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Tamaudun – Die letzte Ruhestätte der 17 Könige Okinawas

Maria-Laura Mitsuoka
Maria-Laura Mitsuoka

Das paradiesische Inselreich Okinawa ist bekannt für seine exotische Vegetation, atemberaubenden Strände und kulinarischen Delikatessen. Doch auch auf historischer Ebene beeindruckt das beliebte Urlaubsziel mit zahlreichen Ruinen und Tempelanlagen. Eine der bekanntesten Touristenattraktionen ist Tamaudun, das Mausoleum der Könige von Okinawa.

Tamaudun
Tamaudun ist ein riesiges, steinernes Mausoleum, in dem die Gebeine von 17 Herrschergenerationen ruhen. © shikema (photo-ac)

Okinawa ist eines der beliebtesten Urlaubsziele Japans und wird das gesamte Jahr über von Touristen aus aller Welt besucht. Das azurblaue Meer, ein interessanter Dialekt und die lukullischen Angebote machen die Insel zu einem eigenständigen Reich fernab des japanischen Kernlandes. Nicht zuletzt die vielfältigen kulturellen Strömungen haben Okinawa im Laufe der Jahrhunderte zu einem Juwel Japans geformt. Im Herzen der Insel finden sich zahlreiche Ruinen und Sehenswürdigkeiten, die einem orientalischen Märchen entsprungen zu sein scheinen.

Tamaudun, das Mausoleum der 17 Könige von Okinawa, die zwischen 1470 und 1879 über die Ryūkyū-Inseln herrschten, ist eines der größten historischen Vermächtnisse Japans und zählt seit dem Jahr 2000 zum UNESCO-Weltkulturerbe. 2018 wurde es zum Nationalschatz von Okinawa ernannt.

Burg Shuri
Die Burg Shuri, wie sie sich vor dem großen Brand im Jahr 2019 darbot. Die Architektur von Tamaudun wurde nach dem Vorbild dieses Bauwerks gestaltet. ©わゆすけ (photo-ac)

Eine gewaltige Anlage aus Kalkgestein

Tamaudun liegt im Zentrum der Hauptstadt Naha und ist nur etwa 200 m von der Burg Shuri entfernt, die einst eine eigenständige Stadt und der Hauptsitz des ehemaligen Ryūkyū-Königreichs war. Das von hohen Kalksteinmauern umrahmte Mausoleum umfasst drei große Steinkammern, die als Begräbnisstätten für den König und dessen engste Familienangehörige dienten. Die gesamte Anlage erstreckt sich über eine Fläche von 2442 m² und beherbergt neben dem Grabmal außerdem einen Garten mit exotischen Pflanzen und ein kleines Museum, in dem Artefakte und Graburnen ausgestellt sind.

Am Eingang bewachen shīsā die Gebeine der Königsfamilie. Diese Steinlöwen sind ein Beispiel für die traditionelle Ryūkyū-Steinbildhauerkunst und gelten noch heute als Wahrzeichen Okinawas. Im zentralen Hof des Mausoleums befindet sich außerdem eine Stele mit einer Inschrift, die zu den ältesten Epigrafen in kana (Japans phonetischem Alphabet) zählt.

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Shīsā
Shīsā sind das Wahrzeichen von Okinawa und über die gesamte Insel verteilt. Ob in historischen Monumenten oder am Straßenrand, sie bewachen ihre Heimat bis heute. © とらのこ (photo-ac)

Die letzte Ruhestätte des Shō-Geschlechts

Der Ursprung dieses architektonischen Bauwerks geht auf das Jahr 1501 zurück und beruht auf dem Wunsch von König Shō Shin, die sterblichen Überreste seines Vaters Shō En zu bestatten. Ab dem Zeitpunkt seiner Errichtung bis ins 19. Jahrhundert diente Tamaudun als letzte Ruhestätte der königlichen Familie der Shō-Dynastie und beherbergte ganze 17 Herrschergenerationen. Es heißt, dass in der mittleren Kammer der Leichenwagen mit den Verstorbenen untergebracht wurde, bis die Gebeine für die endgültige Bestattung gesäubert und vorbereitet waren.

Während die östliche Kammer für das Königspaar bestimmt war, blieb die westliche Kammer den Familienmitgliedern vorbehalten, deren Namen auf dem königlichen Grabstein im Garten eingraviert sind. Insgesamt umfasst das Mausoleum etwa 70 Graburnen, von denen jeweils dreißig in den östlichen und westlichen Kammern entdeckt wurden.

Tamaudun
Hinter einer zweiten Mauer verbergen sich die Ostkammer, die mittlere Kammer und die Westkammer, die für die Bestattung des Königspaares und einiger privilegierter Angehöriger vorgesehen waren. © コミット (photo-ac)

König Shō Shin und sein Reich

Shō Shin (1465-1527) war der dritte Herrscher der zweiten Shō-Dynastie und rühmte sich als Regent eines blühenden Königreichs. Historiker führen einen Großteil der Organisation des königlichen Verwaltungssystems auf die Entwicklungen zurück, die unter seiner Herrschaft prosperierten. Durch ihn gewann das Königshaus an Macht, lokale Fürsten (aji) hingegen büßten ihren Einfluss ein, sodass sie sich gezwungen sahen, mit der Regierung in Shuri zu kooperieren. Um Rebellionen und kriegerische Auseinandersetzungen zu vermeiden, sammelte Shō Shin die Waffen aller aji ein und verfügte, dass diese nur noch zur Verteidigung des Reiches eingesetzt werden dürften. Durch Heiratspolitik und den Aufbau einer emotionalen Bindung an das Königshaus wurden die aji im Laufe der Generationen in das Beamtentum integriert.

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Der Shuri-Dialekt der okinawanischen Sprache, der von Verwaltern und Bürokraten verwendet wurde, erfuhr zu dieser Zeit eine Standardisierung, wodurch ein goldenes Zeitalter der Poesie und Literatur aufblühte. Im Jahr 1532 wurden die ersten Bände des Omoro Sōshi fertiggestellt, einer Sammlung von Gedichten, Liedern und Gesängen, die sowohl jahrhundertealte mündliche Traditionen als auch zeitgenössische Ereignisse widerspiegeln. Die Eingliederung der aji brachte zudem große Veränderungen in der Stadt mit sich, darunter den Bau zahlreicher Tore, Pavillons, Seen, Brücken, Denkmäler und Gärten.

Der Bedarf an Arbeitskräften sowie an einer Vielzahl von Waren und Materialien, die jeder aji aus seinen eigenen Territorien importierte, war so groß, dass infolge dieser Entwicklungen die Produktion von Luxusgütern erheblich zunahm. Verschiedene Arten von Haarnadeln und anderem Schmuck kamen in Mode, neue Techniken zur Herstellung von Seide wurden eingeführt, und die Verwendung von Edelmetallen und hochwertigen Rohstoffen fand auch in der einfachen Bevölkerung Gefallen.

König Shō Shin
Eine Darstellung von König Shō Shin, die im Jahr 1796 angefertigt wurde. Quelle: Wikimedia Commons (Gemeinfrei)

Das Vermächtnis eines Königsreichs

Die Burg Shuri und Tamaudun zählen zu den eindrucksvollsten Hinterlassenschaften des ehemaligen Königreichs und ziehen jedes Jahr zahlreiche Besucher aus der ganzen Welt an. Infolge des Brandes, dem die Burg Shuri im Jahr 2019 zum Opfer fiel und in Anbetracht der Tatsache, dass sie voraussichtlich erst im Sommer 2022 wieder vollständig zugänglich sein wird, ist der historische Wert von Tamaudun im Laufe der letzten Jahre erheblich gestiegen.

Erst wenn man sich vor diesem riesigen Grabmal wiederfindet, wird einem bewusst, wie gewaltig die Macht der damaligen Könige gewesen sein muss. Das Mausoleum zeugt von einer prosperierenden Epoche, in der die Wirtschaft und Kultur Okinawas in vollster Blüte erstrahlten. Noch heute erwecken die Steinmauern beim Betrachter Ehrfurcht und Respekt, sie dienen als älteste Zeugen einer längst vergangenen Hochkultur.

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