Shibori: Japanische Batikkunst

Julia Obinger
Julia Obinger

Wer kennt sie nicht, die Batik-Shirts in Regenbogenfarben? Als Modeerscheinung tauchen sie immer wieder auf. Aber wussten Sie, dass in Japan mit Indigo schon seit mehr als 1.000 Jahren Stoffe kunstvoll gefärbt werden?

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shibori
Mit der japanischen Batikkunst Shibori werden seit Jahrhunderten Stoffe gefärbt. (c) Katie / flickr CC BY-SA 2.0

Shibori (絞り), von shiboru (絞る), „auspressen“ oder „auswringen“, bezeichnet eine Technik der Stofffärbung, die unserer als „Batik“ bezeichneten Abbindetechnik sehr nahe kommt. An den Stellen, wo der Stoff mit Schnüren abgebunden wird, kann er keine Farbe aufnehmen. So entstehen dekorative und vielseitige Muster. Diese Form des Shibori heißt in Japan Kanoko (鹿の子, Rehkitz). Beim japanischen Shibori wird aber der Stoff nicht nur gebunden, sondern auch gefaltet (kumoくも  und suji 筋), gewickelt (arashi 嵐, wörtl. Sturm), gepresst (itajime 板締め) oder genäht (nui 縫い). Mithilfe dieser Techniken kann man eine schier unendlichen Vielfalt an interessanten Mustern erzielen. Kreise, Drei- und Vierecke, Streifen, Karos oder Blumen zeigen sich auf den so bearbeiteten Stoffen. Das Besondere an Shibori ist zudem, dass die Dreidimensionalität und Textur des Stoffes hervorgehoben wird.

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Ob minimalistisch…


… oder intrikat – bei Shibori ist alles erlaubt!

Jahrhundertealte Technik

In Japan wird die Technik seit etwa dem 8. Jahrhundert n. Chr. angewandt. Dabei kommt traditionell Indigo, ein tiefblauer Naturfarbstoff, zum Einsatz. Hiermit kann man Schattierungen von schwarz bis hin zu blassblau erzielen, jedoch verwendet man heute selbstverständlich auch andere Farben.

Traditionell wurden vor allem Seiden- oder Hanfstoffe mit der Technik des Shibori verschönert, wobei die Färbetechnik dem jeweiligen Stoff und seinen Eigenschaften angepasst wird. Die so gefärbten Stücke findet man heute noch häufig als Furoshiki-Tragetücher (風呂敷), bei den Noren-Türvorhängen (暖簾) und auch bei Kleidungs- und Dekorationsstücken und Kimono.

World Shibori Network

In Japan haben sich über die Jahrhunderte ganz unterschiedliche Techniken des Shibori entwickelt und es wurde fast zu einer eigenen Kunstform. Doch diese geriet aufgrund des technischen Fortschritts – wie so viele traditionelle Künste – immer weiter in Vergessenheit. Gegen Ende der 1980er Jahre drohte das Shibori-Handwerk in Japan fast vollständig auszusterben. Um dies zu verhindern, schlossen sich einige der Künstler zu der Vereinigung des World Shibori Networks zusammen. 1992 hielten sie erstmals das International Shibori Symposium in Nagoya ab. Das Ziel der Mitglieder des Netzwerks ist es, die traditionelle textile Kultur zu erhalten. Dazu vernetzen sie sich auch international, denn das Färben von Stoffen ist ebenso in vielen Ländern vertreten. Seit einigen Jahren setzt sich das Netzwerk auch für die nachhaltige Ressourcennutzung ein.

Alle paar Jahre hält das World Shibori Network ein internationales Shibori-Symposium ab.

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Shibori selbst machen!

Shibori ist eine vielfältige und kreative Technik, die einen relativ leichten Einstieg ermöglicht. Das ist mitunter der Grund, warum Shibori-Färben in den letzten Jahren im Zuge des DIY-Booms wieder eine kleine Renaissance erlebt hat. Der aktuelle Shibori-Trend orientiert sich wieder stark an den traditionellen Blautönen und wurde unter anderem von einem großen schwedischen Möbelhersteller in das Deko-Sortiment aufgenommen.

Wer sich von der zugegebenermaßen nicht geringen Sauerei nicht abschrecken lässt, kann sich online Tipps holen zur Herstellung eigener Shibori-Stücke. Im Internet finden sich dazu unzählige Tutorials (z.B. auf dem Blog HonestlyWTF). Und nicht vergessen: immer Handschuhe tragen!

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