Auslandssemester in Japan: so geht’s

Sina Arauner
Sina Arauner

Sie wollen in Japan studieren, doch ein reguläres Studium kommt nicht in Frage? Unter deutschen Studenten gelten Auslandssemester in Japan als Geheimtipp! Intensive Erfahrungen im Gastland zu einfacheren Konditionen – JAPANDIGEST sagt Ihnen, worauf Sie achten müssen.

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Eingang zur Gakushūin Frauenuniversität, an welcher internationale Studenten Kurse in Interkulturellen Studien besuchen können. ©Dick Thomas Johnson, flickr

Sie haben sich für einen Auslandsaufenthalt in Japan entschieden und werden dort an einer Universität studieren? Dieser Artikel gibt Ihnen einige hilfreiche Tipps für die Planung eines erfolgreichen Aufenthaltes.

Privat oder über die Uni?

Am leichtesten ist es, über die Heimatuniversität einen Platz an einer japanischen Partneruniversität zu ergattern. So sparen Sie sich viel mühsame Planung, durch bereits bestehende Austauschbeziehungen. Informieren Sie sich bei den zuständigen Koordinatoren an Ihrer Universität über die Zulassungsbedingungen.

Falls Sie an einer bestimmten Universität studieren möchten, zu der keine Partnerbeziehungen bestehen, können Sie sich auch privat um einen Studienplatz kümmern. In diesem Fall müssen Sie mit einem höheren Aufwand und eventuell auch mehr Kosten rechnen – viele Austauschprogramme erlassen Studiengebühren für Studenten von Partneruniversitäten.

Dasselbe gilt auch für die Wohnungssuche: wenn Sie lieber privat etwas mieten möchten, als ein Zimmer im Studentenwohnheim zu beziehen, planen Sie mehr Zeit für die Suche und höhere Mietkosten ein. Viele Vermieter akzeptieren außerdem keine Austauschstudenten, die nur für ein Jahr oder kürzer im Land sind.

Das Wohnheim der Surugadai Universität – ein Turm für Männer, ein Turm für Frauen. In vielen Universitäten herrscht strikte Geschlechtertrennung in den Wohnheimen und teilweise gibt es auch nächtliche Ausgangssperren @Arauner

Finanzierungsmöglichkeiten

In Japan ist mit erhöhten Lebenshaltungskosten zu rechnen. In der Regel muss bereits bei der Bewerbung um einen Studienplatz angegeben werden, wie man sich den Aufenthalt in Japan finanziert, also kümmern Sie sich rechtzeitig darum!

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  • Stipendien: DAAD, Monbushō 文部省-Stipendien der japanischen Regierung, Stipendien der Gastuniversitäten, …
  • Auslands-BAföG: Wenn Anspruch auf BAföG besteht, ist die Zahlungssumme entsprechend des Gastlandes angepasst. Wer keinen Anspruch auf Inlands-BAföG hat, kann wegen der erhöhten Kosten im Ausland unter bestimmten Voraussetzungen Auslands-BAföG erhalten. Doch Vorsicht: Stellen Sie den Antrag mindestens sechs Monate im Voraus, sonst kann es passieren, dass Sie bis zur Bewilligung in Japan auf dem Trockenen sitzen.
  • Studienkredit: Ein Studienkredit wird in der Regel sehr viel schneller bewilligt als BAföG und ist besonders für kurzfristig geplante Auslandsaufenthalte sehr praktisch. Er passt sich den Bedürfnissen von jungen Studierenden und Berufseinsteigern an.
  • Private Finanzierung: Wer viel Erspartes hat oder von einer Privatperson unterstützt wird, kann diese Mittel zur Finanzierung nutzen. Hierbei ist zu beachten, dass bei der Bewerbung der Kontostand der jeweiligen Person vorzulegen ist, welcher einen bestimmten Mindestbetrag aufweisen muss.
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Die Bunka Gakuen Universität in Tōkyō bietet für internationale Studenten Kurse in den Fakultäten Mode, Design und freie Künste an. ©Dick Thomas Johnson, flickr

Visum

Sobald Sie eine Zusage an einer japanischen Universität bekommen haben, nehmen Sie die Immatrikulationsbescheinigung, das Certificate of Eligibility und Ihren gültigen Reisepass und beantragen Sie im japanischen Konsulat oder der Botschaft ein Studentenvisum. Dieser Antrag kann zwischen einer und mehreren Wochen in Anspruch nehmen, also erledigen Sie dies rechtzeitig.

Meldeprozesse in Japan

Sobald Sie dann in Japan angekommen sind, stehen Ihnen noch ein paar Hürden im Weg, bevor Sie sich voll ins japanische Studentenleben stürzen können. Noch bevor Sie den Flughafen verlassen, besorgen Sie sich im Immigrationsbüro eine zairyū ka-do 在留カード , also eine Aufenthaltskarte, die jeder, der mehr als drei Monate in Japan verbringt, benötigt. In diesem Büro werden Sie vermutlich erst auf Japanisch angesprochen. Wenn Ihre Sprachkenntnisse nicht ausreichen: lassen Sie sich von anderen Antragsstellern helfen!

Aber keine Sorge, Sie müssen nur Ihren Pass mit Visum vorzeigen, ein Foto von sich schießen lassen und Ihre Fingerabdrücke scannen lassen. Dann bekommen Sie die Karte direkt ausgehändigt. Ab diesem Moment gilt: hüten Sie sie wie Ihren Augapfel, denn als Ausländer unterliegen Sie in Japan dem Passzwang. Tipp am Rande: Auf diesem Kärtchen steht nach Anmeldung am Rathaus Ihre japanische Adresse vermerkt, es ist also ein sehr praktischer Spickzettel, wenn Sie Ihre Adresse irgendwo angeben müssen!

Innerhalb der ersten drei Wochen nach der Ankunft müssen Sie beim zugehörigen Rathaus Ihre Wohnort melden. Dort müssen Sie allerlei Formulare (Wohnbescheinigung, Krankenversicherung – diese müssen Sie monatlich zahlen, auch wenn Sie eine Auslandskrankenversicherung in Deutschland abgeschlossen haben) ausfüllen. In der Regel werden diese Prozesse auf Japanisch durchgeführt, verlassen Sie sich nicht drauf, dass du mit Englisch durchkommst. Wenden Sie sich ich am besten an die Koordinatoren für internationale Studenten an der japanischen Universität, sie helfen Ihnen weiter.

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Das Yasuda Auditorium der Universität Tōkyō, eine der angesehensten Universitäten Japans.

Arbeit

Ihr Studentenvisum erlaubt Ihnen, bis zu 28 Stunden pro Woche einer bezahlten Tätigkeit nachzugehen. Die Regeln in Japan sind sehr strikt, und Sie dürfen keiner Beschäftigung, die der „öffentlichen Moral widerspricht“, nachgehen, zum Beispiel in Bereichen der Unterhaltungsindustrie. Beliebt unter Austauschstudenten sind Tätigkeiten als Sprach- oder Nachhilfelehrer, sowie Jobs in der Gastronomie. Außerdem ist anzumerken, dass an japanischen Universitäten Anwesenheitspflicht im Unterricht herrscht. Suchen Sie sich also keine Tätigkeit aus die Sie vom Unterricht ablenkt.

Studentenleben

Last, but not least: weshalb Sie eigentlich nach Japan gehen, das Studentenleben! Im Vergleich zu deutschen Universitäten sind japanische Studenten sehr viel involvierter im studentischen Leben. Selbst an kleinen Universitäten gibt es Unmengen an Zirkeln, in denen die Studenten sich regelmäßig treffen und aktiv sind. Sport, Gesang, Zeichnen, Filmemachen, Schreiben, oder auch einfach gemeinsame Ausflüge – nur ein Bruchteil, von dem Angebot, das Sie in Japan erwartet.

Japanische Studenten des Kyūdō-Zirkels (Japanisches Bogenschießen)

Für internationale Studenten gibt es oft besondere Angebote die den kulturellen Austausch fördern: internationale Feste, gemeinsame Ausflüge und Japan-Erfahrungen, Sprach- und Redewettbewerbe. Um Kontakte zu knüpfen ist es sehr wichtig, aktiv und offen auf die Leute zuzugehen. Gerade an kleineren Universitäten mit wenigen Austauschstudenten können die japanischen Studenten etwas gehemmt oder eingeschüchtert sein, dich anzusprechen, auch wenn sie es gerne möchten.

Auch der Kontakt zwischen Studenten und Dozenten ist in Japan etwas anders als in Deutschland. Wundern Sie sich nicht, wenn Sie zu einem nomikai (Trinktreffen), zum Abendessen oder anderen Ausflügen eingeladen werden.

Ein letzter Tipp für einen erfolgreichen Auslandsaufenthalt: Seien Sie offen für alle Erfahrungen! Es wird sicher nicht nur einmal vorkommen, dass Sie Ihre Komfortzone verlassen müssen. Dazu kommt der Kulturschock und eventuell eine Sprachbarriere – da kann es verlockend sein, sich ins Gewohnte zurückzuziehen. Vertrauen Sie darauf, dass dem Großteil der Menschen, denen Sie begegnen werden, sehr viel daran gelegen ist, Ihre Erfahrung in Japan zu einem unvergesslichen Erlebnis werden zu lassen und dafür zu sorgen, dass Sie sich wohl und willkommen fühlen! Anders herum gilt auch: Als Repräsentant Ihrer Heimat wird von Ihnen erwartet, sich vorbildlich und angemessen zu verhalten, um weder Ihre Gast- noch Ihre Heimatuniversität zu blamieren!

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