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Impfskepsis in Japan – ein Spiegelbild der Gesellschaft

Matthias Reich
Matthias Reich

Bis Februar 2021 waren Corona-Impfungen noch ein abstraktes Thema - es gab weder einen zugelassenen Impfstoff, noch ausführliche Resultate der Massenimpfungen anderer Länder. Mit dem Start der japanischen Impfkampagne nimmt nun auch die Impfbereitschaft zu. Es bleibt aber viel Skepsis, die einen interessanten Einblick in die Gesellschaft gibt.

"Formular für die Voruntersuchung zur Impfung gegen das neuartige Coronavirus", beispielhaftes Bild.

Die Umfragen zum Thema Corona-Impfung mehren sich spürbar, aus verständlichen Gründen, denn das Thema beschäftigt die Menschen, in Japan und weltweit. Die Ergebnisse schwanken zwar etwas, aber im Groben lässt sich feststellen, dass sich die Mehrheit der über 18-Jährigen impfen lassen möchte. Genauer: Die Zustimmung liegt bei zwei Dritteln, plus minus 5 %, je nachdem wie gefragt wird. Bei einer Ja-oder-Nein-Fragestellung sind es nur 63 %, bei einer gestaffelten Frage (sofort impfen, oder abwarten und dann impfen) sind es über 70 % – aber das sei zu erwarten.

Interessant ist an den Ergebnissen, wer wie und warum Impfungen ablehnt. Hier dominieren zwei Meinungen – ein Viertel der Impfablehner glaubt, dass die jetzt erhältlichen Impfstoffe nicht wirksam (genug) sind, und 45 % haben schlichtweg Sorge vor den Nebenwirkungen – hier besteht also sehr viel Aufklärungsbedarf. Nur 1,1 % glaubte in der Umfrage (mit rund 1200 Antworten) an eine Verschwörung – denn Verschwörungstheoretiker gibt es auch in Japan.

Impfbereitschaft je nach Alter und den bevorzugten Medien anders

Beispiel Yahoo! Japan: Während Yahoo in den meisten anderen Ländern fast abgeschrieben werden kann, ist die Plattform die beliebteste Online-Nachrichtenquelle in Japan. Yahoo! Japan hat dabei leider die Angewohnheit, redaktionelle Inhalte mit gesponserten Inhalten so zu vermischen, dass man oft nicht schnell genug erkennt, ob es sich um eine wahre Meldung oder um Meinungsmache handelt. Gerade in Bezug auf Corona und den Impfungen hat das durchaus einen negativen Einfluss auf das Stimmungsbild. Neben den Standardnachrichten wie welche Gruppe wann und wo geimpft wird, erscheinen nämlich dubiose Schlagzeilen wie “Zunahme bei Unfällen – die wahre Natur des Corona-Impfstoffes” oder “26-jährige Krankenschwester stirbt nach Corona-Impfung”. Oft ist nicht deutlich, wer diese “Schlagzeilen” sponsert und welche Agenda dahintersteckt.

Drei Glasfläschchen mit Corona-ImpfstoffCoronavirus: Die ganze Welt impft – außer JapanIn Japan sollen die ersten Impfungen gegen COVID-19 deutlich später stattfinden als in anderen Ländern. Grund für das Zögern ist auch eine n...11.02.2021

Bei der Impfbereitschaft wird deutlich, dass mit zunehmendem Alter die Impfbereitschaft steigt. Während sich laut einer weiteren Umfrage drei Viertel der über 50-Jährigen impfen lassen wollen, sind es nur rund 50 % der unter 20-Jährigen. Auch die Hauptnachrichtenquelle der Befragten schlägt sich in der Impfbereitschaft nieder – Japaner, die ihre Nachrichten aus dem Bekanntenkreis oder den sozialen Medien beziehen, sind weniger bereit zur Impfung als diejenigen, die sich durch Funk, Fernsehen und Zeitungen informieren. Das muss mit Vorsicht genossen werden, denn die Wahl der Medien hängt schließlich stark vom Alter der Befragten ab.

Rücksichtnahme und soziale Ausgrenzung sind motivierende Faktoren

Als typisch japanisch könnte man die Antworten auf die Frage nach der Motivation, sich impfen zu lassen, sehen: 5 % gaben an, es sei ihre Berufspflicht, der Rest teilt sich fast zu gleichen Anteilen in “Um mich zu schützen” und “Um meine Mitmenschen zu schützen” auf. Einerseits ist dies mit der hohen Wertschätzung gegenseitiger Rücksichtnahme erklärbar, andererseits aber auch damit, dass Corona-Infizierte gern stigmatisiert werden und es durchaus zu Anfeindungen kommen kann. Viele Menschen haben deshalb weniger Angst vor Corona als vor sozialer Ächtung durch das Umfeld.

Insgesamt muss man leider – aus medizinischer Sicht – feststellen, dass die Impfbereitschaft zwar leicht gestiegen, aber immer noch relativ niedrig ist. Dies, gepaart mit einem verspäteten Impfstart und zahlreichen Anlaufschwierigkeiten bei den Impfungen, wird letztendlich dahinführen, dass Japan länger mit der Pandemie zu kämpfen haben wird als andere Länder.

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