Diese Fragen sollten Sie sich stellen, bevor Sie nach Japan auswandern

All About Japan
All About Japan

Nach Japan auszuwandern bedeutet, ein vollkommen neues Leben anzufangen. So erwarten Sie neben den vielen schönen, aufregenden Dingen auch jede Menge Herausforderungen. All About Japan erklärt Ihnen, was es alles zu beachten gilt.

Zwei japanische Arbeiter
©pixta.jp (https://pixta.jp/photo/38910340)

Nach Japan auszuwandern erweckt Vorstellungen von Picknicks unter Kirschblüten, Nächten in Karaoke Bars und zahlreichen Abenteuern. Bevor Sie Ihre Taschen packen, informieren Sie sich darüber, was Sie erwartet, wenn Sie nach Japan einwandern und dort leben. Hierzu zählen auch potenzielle Änderungen im Arbeitsrecht, Steuerrecht und bei den Visa-Anforderungen, die Sie kennen sollten.

1. Sind Sie sicher, dass Japan zu Ihnen passt?

Im Laufe der letzten Jahre hat Japan sich bemüht, hochrangiges und –hochqualifiziertes Personal anzuziehen. Bisher haben jedoch nur wenige zu dieser Gruppe zählende Personen den Schritt gewagt und sich entschieden, in Japan zu arbeiten.

Dem World Talent Ranking 2017 des IMD World Competitiveness Centers zufolge rangiert Japan auf Platz 31 von 64 Ländern auf einer Liste mit Destinationen für Toptalente. Wenn man die Tatsache außer Acht lässt, dass alle oberen Plätze von europäischen Ländern eingenommen werden, dann wird Japan von Nachbarn wie Singapur, Malaysia, Hong Kong Taiwan … und sogar Kazachstan verdrängt.

Warum? Nun, dem Bericht zufolge rangiert Japan zwar weit oben hinsichtlich „Investement & Entwicklung“ und „Attraktivität“, hat aber schlechte Zensuren bei der „Bereitschaft“. Das Fehlen von Jobs für Personen ohne Japanischkenntnisse, die Kluft bei der Geschlechtergleichheit, vergleichsweise geringe Gehälter und Erzählungen von Japans fehlender Work-Life-Balance sind alles Faktoren, die das Fachpersonal dazu veranlassen, anderswo nach Jobs zu suchen.

2. Sind Sie ein “hochqualifizierter ausländischer Professioneller“?

Trotz Japans Bedarf an Arbeitskräften in allen Bereichen sucht die japanische Einwanderungsbehörde hauptsächlich nach Personen des von ihr benannten Typs „hochqualifierter ausländischer Professioneller“.

Ihre Website zeigt ziemlich deutlich, dass jene, die bestimmte Kriterien erfüllen, eine “bevorzugte Behandlung” (ihre Worte, nicht unsere) erhalten. Abhängig davon, wie viele “Punkte” man hat, ist man zudem geeignet für ein Expressvisum (und hat vermutlich auch höhere Chancen bei der permanenten Aufenthaltsgenehmigung).

Bewerber müssen zu einer der drei Haupttypen von Jobs zuzuordnen sein: akademische Forschung, spezialisierte oder technische Aktivitäten oder Management. Die Anzahl und Gewichtung der Punkte variiert je nach Job und richtet sich normalerweise nach dem akademischen Abschluss, dem aktuellen Gehalt, der japanischen Sprachfähigkeit sowie der Länge der Arbeitserfahrung. Sie können sich hier über das Punktesystem informieren. Laut der Website muss ein Bewerber mindestens 70 Punkte haben, um eine spezielle Behandlung zu erhalten. Jedoch ist es auch Personen, die über besonders einzigartige oder äußerst gefragte Fähigkeiten verfügen, möglich, voranzukommen.

3. Können Sie von Ihrem jetzigen Unternehmen versetzt werden?

Flugzeug am Flughafen

Über ein bestehendes Arbeitsverhältnis nach Japan zu kommen ist wahrscheinlich der reibungsloste und einfachste Weg, geschweige denn der ökonomischste! Anstatt sich dem Stress der Jobsuche auszusetzen, eine eigene Wohnung finden zu müssen (dies kann mit geringen Japanischkenntnissen schwer sein) und herauszufinden, wie Sie Ihre Rechnungen bezahlen, kann sich Ihre Firma um all diese Details kümmern.

Expatriaten, die diesen Weg gehen, bekommen in der Regel bessere Gehälter. Außerdem enthält ihr Transferpaket oft Sonderleistungen wie vom Unternehmen bezahltes Wohnen, die Mitgliedschaft in Clubs sowie Sprachkurse.

4. Wie lange planen Sie zu bleiben?

Solange Sie aufgeschlossen sind, kann in Japan zu leben wirklich fantastisch sein. Das Land ist sicher, bietet einen großartigen öffentlichen Verkehr, eine verlässliche medizinische Versorgung sowie jede Menge coole Orte zu entdecken. Tōkyō ist umgeben von zahlreichen tollen Destinationen für Tagestrips und exzellenten Wanderrouten.

Es kann verlockend sein, sich für einen langen Zeitraum in Japan niederzulassen… aber Sie müssen sich bewusst sein, dass dies aufgrund einer Gesetzesänderung 2017 mit überraschenden Kosten verbunden sein kann, besonders hinsichtlich der „Erbschafts- und Schenkungssteuer“.

Die Gesetzesänderung betrifft keine Personen mit Aufenthaltsgenehmigung, womit jene gemeint sind, die innerhalb der letzten fünfzehn Jahre zehn Jahre oder weniger in Japan verbracht haben UND die ein „Tabelle 1 Visum“ haben — normalerweise ein Arbeitsvisum.

Leider müssen Sie, wenn Sie mehr als zehn der letzten fünfzehn Jahre in Japan verbracht haben ODER ein “Tabelle 2 Visum” wie ein Ehegattenvisum oder eine permanente Aufenthaltsgenehmigung haben, eine Erbschaftssteuer von bis zu 55% auf alle Güter, die Sie erhalten, zahlen, inklusive solche von außerhalb Japans. Selbst nachdem Sie Japan verlassen, müssen Sie die Erbschaftssteuer eventuell noch bis zu fünf Jahre weiterzahlen.

Detailliertere Informationen über die verschiedenen Steuern, Zeitleisten und wie Sie Personen in unterschiedlichen Steuergruppen betreffen, finden Sie in unserem Leitfaden und unter diesem Link.

Japan hat eine der höchsten Erbschaftssteuern der Welt. Daher ist es wichtig, sorgfältig zu planen, um sicherzugehen, dass Sie für die Zukunft vorbereitet sind.

5. Verfügen Sie über gefragte Fähigkeiten?

Derzeit herrscht Personalknappheit in zahlreichen handwerklichen Industrien. Mit Gesetzesänderungen will Premierminister Abe qualifiziertem Personal der  folgenden 14 Bereiche das Erhalten eines Visums (für bis zu fünf Jahre) erleichtern:

  • Seniorenpflege
  • Gebäudereinigung
  • Landwirtschaft
  • Fischerei
  • Lebensmittel- und Getränkeproduktion
  • Gastronomie (wie Restaurants, Cafés und Bars)
  • Materialfertigung (wie Metallguss)
  • Industriemaschienenproduktion
  • Elektronik und Elektrogeräte bezogen
  • Bauarbeit
  • Schiffbau und Schiffsausrüstung
  • Automobilwartung
  • Luftfahrtservice
  • Unterkunft und Bewirtung (Hotels)

Der Entwurf wurde Anfang November 2018 eingereicht und das Gesetz wird hoffentlich im April 2019 offiziell in Kraft treten. Dennoch sieht es so aus, als ob die Chancen, diese Visumstypen zu verlängern oder eine permanente Aufenthaltsgenehmigung zu erhalten, sehr schlecht stehen.

6. Sind Sie bereit, Japanisch zu lernen?

Schüler beim Unterricht

Gewiss ist es möglich, mit geringen Japanischkenntnissen in Japan zu leben und zurechtzukommen. Solange Sie nicht von einer ausländischen Firma versetzt wurden, verringern die fehlenden Sprachfähigkeiten jedoch die Auswahl an Jobs, auf die Sie sich bewerben können erheblich (z.B. Englischunterricht, Recruitment, einige Jobs in der IT und Gastronomie) und Sie werden es schwer haben, sich beruflich weiterzuentwickeln.

Verglichen mit noch vor nur fünf Jahren ist das Land sehr viel Englisch-freundlicher geworden und es gibt mehr Arbeitsstellen für Personen ohne Japanischkenntnisse, hauptsächlich im Bereich Tourismusindustrie… dennoch erfordert die große Mehrheit der gut bezahlten Vollzeitstellen zumindest einen gewissen Grad an Sprachkompetenz.

Japanisch ist keine Sprache, die sich einfach lernen lässt. Sie ist jedoch sehr systematisch, mit vielen Floskeln, die das relativ schnelle Erlernen der Grundkenntnisse ein wenig erleichtern können. Wir haben jede Menge Tipps, die helfen, das Japanischlernen angenehmer zu machen. Haben Sie zudem die Gelegenheit, an einem Unterricht teilzunehmen oder die Zeit, YouTube Videos anzusehen — jedes kleine bisschen hilft.

Ein praktischer Tipp: Japanisch sprechen und lesen zu können macht Ihnen den Alltag und Routineaufgaben (ungefähr) 100 Mal leichter. Es wird Ihnen vermutlich sogar helfen, längere Visa zu erhalten!

7. Kennen Sie Ihre Rechte?

Waage und Gesetzesbücher

Genau wie überall auf der Welt gibt es Firmen, die versuchen dürften, Vorteilen aus Ihnen zu ziehen. Und wenn Ihr Japanisch schlecht ist, können Sie leicht darauf hereinfallen.

Einige Basisregeln, die Sie beachten sollten, sind:

  • Geben Sie niemals Ihren Reisepass oder Ihre Aufenthaltskarte (在留カード) Ihrem Arbeitgeber. Möglicherweise benötigt er eine Kopie dieser Ausweise. In diesem Fall sollten Sie diese selbst anfertigen und der zuständigen Person aushändigen. Vermeiden Sie, Ihren Arbeitgeber außerdem zum Bürgen Ihrer Wohnung zu machen (es gibt andere Möglichkeiten, über die Sie sich hier informieren können).
  • Machen Sie sich mit Gesetzen zu Gehältern, Arbeitszeiten und Bezahlungen vertraut.
  • Tragen Sie immer Ihre Aufenthaltskarte bei sich, auch wenn Sie nur kurz spazieren oder zum Kombini gehen.

Wir empfehlen, alle illegalen Aktivitäten und einen Aufenthalt im Gefängnis (oder einem Gefangenenlager) um jeden Preis zu vermeiden. Falls jedoch das Schlimmste eingetreten ist, kontaktieren Sie zuerst einen Pflichtanwalt, der mit Ihrer Familie in Kontakt treten kann. Bitten Sie darum, das Konsulat Ihres Landes zu kontaktieren, fragen Sie nach einem Dolmetscher und unterschreiben Sie nichts ohne die Anwesenheit Ihres Anwalts. In Japan kann man bis zu 23 Tage ohne Schuldnachweis inhaftiert warden, weshalb wir Sie (nochmals) dringend mahnen, illegale Aktivitäten um jeden Preis zu vermeiden.

8. Sind Sie bereit für jede Menge Neues?

Japan hat sein eigenes System und Wege, Dinge zu organisieren; sei es das Zahlen von Rechnungen, sich für Services zu registrieren oder anderes. Vieles davon ist noch immer analog und verstrickt. Erwarten Sie also, sich in den ersten Monaten ein bisschen verloren und vielleicht sogar frustriert zu fühlen, bis Sie sich an den Ablauf des Alltags gewöhnt haben.

Glücklicherweise haben Generationen von Expatriaten vor Ihnen zahlreiche praktische Handbücher erstellt, die ihnen helfen, mit Situationen aller Art umzugehen. Einige Serviceanbieter wie die Wasserwerke in Tōkyō sind zudem proaktiver hinsichtlich der Bereitstellung von Informationen in anderen Sprachen als Japanisch geworden. All About Japan hat eine ganze Sparte zum Thema Rat, Tipps und Tricks, die Ihnen helfen, Ihr neues Leben einfach in den Griff zu bekommen.

Informieren Sie sich außerdem auf den Leitfäden für Einwohner, die online verfügbar sind und Ihnen helfen werden, sich in Ihrer neuen Stadt zurechtzufinden! Nachstehend haben wir Ihnen einige Links für die beliebtesten Städte zusammengestellt:

Tōkyō Leitfäden für Einwohner
Yokohama Leitfäden für Einwohner
Nagoya Leitfäden für Einwohner
Osaka Leitfäden für Einwohner
Kyōto Leitfäden für Einwohner
Fukuoka Leitfäden für Einwohner
Sapporo Leitfäden für Einwohner
Naha Leitfäden für Einwohner

Egal wie gut Sie sich jedoch vorbereiten (oder wie gut Sie denken, dass Sie Japan kennen) — es wird immer plötzlich irgendetwas Neues und Seltsames passsieren. Dies kann natürlich ein Teil des Vergnügens sein. Schließlich ist zum Beispiel das Entdecken vieler nützlicher Dinge im Kombini, irgendwelcher Events oder praktischer Services ein nicht endendes Abenteuer!


Auch wenn dieser Artikel ein wenig pessimistisch erscheinen mag — wir möchten nur sichergehen, dass Sie gut vorbereitet sind, bevor Sie in Japan ankommen, um dort zu arbeiten. Es gibt viel Großartiges am Leben in Japan und es kann die perfekte Wahl sein für viele junge Fachleute oder Familien, die ein Abenteuer in einem sicheren und wunderschönen Land suchen.


Dieser Artikel wurde am 06. November 2018 von All About Japan verfasst und für die Veröffentlichung auf JAPANDIGEST nachbearbeitet.

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