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Buchrezension: „Japanische Cocktails“ von Julia Momosé

Manuel Piwko
Manuel Piwko

Die japanische Küche ist vielen Menschen ein Begriff. Das Buch „Japanische Cocktails“ von Julia Momosé zeigt allerdings, dass japanische Getränke dem Essen in Nichts nachstehen und vor allem durch das Zusammenspiel verschiedener, japanischer Ingredienzen ansprechende Cocktails kreiert werden können.

Japanisches Cocktail auf Holztablett serviert
© Ash Edmond/Unsplash

Der Konsum von Alkohol hat in der japanischen Gesellschaft einen sehr hohen Stellenwert. Nach dem Feierabend geht es mit Kollegen und Vorgesetzten in eine Bar, um dort mit reichlich Alkohol die strengen, konservativen Richtlinien der japanischen Arbeitskultur aufzubrechen und damit das Gemeinschaftsgefühl untereinander zu stärken. Nomikai (jap. 飲み会; dt. „Trinkgesellschaft“) nennt man diese regelmäßigen Trinkgelage, welche jedoch auch immer wieder aufgrund des übermäßigen Alkoholkonsums und des damit verbundenen Gruppenzwangs stark kritisiert werden.

Nichtsdestotrotz zeigen diese, dass Alkohol und die japanische Kultur eng miteinander verbunden sind. Die japanisch-amerikanische Bartenderin Julia Momosé widmet sich in ihrem Buch „Japanische Cocktails“ dieser besonderen Kunst der Herstellung von Getränken und wurde dafür bereits mit dem Deutschen Kochbuchpreis 2022 in der Kategorie Getränke ausgezeichnet. Das ästhetisch ansprechende und hochwertige Buch nährt von ihrer jahrelangen Erfahrung, ihrem Fachwissen und einer umfangreichen Beschreibung der Thematik, welche weit über eine Zusammenstellung mehrerer Cocktailrezepte hinaus geht.

Befriedigung der Sinne und des Wissensdurstes

Das Buch ist in drei verschiedene Teile aufgegliedert. Zuvor ermöglicht die Autorin in einer kurzen, interessanten Einleitung einen persönlichen Einblick in ihr Leben, aber vor allem in ihren Werdegang zu einer der bekanntesten Bartenderinnen der Welt. 

Momosé ist die Geschäftsinhaberin der populären Bar „Kumiko“ in Chicago. Sie wird international für ihre Cocktails gefeiert – so betitelte das Time Magazine ihre Bar als „einen der großartigsten Orte der Welt“. Für Momosé ist ihre Bar ein Ort, an dem sie zwei Kulturen vereinen kann: Ihr Heimatland Japan und ihre Wahlheimat, die USA. Ihre Sorgfalt und Präzision sowie ihr Perfektionsanspruch haben sie zu einer gefragten Ansprechpartnerin für Cocktails mit und ohne Alkohol sowie andere Getränkekreationen werden lassen.

Der erste Teil des Buches lautet „Der japanische Weg“ und widmet sich umfangreich der japanischen Ess – und Trinkkultur. Dabei gibt die Autorin auch immer wieder Einblick in bestimmte kulturelle Eigenarten, von der Dankbarkeit dem Essen gegenüber mit dem Wort itadakimasu bis zur hierzulande unbekannten „Platzgebühr“, im Japanischen otōshi genannt. Diese wird oftmals beim Betreten von Bars und Izakaya fällig. Für diese Gebühr, deren Preis von Bar zu Bar unterschiedlich ist, werden verschiedene Snacks wie z.B. Wasabi-Erbsen, Nüsse oder ähnliches angeboten.

Wie ein solches otōshi auch aussehen kann, beschreibt Momosé ebenfalls und veröffentlicht in ihrem Buch das passende Rezept ihrer Eigenkreation. Im ersten Teil widmet sie sich außerdem der jungen Geschichte des Cocktails in Japan, in der sie auch die Rolle der Frau als Bartenderin beleuchtet, da es für manche japanische Männer immer noch ungewöhnlich ist, diese hinter der Bar zu sehen oder für manche noch unvorstellbarer: zu akzeptieren. Diesen veralteten Vorstellungen trotzt Julia Momosé mit ihrer Bar und den zahlreichen Rezepten in ihrem Buch.

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Für jede Jahreszeit der passende Cocktail

Der zweite Teil „Rezepte“ widmet sich den Getränken und ist thematisch nach den vier Jahreszeiten aufgeteilt. Zu jeder gibt es mehrere, wunderschöne Einleitungstexte mit stilvollen Illustrationen. Die Getränke selbst sind hochprofessionell in Szene gesetzt und dienen damit auch gleichzeitig als Vorlage für Eigenkreationen. 

Es gibt Cocktails wie den amerikanisch inspirierten „Sakuranbō Americano“ mit dem namensgebenden Kirschgeschmack, aber auch alkoholfreie Alternativen wie „Golden One“, die mit ihren interessanten Zutaten eine besondere Note haben. Beim „Golden One“ nimmt man als Hauptgrundlage japanischen Grüntee und mixt diesen u.a. mit einem speziellen Sirup und Yuzu-Saft. Für seltene Zutaten wie den eben genannten Sirup bekommt man im hinteren Teil eine kurze Herstellungsanleitung. Für die kalten Wintermonate gibt es sogar Heißgetränke, wie den „Yuzu-Cha“. Dieser vereint Zitrusfrüchte mit Ingwer und Grüntee-Shōchū.

Diese drei Beispiele sind nur ein kleiner Ausschnitt dessen, was Julia Momosé in ihrem Buch präsentiert. Die kreative, experimentierfreudige Zusammenstellung japanischer Getränke lädt zum Ausprobieren ein. Abseits der Rezepte bekommt man als Leser:in noch viel mehr geboten und taucht dabei nicht nur in die Cocktailszene ein, sondern dank kleinerer und größerer Anekdoten immer wieder in die japanische Kultur und Lebensweise. Abgerundet wird dies durch den dritten Teil des Buches, dem „Anhang“ mit den bereits erwähnten Anleitungen für bestimmte Zutaten, aber auch den „beachtenswerten Bars“ in Japan, von Fukuoka bis Yokohama. 

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Fazit

Mit dieser informativen Zusammenstellung lässt Julia Momosé keinerlei Wünsche offen. Eine inspirierende Pflichtlektüre für Hobby-Bartender:innen und die, die es noch werden wollen. Mit ihren kreativen Ideen und der Verwendung japanischer Zutaten offenbart die Autorin das originelle Facettenreichtum von Cocktails und mehr mit der ausdrücklichen Empfehlung zur Nachahmung.


Buchcover "Japanische Cocktails" von Julia Momosé
©DuMont

Bereits erschienen, 336 Seiten mit 100 farbigen Abbildungen, gebunden mit Prägefolie

Die amerikanische Originalausgabe erschien 2021 unter dem Namen „The Way of the Cocktail“, aus dem Englischen von Elke Homburg

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