Close-Knit Japanischer Film
Was macht Familie aus - nur eine wichtige Frage, die "Close-Knit" stellt. © TEDDY AWARDS

NEWS | Berlinale 2017: Japanischer Film gewinnt TEDDY-Jury-Preis

„Close-Knit“ gewinnt Special Jury-Preis des TEDDY AWARDs +++ Regisseurin Ogigami fordert darin konservative japanische Gesellschaft zum Umdenken auf

Am Freitag, den 17. Februar 2017, verlieh die Jury des TEDDY AWARDs ihren Sonderpreis an den japanischen Spielfilm Close-Knit (im japanischen Original Karera ga honki de amu toki ha, 彼らが本気で編むときは、, übersetzt soviel wie „Wenn sie voller Inbrunst stricken,“).

Der TEDDY AWARD ist ein Preis, der im Rahmen der Internationalen Filmfestspiele Berlin für queere Filme verliehen wird, also Filme, die sich mit Menschen und Themen beschäftigen, die nicht in heteronormative Muster passen.

Bei Close-Knit führte die Japanerin Ogigami Naoko Regie. Der Film feierte auf der Berlinale seine internationale Premiere. Das Blog der TEDDY AWARDs stellt Close-Knit wie folgt vor:

Die elfjährige Tomo ist auf sich allein gestellt. In der Spüle stapelt sich das dreckige Geschirr und zu essen gibt es wieder einmal nur Onigiri aus dem Supermarkt, denn Tomos alleinerziehende Mutter kommt meistens spät und betrunken nach Hause. Als sie ihre Tochter eines Tages ganz verlässt, ist das Mädchen auf die Hilfe seines Onkels angewiesen, der Tomo bei sich und seiner Freundin Rinko aufnimmt. Bei ihrer ersten Begegnung ist das Erstaunen groß: Rinko ist eine Transfrau, die sich sofort fürsorglich um Tomo kümmert und ihr nicht nur liebevoll zubereitete Speisen anbietet, sondern auch ein neues Zuhause für sie schafft. Doch bald bekommt die Idylle erste Risse.


[Video] Trailer zu Close-Knit mit englischen Untertiteln

Im Anschluss thematisiert der Film, was es bedeuten kann, in Japan als transsexueller Mensch zu leben. Neben persönlichen Problemen geht es vor allem um gesellschaftliche Anerkennung und Teilhabe.

Wie Regisseurin Ogigami Naoko im Interview auf der Berlinale sagt, habe sie mit ihrem Film Close-Knit vor allem konservative Sichtweisen in der japanischen Gesellschaft aufbrechen wollen. „Familie“ geht bei Ogigami schließlich über eng heteronormativ definierte Blutsbande hinaus.


[Video] Interview auf Englisch mit der japanischen Regisseurin Ogigami Naoko bei den TEDDY AWARDs 2017 zu ihrem Film Close-Knit.

Der Film wird 2017 weltweit auf weiteren queeren Filmfestivals gezeigt werden. Über eine deutsche Veröffentlichung ist noch nichts bekannt.