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Odaiba: Tōkyōs Vergnügungsviertel am Meer

Diana Casanova
Diana Casanova

Wer Tōkyō besucht, der sollte sich unbedingt einen Tag oder zwei für eines der aufregendsten Vergnügungsviertel der Megacity freihalten: Odaiba bietet für Jung und Alt Shopping- und Ausflugsmöglichkeiten, von denen wir Ihnen die Highlights im Folgenden vorstellen.

Odaiba

Die Ursprünge der künstlichen Insel Odaiba (お台場), gelegen in der Bucht von Tōkyō, lassen sich bis in die Edo-Zeit (1603–1868) zurückverfolgen. Zu Beginn war es eine Sammlung von mehreren kleinen, von Menschen angelegten Inseln, die u.a. zu Verteidigungszwecken genutzt werden sollten (daiba bedeutet auf Japanisch „Festung“).

Tatsächliche militärische Einsätze der Festungen waren selten, sodass sie vor allem als Schiffsanlegeplätze und Werften Verwendung fanden. In den 1980er-Jahren, als der Wirtschaftsaufschwung in Japan seine goldenen Jahre feierte, wurden massive und umfangreiche Umbaupläne beschlossen, die vorsahen, die kleineren Inseln zu zwei großen zusammenzuschließen. Dies sollte dem Ort, der vor allem als Wohn- und Geschäftsviertel dienen sollte, ein neues, hochmodernes Gesicht zu verleihen.

Entwicklung zu einem Vergnügungsort

Dieses Prestigeprojekt erlebte jedoch einen empfindlichen Dämpfer, als Anfang der 1990er die Wirtschaftsblase platzte und Japan in eine schwere Wirtschaftskrise stürzte, von der sich das Land nie wieder richtig erholen würde. Pläne wurden zunächst auf Eis gelegt, ein Kurswechsel in Richtung Unterhaltungseinrichtungen eingelegt, und im Laufe des Jahrzehnts nach und nach Hotels, Shoppingzentren und weitere Einrichtungen eröffnet – so verlegte u.a. der große Fernsehsender Fuji TV seinen Hauptsitz auf die Insel. 1995 wurde die automatisierte Bahnlinie „Yurikamome“ (zu Deutsch „Lachmöwe“), die zwischen den Bahnhöfen Shinbashi und Toyosu verkehrt und Odaiba mit dem „Festland“ verbindet, fertiggestellt.

In den darauffolgenden Jahren entwickelte sich Odaiba weiter zu einem der größten und modernsten Shopping- und Vergnügungsvierteln Tōkyōs, welches besonders beliebt unter jungen Leuten und Pärchen ist. Überall spürt man die Nähe zum Meer und das maritime Flair, das in die Konzepte vieler Sehenswürdigkeiten geflossen ist.

Museen

teamLab Borderless & Planets

Seit ihrer Eröffnung 2018 konnte sich die Kunstausstellung des Künstlerkollektivs teamLab als absolutes Highlight einer jeden Japanreise etablieren, welche auch nach über anderthalb Jahren keinen Abriss des Besucherstroms zu befürchten hat. Dieses einmalige Erlebnis, das Besucher in digital erzeugte magische Welten entführt, ist ein absolutes Muss, wenn es einen nach Odaiba verschlägt.

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Alternativ können Sie das ebenfalls 2018 eröffnete Schwestermuseum teamLab Planets besuchen. Im Viertel Toyosu gelegen, werden auch hier innovative digitale Kunstwerke zum Anfassen und Staunen geboten. Wenn auch etwas kleiner als Borderless, waten Sie dafür z. B. durch knietiefes Wasser, während digitale Karpfen um Sie herumschwimmen, oder verlieren sich in Spiegelsälen voller Orchideen. Planets ist derzeit bis Ende 2027 geöffnet. 

Forest of Lamps im Digital Art Museum Tokyo
teamLab, Exhibition view, MORI Building DIGITAL ART MUSEUM: teamLab Borderless, 2018, Odaiba, Tokyo © teamLab

Miraikan

Im Nationalen Museum für Zukunftsforschung und Innovation, auch bekannt als „Miraikan“ („Halle der Zukunft“), können Besucher ein vielfältiges Angebot, u.a. aus den Themenbereichen Umwelt, Technik und Zukunftstechnologien sowie Raumfahrt interaktiv erleben und ausprobieren. Ein kleines Highlight sind die täglichen Demonstrationen des humanoiden Roboters „ASIMO“, dem schon Angela Merkel versucht hat, die Hand zu schütteln.

Odaiba Takoyaki Museum

Oktopus gefällig? Diese Spezialität, die ihren Ursprung in Ōsaka hat, aber national wie international als schmackhaftes, typisch japanisches Soulfood geliebt wird, hat ihr eigenes kleines Museum im Shoppingzentrum DECKS Tōkyō Beach. Nicht nur finden sich dort viele Souvenirs und andere tolle Mitbringsel rund um die leckeren Oktopusbällchen, man kann an verschiedenen Ständen diese selbst in zahlreichen Variationen probieren. Der perfekte Mittagssnack während einer ausgiebigen Shoppingtour!

Takoyaki mit Garnitur
pixabay.com

Unko Museum

Wollten Sie schon immer mal mit neonfarbenem Kot spielen, ohne dafür entsetzt angestarrt zu werden? Das geht jetzt endlich, und zwar im Unko Museum! Im März 2019 eröffnete in Yokohama ein befristetes Pop-Up-Lokal, das sich rund um die bunte und schillernde Welt von unko drehte. Unko ist umgangssprachlich und bedeutet „Kacke“ oder „Schei**“. Seit 2020 hat dieses einzigartige Museum einen festen Standort im Einkaufszentrum DiverCity, wo Sie – begleitet von allerlei Wortwitzen und Toilettenhumor – durch interessante Ausstellungsstücke und interaktive Zonen schlendern können.

Unko Museum in TokyoMaximal niedliche Kacke: Das Unko Museum in TōkyōWollten Sie schon immer mal mit neonfarbenem Kot spielen, ohne dafür entsetzt angestarrt zu werden? Das geht jetzt endlich, und zwar im Unko...17.11.2020

Shopping

Palette Town

Palette Town ist ein treffender Name für diesen Entertainment-Komplex: Für jeden Geschmack hat er ein buntes Programm zu bieten. Da gäbe es z.B. das markante, knallrot-bunte Riesenrad, von dem man einen Blick auf die gesamte Tōkyō-Bucht werfen kann und welches am Abend in den Farben des Regenbogens zu leuchten beginnt. Im Inneren warten u.a. Toyota Mega Web, ein interaktiver Showroom des Automobilherstellers Toyota, sowie das teamLab Borderless.

Beleuchtetes Riesenrad von Palette Town bei Nacht

Venus Fort

Dieses Shoppingzentrum ist Teil von Palette Town, doch sein Inneres macht es zu etwas ganz Besonderem. Die Innenarchitekten nahmen sich das Europa des 17. Jahrhunderts zum Vorbild und es wird eine große Auswahl an Geschäften, Restaurants und Cafés geboten, während man gleichzeitig in ein historisch anmutendes Labyrinth aus Säulen, Springbrunnen und Statuen geführt wird. Ein an die Decke gemalter blauer Himmel ist der ständige Begleiter.

DiverCity

DiverCity reiht sich ein in die Fülle von Odaibas Shoppingmöglichkeiten und verfügt nicht nur über einen großen Foodcourt und sogar eine Konzerthalle, es bietet eine enorme Auswahl an (Marken-) Geschäften für Kleidung, Schuhe und andere Konsumgüter. Warum DiverCity besonders ist? Direkt vor dem Haupteingang steht eine gigantische „Gundam“-Statue aus dem gleichnamigen, populären Anime, die mehrmals täglich zum Leben erwacht und eine kurze Show abliefert.

Einen Abstecher wert

Toyosu Fischmarkt

Nach langem Hin und Her ist 2018 der berühmte Tsukiji-Fischmarkt nach Toyosu umgezogen, der auch heute noch einer der größten Großmärkte der Welt ist. Zwar hat er wenig von Tsukijis muffeligem, aber authentischen Charme behalten, dafür ist das Areal touristenfreundlicher und man kann noch immer eine der berühmten Thunfisch-Auktionen (wenn auch in einem abgegrenzten Bereich) bewundern. Zudem werden auch geführte Touren durch den Markt angeboten und es gibt eine Auswahl an Restaurants und Geschäften.

Toyosu-Fischmarkt von oben

Tokyo Big Sight

Tokyo Big Sight (offiziell Tōkyō International Exhibition Center) ist das größte Messegelände Japans und u.a. Veranstaltungsort der Comic-Messe Comiket, der Tōkyō Toy Show und der Tōkyō Motor Show. Imposantes Wahrzeichen des Gebäudes ist das Konferenzzentrum, welches in Höhe von 58 Metern die Form von vier auf dem Kopf stehender Pyramiden hat. Auf dem Gelände sind weiterhin diverse Skulpturen zeitgenössischer Künstler zu sehen.

Tokyo Big Sight

Ōedo Onsen Monogatari

Dieser Themenpark widmet sich ganz den wohltuenden heißen Thermalbädern, die in ganz Japan berühmt sind. Die Anlage bietet traditionelle Freiluftbäder, Saunen, Fußbäder und noch mehr, während hochgepumptes Wasser aus der 1400 m tiefen Tōkyōter Bucht seine Besucher verwöhnt. In einer Nachbildung eines Edo-Dorfes kann man typische Festivalspiele ausprobieren oder altmodische Süßigkeiten vernaschen. Ōedo Onsen Monogatari ist genau das Richtige nach einem langen, aufregenden Tag in Odaiba. Wie man sich in einem japanischen Onsen richtig verhält, erfahren Sie im folgenden Artikel.

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Odaiba Laternenfest

Am dritten Montag im Juli wird in Japan der „Tag des Meeres” (umi no hi) gefeiert. Dieser Nationalfeiertag drückt die „Dankbarkeit für den Segen des Meeres und den Wunsch nach Wohlstand für das ozeanische Land Japan” aus. An diesem Tag wird auf dem Strandareal Odaibas das Laternenfest abgehalten, an dem über 50.000 Papierlaternen mit angezündeten Kerzen im Inneren aufgestellt werden und bei Nacht dem Wort Lichtermeer eine ganze neue Bedeutung verleihen.

Fuji TV-Gebäude

Dieses Gebäude des großen japanischen Fernsehsenders Fuji TV, das vor allem durch sein futurisches Design auffällt, ist der Hauptsitz auf Odaiba. Der markante kugelförmige Teil ist eine für Touristen zugängliche Aussichtsplattform, die ein 360° Panorama auf die gesamte Bucht bietet. Darüber hinaus ist der Fernsehsender auch Heimat vieler populärer Animes wie One Piece und Dragon Ball, sodass auch Anime-Fans auf ihre Kosten kommen. Wenn es dunkel wird, wird das Gebäude häufig mit einem dynamischen Farbenspiel beleuchtet.

Fuji TV Hauptquartier auf Odaiba

Rainbow Bridge

Diese Brücke trägt ihren Namen absolut zu Recht: Bei Nacht wird sie nämlich in verschiedenen Farben beleuchtet, die zusammen mit der Skyline von Tōkyō im Hintergrund ein fantastisches Fotomotiv abgeben. Sowohl eine Autobahn als auch die Yurikamome-Linie führen über die Brücke, aber auch als Besucher kann man über sie spazieren und auf das Hafenareal blicken. Seit 2000 überblickt im Übrigen eine Nachbildung der Freiheitsstatue die Rainbow Bridge und gehört zu den Wahrzeichen wie auch zu den beliebtesten Fotospots der Insel.

Blick auf die Odaiba Rainbow Bridge und Freiheitsstatue
Aussicht auf die Rainbow Bridge.

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