»Im Japanfieber. Von Monet bis Manga« – Ästhetische Revolution über Kontinente hinweg

Yasemin Besir
Yasemin Besir

Die Kulturwelt und Ästhetik Japans wirken bis heute als prägende Inspirationsquelle im Westen und beeinflussen seit der Öffnung Japans sämtliche Bereiche der europäischen Kunst. Die Ausstellung im Arp Museum Bahnhof Rolandseck zeigt die bedeutendsten Werke und Darstellungsformen dieser Wirkungsmacht.

Paul Signac, Frisierszene, Opus 227 (Dekorationsentwurf für einen Waschraum), 1892, Privatsammlung, © All Rights reserved
Paul Signac, Frisierszene, Opus 227 (Dekorationsentwurf für einen Waschraum), 1892, Privatsammlung, © All Rights reserved

Das Japan des Tokugawa-Shōgunats (1639-1853) hatte sich in der Zeit des sakoku für lange Phasen sowohl wirtschaftlich als auch kulturell vom Rest der Welt abgeschottet. Als jedoch mit der Meiji-Restauration (1868-1912) diese zwei Jahrhunderte andauernde Isolation zu Ende ging und Japan seine Türen dem Westen öffnete, entstanden kulturelle Verbindungen, die ihren Einfluss bis in die Gegenwart pflegen. Die intensive Zusammenarbeit, heute besonders wirtschaftlicher Natur, vernetzte Kunst- und Kulturwelten zwischen zwei Kontinenten. Künstler von Monet bis Rilke haben sich im 19. Jahrhundert bemüht, den japanischen Blick auf Ästhetik und die Welt einzuverleiben und so die Entwicklung des europäischen Impressionismus wesentlich geprägt.

Zwar waren in der bereits erwähnten Tokugawa-Zeit, die auch als Edo-Zeit bekannt ist, die Tore in den Westen verschlossen, doch die japanische Kunstproduktion erlebte besonders während dieser Epoche ein goldenes Zeitalter, insbesondere für die Holzschnitte des ukiyo-e von Kiyonaga, Utamaro, Hiroshige oder Hokusai. Mit der Öffnung Japans, hielt der Ferne Osten erstmals Einzug in die westliche Welt und drang mit seinem so andersartigen, beeindruckenden Kunstgewerbe in die Ateliers und Ausstellungen Europas.

Kitagawa Utamaro, Schminkszene, um 1795/96, Giverny, Fondation Claude Monet, © Giverny, Fondation Claude Monet
Kitagawa Utamaro, Schminkszene, um 1795/96, Giverny, Fondation Claude Monet, © Giverny, Fondation Claude Monet

Ukiyo-e, was wörtlich etwa „die Bilder der fließenden Welt“ oder des alltäglichen Lebens meint, zog seit dem Ende der 1860er die Blicke vieler namhafter Künstler auf sich. Der Japonismus – ein Begriff der 1872 sogar noch vor der Prägung des Impressionismus eingeführt wurde – nahm bedeutende Einflüsse auf Technik, Farbgebung und Komposition, die die europäischen Maler wie Claude Monet oder McNeill Whistler, von ihren japanischen Vorbildern übernahmen. Die Lehre brachte auch eine neugewonnene Freiheit und einen Bruch mit strengen Regeln der europäischen Malerei mit sich, die seit der Renaissance herrschten und dem Künstler nur zu oft die Hände gebunden hatten.

Japanische Ästhetik im westlichen Blick

Die Ausstellung „Im Japanfieber: Von Monet bis Manga“ findet anlässlich des 150-jährigen Jubiläums der Meiji-Ära, dem Zeitalter der japanischen Aufklärung, statt und erzählt anhand von 150 Gemälden und Holzschnitten die Geschichte der Begegnung der europäischen Kunst mit der japanischen Ästhetik. Den Werken Monets, Van Goghs, Gauguins oder Seurats ist ein unverkennbarer Einfluss zu entnehmen, die die Entdeckung dieser Ästhetik nach sich gezogen hat. Ein für die Entwicklung des Impressionismus grundlegender Einfluss, der diesen entscheidend geprägt hat und ihn zu dem gemacht hat, den wir heute kennen und würdigen. Es waren nicht zuletzt japanische Holzschnitte und der gesamte Kulturaustausch mit Japan, dem wir die Entfaltung der westlichen Kunst des Impressionismus und Spätimpressionismus zu verdanken haben.

Claude Monet, Die japanische Brücke
Claude Monet, Die japanische Brücke, um 1918 – 1924, Riehen, Beyeler Museum AG, Foto: Peter Schibli

Das Arp Museum Bahnhof Rolandseck zeigt in Zusammenarbeit mit dem musée des impressionismes in Giverny und erstmals in einem größeren Konvolut außerhalb Frankreichs die eindrucksvolle Sammlung Monets japanischer Farbholzschnitte und spektakuläre Meisterwerke von Signac, Seurat und zahlreichen anderen Künstlern wie Monet selbst, die die Kunst des Impressionismus mit dem Einfluss Japans geprägt haben.

Japans Einfluss: Von der Geisha bis zur Naturwahrnehmung

Eingeteilt in vier Abschnitte, richtet die Ausstellung das Augenmerk auf die wesentliche Existenz der japanischen Ästhetik in der europäischen Kunstwelt. Im ersten Teil können Besucher in Form von fernöstlichen Requisiten, Masken und Porzellan die Inspirationsquelle der damaligen Künstlergeneration besichtigen.

Im Anschluss wird die Geisha in der westlichen Malerei gezeigt, die in Kimonos gehüllte und mit Fächern oder Schirmen posierende Modelle darstellt und ein bis dahin exotisches und fremdartig sinnliches Bild und Ideal der Weiblichkeit prägte.

Der dritte Teil widmet sich dem veränderten Blick auf die Natur – ein Einfluss, mit dem die japanische Kunst die Natur- und Umweltbetrachtung der europäischen Maler revolutionieren konnte.

Schließlich ist ein vierter Teil dem visuell prägenden Phänomen der Mangas, Animes und Cosplayer gewidmet, um die bis heute andauernde Präsenz der japanischen Kultur auf das westliche Leben zu unterstreichen.

Pummelpanda, Magical Girl,
Pummelpanda, Magical Girl, 2018, Remagen, Arp Museum Bahnhof Rolandseck, © Pummelpanda 2018

Ein spannender Einblick in eine jahrhundertealte Verbindung zwischen dem Fernen Osten und den westlichen Kulturen, der den Besucher mit spektakulären Eindrücken und künstlerischer Ästhetik bereichert.


»Im Japanfieber. Von Monet bis Manga«

Ausstellungsdauer:
26. August 2018 – 20. Januar 2019

Anfahrt:
Arp Museum Bahnhof Rolandseck
Hans-Arp-Allee 1 | 53424 Remagen

Öffnungszeiten:
Dienstag bis Sonntag und an Feiertagen 11 – 18 Uhr

Informationen & Tickets:
+49 2228-9425-0 | Fax -21
www.arpmuseum.org

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