AAV7 Japan Amphibious Amphibisch Militär EInsatzfahrzeug
Das amphibische Einsatzfahrzeug AAV7, hier bei einer Übung in Portugal. (c) Allied Joint Force Command Brunssum / Flickr CC2.0

NEWS | Selbstverteidigung: Japans Militär erhält US-Marines-ähnliche Sondereinheit

Hannah Janz

Selbstverteidigungsstreitkräfte: Sondereinheit spezialisiert auf sofortiges Eingeifen +++ Grund: Neue Bedrohungslage in Ostasien +++ Außerdem neuer Helikopterträger Kaga in Dienst gestellt

Wie die japanische Nachrichten-Agentur Kyodo heute bekanntgab, entsteht bei den japanischen Bodenselbstverteidigungsstreitkräften eine neue Eingreiftruppe, deren Konzeption an die der US-Marines angelehnt ist.

Ählich wie die Marines, die als vierte Teilsteitkraft des US-Militärs auf sofortiges Eingreifen spezialisiert sind, soll die japanische Sondereinheit im akuten Verteidigungsfall die erste Abwehrlinie bilden.

Die Einheit wird auf dem Stützpunkt Ainoura bei der Stadt Sasebo in der Präfektur Nagasaki stationiert sein. Ihr Übungsszenario bis März 2018 sieht vor, invasorische Angriffe auf japanisches Territorium abzuwehren. Im Fokus stehen dabei kleinere Inseln im westlichen Teil Japans.

Ausgerüstet ist die Truppe unter anderem mit dem AAV7, einem amphibischen Einsatzfahrzeug, das von Schiffen abgesetzt wird und anschließend an Land geht. Das „Assault Amphibious Vehicle“ wird ursprünglich vom US Marine Corps eingesetzt, weil es ein sofortiges Eingreifen ermöglicht.

Bedrohungslage in Ostasien: Sondereinheit als Reaktion auf Veränderungen

Als Grund für die Schaffung der Sondereinheit nannte Toyoda Ryūji, Oberst des Infantrieregiments Japan West, die sich verschlechternde Sicherheitslage in Ostasien. Japans Regierung hatte in den letzten Monaten aufgrund mehrerer Raketentests durch Nordkorea über Maßnahmen zur Luftsicherheit diskutiert, andere Bedrohungsszenarien und die Bodenabwehr waren darüber in den Hintergrund geraten.

Experten schätzen die Wahrscheinlichkeit einer Invasion der japanischen Hauptinseln, anders als noch während des Kalten Krieges, als sehr gering ein.

Anders steht es um kleine, aber strategisch wichtig gelegene Inseln zwischen Japan und dem asiatischen Festland, beispielsweise die Senkaku-Inseln und andere Inseln in der Miyako-Meerenge. Die Meerenge von Miyako ist einer der einzigen internationalen Seewege, der der Volksrepublik China als Zugang zum Pazifik über das Ostchinesische Meer zur Verfügung steht. Japans Inseln erstrecken sich in dieser Meerenge bis kurz vor Taiwan.

Um die Senkakus, unbewohnte Felseninseln, die sehr weit westlich in der Meerenge von Miyako liegen, kommt es immer wieder zu diplomatischen Streitigkeiten und militärischen Geplänkeln zwischen Japan und der Volksrepublik China. China beruft sich auf historische Ansprüche auf die Senkaku-Inseln, die derzeit unter japanischer Verwaltung stehen. Für die VR stehen neben den fisch- und ressourcenreichen Gebieten um die Senkakus vor allem Machtprojektion und eine Ausweitung des Einflussgebietes auf der Agenda.

Japan: Neue Verteidigungsmaßnahmen gegen multiple Bedrohung

Kaga Japan Helikopterträger MilitärHelikopterträger Kaga 2015 bei einer Testfahrt. (c) Yamada Taro / CC4.0

Ergänzend zur nun eingesetzten Sondereinheit zur Bodenverteidigung stärkt Japan auch seine maritime Abwehrfähigkeit. Erst am 22. März war der neue Helikopterträger Kaga der Izumo-Klasse in Dienst gestellt worden. Das Schiff ist ausgerüstet für die Abwehr feindlicher U-Boote. Die Hauptaufgabe der Kaga wird aber vor allem in der Patrouille und Bewachung japanischen Hoheitsgebiets liegen.

Die Frankfurter Allgemeine Zeitung bezeichnete das größte Schiff, das Japan seit dem Zweiten Weltkrieg in Dienst gestellt hat, in ihrem Artikel vom 25. März als „Japans neue Faust im Inselstreit“ mit der Volksrepublik China.

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