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“Katzen-Belästigung”: Neue tierische Wörter in Japans sozialen Medien

Aya Puster
Aya Puster

Die japanische Sprache ist stets im Wandel und Hunde und Katzen gestalten sie kräftig mit. In den letzten Jahren haben sich neue humorvolle Begriffe herausgebildet, die sich rund um unsere geliebten Haustiere drehen und besonders online auf Anklang stoßen. Wir stellen sie vor!

Katze auf Laptop
© Photo AC / pinotgrigio

Im September 2022 wurde Japan von einem der größten Taifune der Geschichte heimgesucht. Im Vorfeld kursierten im Internet mehrere Aufrufe, die besagten: “Inu wo shimae!“, was etwa „Bringt eure Hunde in Sicherheit!“ bedeutet. Interessant ist hier der eigenartige Gebrauch des Verbes shimau, der lexikalisch „Aufbewahren sachlicher Kostbarkeiten“ bedeutet, z. B. okane wo kinko ni shimau (das Geld im Tresor aufbewahren). In Deutschland etwa gilt seit 1990 laut Artikel 90a des Bürgerlichen Gesetzbuches, dass “Tiere keine Sachen sind”. Sind Japaner:innen also nicht tierlieb und behandeln ihre Haustiere wie Gegenstände?

Kostbare “Gegenstände”

Der Ausdruck inu wo shimau tauchte erstmals im September 2019 auf, als sich ein großer Taifun Japan näherte. Offenbar hat jemand den ursprünglichen Sinn des Verbes, etwas “Kostbares in Sicherheit zu bringen”, bewusst auf sein Haustier übertragen und traf prompt damit das Herz vieler Herrchen und Frauchen. Im Herbst 2022 wurde das Verb shimau nicht nur für Hunde und Katzen, sondern auch für Streuner, Schildkröten oder sonstige Tiere verwendet.

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Etwa zur gleichen Zeit debütierte ein Maskottchen namens genba neko, also „Katze am Arbeitsplatz“, im Internet. Ursprünglich wurde es als denwa neko, eine “telefonierende Katze”, von einer Illustratorin erschaffen. Im Laufe der Zeit entwickelte es sich weiter zur heute existierenden Figur, die shigoto neko, die “Arbeitskatze” mit Sicherheitshelm, die mit ihrer Pfote “Alles in Ordnung!“ zeigt. Diese Katzenfigur ist mittlerweile in mehreren öffentlichen Broschüren, Kampagnen und Plakaten zu finden, wie etwa das folgende Plakat zum Thema Lebensmittelsicherheit vom Ministerium für Landwirtschaft, Forstwirtschaft und Fischerei.

shigoto neko
Die "shigoto neko" ist mittlerweile auf vielen Flyern und Postern zu sehen, hier zum Thema Arbeitsschutz. © Ministry of Agriculture, Forestry and Fisheries

Liebevolle Katzen-Belästigung

Mit der Verbreitung des Corona-bedingten Homeoffice ist ein weiterer Begriff im Zusammenhang mit Katzen aufgetaucht: nekohara. Hara ist eine Abkürzung vom englischen “harassment”, also Belästigung, die in Japan leider keine Seltenheit ist. So gibt es allgemein bekannte Begriffe wie sekuhara (“sexual harassment”, sexuelle Belästigung), pawahara (“power harassment”, Nötigung durch Vorgesetzte), und akahara (“academic harassment”, Schikane gegen junge Wissenschaftler:innen/Studierende an Hochschulen).

Nekohara ist auch eine Form der Belästigung – und zwar durch Katzen. Welche:r Katzenbesitzer:in kennt es nicht: Man arbeitet zu Hause am PC und der Stubentiger legt sich demonstrativ auf die Tastatur. Nekohara ist nicht so negativ konnotiert wie die oben genannten Begriffe, im Gegenteil. Der Begriff weist auf eine “willkommene, liebevolle Störung durch Katzen im Homeoffice” hin. Wenn man nekohara in Katakana (ネコハラ) in Suchmaschinen eingibt, findet man jede Menge lustiger Bilder von störenden Katzen.

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Aber damit nicht genug: In der Präfektur Kagoshima im Süden Japans wurde im Oktober diesen Jahres der „Coworking Space Necohara“ für diejenigen eröffnet, die während der Telearbeit von Katzen “belästigt werden wollen”. Es handelt sich um ein Coworking-Space, in welchem sich mehrere Katzen aufhalten, die auf ein neues Zuhause warten und adoptiert werden können.

Kosenamen für Hunde

Während nuko für neko (“Katze”), innu für inu (“Hund”) sich als neue Kosenamen im Internet schon etabliert haben, war und ist wanchan ein klassischer Kosename für Hunde, den vor allem kleine Kinder benutzen. Hundebellen lautet auf Japanisch wanwan, (im Deutschen wäre es wauwau), und –chan ist ein verniedlichender Suffix. Allerdings gilt das nur, solange es mit Hiragana geschrieben wird. Wenn das Wort in Katakana geschrieben wird, hat es nichts mehr mit dem Hund zu tun. Das wanchan in Katakana wird vom englischen „one chance“ abgeleitet und bedeutet “eine eventuelle Chance”. Ein Beispiel:

Mada ichi tensa dakara, wanchan aru yo! [Beim Sport] Es ist nur ein Punkt Unterschied, wir haben noch eine Chance!

Im Gespräch kann man diese beiden Wörter (mal abgesehen vom Kontext) auch an der Betonung unterscheiden: Beim tierischen wanchan wird das “wa” höher gesprochen als andere Moren, beim Katakana-wanchan hingegen ist es tiefer.

Viel Spaß beim Japanischlernen!

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