit Olympiastadion in Blautönen
Olympiastadion in Tōkyō

Die Olympischen Spiele 2020 in Tōkyō standen von Anfang an unter keinem guten Stern: Corona begann auf der ganzen Welt zu wüten und zwang die Organisatoren zur Aufschiebung. Mit einem guten Schuss Optimismus wurden die Spiele ganz genau um ein Jahr verschoben, und daran wird nun auf Biegen und Brechen festgehalten – trotz immer neuer Infektionswellen und diverser Skandale. Dafür gibt es durchaus nachvollziehbare Gründe, so zum Beispiel die Tatsache, dass die Weiternutzung diverser olympischer Einrichtungen bereits vertraglich geregelt ist. Je weiter die Olympischen Spiele verschoben werden, umso schwieriger wird es werden, die Wettkampfstätten zu “reservieren”, ganz zu schweigen von zusätzlichen Kosten, verursacht durch Vertragsstrafen und dergleichen.

Olympiastadion TokyoAus 2020 wird 2021: Die Verschiebung der Olympischen Spiele und was das genau bedeutetLange hielten das IOC und die japanische Regierung an der Ausrichtung vom Olympia 2020 fest – bis die ersten Nationen bekanntgaben, ihre Del...27.04.2020

Großer Widerstand in der Bevölkerung

Der Widerstand gegen die Ausrichtung noch in diesem Sommer ist allerdings groß, und er ist, wenn man einer Umfrage von CNC im März glauben darf, in Japan am größten. Mehr als die Hälfte der Befragten war bei der Umfrage strikt gegen die Ausrichtung in diesem Jahr, lediglich 16 %, also rund jeder Sechste, war ausdrücklich dafür. Dafür gibt es verschiedene Gründe, aber natürlich ist die Angst vor dem Coronavirus der Hauptgrund – erst recht, seit immer neue und ansteckendere Mutationen auftauchen. Bisher ist Japan im Vergleich zu vielen anderen Nationen, darunter ganz Europa und die USA, relativ glimpflich durch die Pandemie gekommen, aber das liegt zu einem guten Teil an der rigiden Einreisepolitik.

Mit der Entscheidung, die Spiele nun zwar auszurichten, ausländische Besucher jedoch auszuschließen, hofft die Regierung nun, die Bevölkerung auf ihre Seite zu ziehen. Das ist allerdings gar nicht so einfach. Man rechnete insgesamt mit circa einer Million ausländischer Besucher, die extra zu den Spielen anreisen würden. Doch es geht nicht nur um Besucher: 206 Länder nehmen an den Sommerspielen teil mit rund 15 000 Athleten. Dazu kommt der übliche Tross von Funktionären, Trainern und Betreuern. Summa summarum rechnet man so mit bis zu 90 000 Ausländern, die unabdingbar aufgrund der Spiele in Japan einreisen werden. Und die kommen zudem noch aus allen Ecken und Enden der Welt. Viele Japaner sind zu Recht skeptisch, ob man unter diesen Bedingungen neue Infektionsherde wirklich ausschließen kann.

Verschlafener Impfstart

Die Situation wird auch dadurch verschlimmert, dass Japan den Impfstart gegen das COVID-19-Virus komplett verschlafen hat. Während viele Industrienationen schon seit Januar impfen lassen und oft bereits mehr als 20 %, in manchen Ländern sogar über 50 % der Menschen geimpft wurden, hat Japan (Stand April 2021) noch nicht einmal 1 % der Bevölkerung impfen lassen – und die Rede ist hier nur von den Erstimpfungen. Ab Mitte April sollen zuerst ältere Mitbürger geimpft werden und wenn alles so abläuft wie geplant, soll dies Ende Juni abgeschlossen sein. Keinen Monat später sollen bereits die Olympischen Spiele beginnen – in einem Land, in dem nur die wenigsten eine Impfung erhalten haben. Eine erneute Welle an Corona-Fällen scheint also vorprogrammiert.

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