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Spiele-Review: „The Legend of Zelda: Tears of the Kingdom”

Diana Casanova
Diana Casanova

Am 12. Mai 2023 erschien nach 6 Jahren der lang ersehnte Nachfolger von „The Legend of Zelda: Breath of the Wild“ für die Nintendo Switch. Die Spieler:innen begeben sich erneut nach Hyrule, um gegen böse Mächte zu kämpfen. Kann „Tears of the Kingdom“ an den Erfolg des Vorgängers anknüpfen?

Neue Gegner warten auf Link in "The Legend of Zelda: Tears of the Kingdom". © Nintendo 2023

Mit einer unheilvollen Begegnung beginnt „The Legend of Zelda: Tears of the Kingdom“: Prinzessin Zelda begibt sich mit ihrem treuen Ritter Link in unerforschte Ruinen unter der Erde, wo die beiden Zeugnisse einer antiken Zivilisation und längst vergessener Legenden entdecken. Doch dann stoßen sie auf eine seltsame Mumie, die von einem einzelnen Arm in Schach gehalten wird. Die Mumie erwacht plötzlich – und das Böse bricht über das Königreich Hyrule herein. Zelda und Link werden getrennt, und, gemeinsam mit dem geheimnisvollen Arm, der Link neue Kräfte verleiht, beginnt die Suche nach der Prinzessin.

Bereits der Vorgänger „The Legend of Zelda: Breath of the Wild“ (2017) wurde für seine Open World, das Kampfsystem und die Grafik gefeiert – mit „Tears of the Kingdom“ haben die Entwicklerinnen und Entwickler keine Mühen gescheut, alle positiven Aspekte und Features von „Breath of the Wild“ als Grundlage zu nehmen und diese zu verbessern.

© Nintendo 2023

Neue Fähigkeiten für Link

Wie auch schon sein Vorgänger nimmt „Tears of the Kingdom“ keine Gefangenen und wirft die Spieler:innen sofort ins Abenteuer: Nach der Eröffnungssequenz, die unseren Helden seiner mächtigsten Waffe, dem Master-Schwert, seiner Kraft und seiner Ausdauer beraubt, findet sich Link hoch oben auf einer von zahlreichen schwebenden Inseln wieder, den sogenannten Himmelsinseln. Diese bilden ein neues Gebiet über Hyrule, das es nach Items und Geheimnissen zu erkunden gilt.

Dort wird auch in einige der neuen Spezialfähigkeiten eingeführt: Mit der „Ultra-Hand“ kann Link Gegenstände bewegen oder miteinander verbinden, praktische Transportmöglichkeiten erschaffen sowie zahlreiche Rätsel lösen. Mit „Synthese“ können Gegenstände mit Waffen kombiniert werden, um letztere zu verstärken oder ihnen bestimmte Eigenschaften zu verleihen. Darüber hinaus kommen noch weitere Fähigkeiten hinzu, die an dieser Stelle aber noch nicht verraten werden sollen.

Mit der "Ultra-Hand"-Fähigkeit werden Gegenstände bewegt und kombiniert. © Nintendo 2023
Die Himmelsinseln sind eine brandneue Region, die Spieler:innen erkunden können. © Nintendo 2023

Solange es funktioniert…

Die „Ultra-Hand“ ist ohne Zweifel die wohl wichtigste Fähigkeit im gesamten Spiel, denn zahlreiche Rätsel und Hindernisse können nur mit dieser überwunden – oder zumindest deutlich vereinfacht – werden. Es ist auch diese Fähigkeit, die die Kreativität der Spieler:innen maximal herausfordert. An der Anzahl an Gegenständen, die man kombinieren kann, wird wirklich nicht gespart.

Wer kein sonderlich um die Ecke denkender Mensch ist, wird mit diesem schier endlosen Potenzial vielleicht überfordert. Räumliches Denken und Grundkenntnisse der (Videospiel-)Physik sind in „Tears of the Kingdom“ fast überlebenswichtig, wenn man nicht die Konstruktionen wieder und wieder ab- und aufbauen will, um das Ziel zu erreichen. „Trial and Error“ scheint das übergeordnete Leitmotiv gewesen zu sein, das sich das Entwicklerstudio für die Spieler:innen vorgestellt hat. Auch wenn es mitunter sehr frustrierend sein kann – genau das macht einen großen Teil des Spielspaßes aus, denn die zusammengeschusterte Lösung muss nicht immer elegant sein oder gut aussehen. Frei nach dem Motto: „Es ist nicht dumm, wenn es funktioniert“.

Das Bauen von verrückten Maschinen ist ein großer Teil des Spielprinzips. © Nintendo 2023
© Nintendo 2023

Schon kurz nach dem Release haben es weltweit Spieler:innen auf sich genommen, die Grenzen des Möglichen auszureizen und zu testen, wie sich die Spielmechanismen missbrauchen lassen. Doch man kommt nicht umhin zu glauben, dass das Entwicklerstudio genau das beabsichtigt hat.

Wenn Sie einmal herzhaft lachen wollen und über ein paar geniale Kreationen von Spieler:innen aus der ganzen Welt staunen möchten, auf YouTube gibt es bereits jetzt schon unzählige Videos dazu (Achtung Spoiler!):  

Alle Wege führen zum Ziel

Wenn die Spieler:innen sich erst einmal durch die auch als Tutorial dienenden ersten Himmelsinseln durchgeschlagen und wieder festen Boden unter den Füßen haben, geht das Abenteuer erst richtig los. Und wie auch beim Vorgänger steht es jedem frei, so zu spielen, wie er oder sie es möchte. Zwar gibt es eine Hauptmission, doch man ist nicht gezwungen, diese sofort zu erledigen (auch wenn man das zu Beginn tun sollte, um wichtige Elemente freizuschalten). In welche Richtung man geht, welche Gegner man bekämpft, welche Orte man besucht – die Reihenfolge spielt keine Rolle, denn man hat absolute Freiheit. Zum Guten wie zum Schlechten: Man muss sich darauf einstellen, mehr als einmal den Hintern versohlt zu bekommen, wenn man unvorbereitet auf überstarke Monster trifft. Oder so manches Rätsel ungelöst zu lassen, weil es noch an Fähigkeiten oder anderen Ressourcen fehlt. 

Damit beweist „Tears of the Kingdom“ eindrucksvoll, was es bedeutet, eine „Open World“ zu sein – etwas wovon sich viele andere Spiele mit ähnlichem Konzept eine Scheibe abschneiden können. Hinter scheinbar jedem Hügel, auf jedem Berggipfel und in jeder Höhle verbirgt sich etwas Besonderes. Sei es mit Schatztruhen, quirligen Krogs, versteckten Schreinen oder Gegnern – Spieler:innen werden fast immer dafür belohnt, wenn sie auch die hinterletzte Ecke Hyrules erkunden. Eine Selbstbeherrschung aus Stahl ist dabei von Vorteil, um sich nicht ständig von all den interessanten, funkelnden Sachen vom eigentlichen Ziel ablenken zu lassen.

Wie auch beim Vorgänger segelt man durch die Lüfte mit dem Parasegel. © Nintendo 2023

Umwerfend – aber makellos?

Diese Art der Open World hat aber auch ihre Nachteile – angesichts der schier unfassbaren Menge an Content, der überall versteckt ist, kann alles ziemlich erschlagend wirken. Immer wieder übermannt einen ein Gefühl der Orientierungslosigkeit, denn es gibt einfach zu viele Orte, an die man noch reisen muss. Es gibt zwar die Haupt- und Nebenmissionen, die zur Übersicht im „Tagebuch“ festgehalten sind und helfen, das nächste Ziel anzuzeigen. Aber oft kriegt man nur durch Gespräche mit NPCs mit, dass es an Ort XYZ etwas zu entdecken gibt. Das wird meistens jedoch nicht im Tagebuch vermerkt, also muss man sich selbst merken, dass man an Ort XYZ zurückkehren sollte (oder ihn erst einmal in der riesigen Welt finden muss). Hier wäre ein bisschen mehr Hilfestellung, etwa durch ein detaillierteres Tagebuch, wünschenswert gewesen. Dabei hilft es nicht unbedingt, dass die Weltkarte nicht nur um die Himmelsinseln, sondern auch um ein dunkles Reich unter Hyrule erweitert wurde, das man Stück für Stück durch das Entzünden von Lichtquellen überhaupt erst sichtbar machen muss. 

Ebenfalls ein neu hinzugefügtes Gebiet ist das dunkle Reich unter Hyrule. © Nintendo 2023

Auch die Steuerung ist besonders zu Beginn äußerst gewöhnungsbedürftig und mitunter schlicht nervig. Mit der Zeit schaltet man viele Fähigkeiten frei, die alle eine bestimmte Controller-Kombination haben. Beim Nutzen der „Ultra-Hand“ etwa braucht es oft mehr als einen Versuch, bis man die richtigen Knöpfe und den richtigen Winkel gefunden hat, um sein Konstrukt zu bauen. 

Kritisch anmerken kann man auch, dass viele Features eins zu eins aus „Breath of the Wild“ übernommen wurden: so etwa Items, Tiere, Waffen, Gegner, Ortschaften usw., mit dem Unterschied, dass einfach noch ein paar weitere hinzugefügt wurden. Man zieht wie damals durch das Land, um Krogs, Ställe, Große Feen und Schreine zu finden, auch der Blutmond respawnt in regelmäßigen Abständen besiegte Monster – die (mehr als zahlreichen) Rätsel sind dieses Mal nur auf die neuen Spezialfähigkeiten ausgelegt.

Das Spielprinzip ist im Großen und Ganzen dasselbe – ein kleines bisschen mehr Abwechslung wäre schön gewesen. Denn auf diese Weise fühlt sich „Tears of the Kingdom“ eher wie ein (zugegeben sehr mächtiges) Add-on zu „Breath of the Wild“ als ein eigenständiges Spiel an. Auf der anderen Seite scheint dieser Anspruch auch nicht unbedingt zu bestehen, schließlich handelt es sich um eine direkte Fortsetzung. Doch das ist Kritik auf sehr hohem Niveau.

Finstere Monster: Viele Gegner kennen Spieler:innen bereits aus "Breath of the Wild". © Nintendo 2023

Grafische und musikalische Glanzstücke

Optisch hat sich im Vergleich zu „Breath of the Wild“ nicht viel geändert, doch man erkennt klare Verbesserungen. Die Landschaften sind detaillierter und weniger verwaschen, Wasser und Feuer etwa sehen realistischer aus und generell wurde die Karte mit viel Liebe aufgehübscht. Auch gab es (dank schneller Patches seitens der Entwickler:innen) keine Bugs, Glitches oder Leistungseinbrüche der Nintendo Switch zu beobachten – im Gegenteil, das Spiel läuft flüssig und stabil, selbst auf einer mittlerweile sechs Jahre alten Konsole. Auch die Ladezeiten halten sich in Grenzen.

Besonders die Musik ist hervorzuheben – mit minimalistischen Klavier- und Flötenmelodien streunt man über Ebenen und erklimmt Berge, während diese sich stets passend zum jeweiligen Ort, Transportmittel oder Gegner verändern. Einer meiner Lieblingsmomente ist es, wenn Link sich einem Kartografieturm (mit dem man Teile der Weltkarte freischaltet) nähert. Die Musik wechselt zu einer perfekt zur Aufgabe der Türme passenden, aufhellenden Melodie, die Abenteuerlust weckt und das Herz vor Neugier schlagen lässt. Oder wenn ich mich einem gewissen, vielhändigen Gegner nähere, der wie aus dem Nichts auftaucht, während apokalyptische Sounds mich in Angst und Schrecken versetzen.

Allein optisch ist "Tears of the Kingdom" eine Verbesserung im Vergleich zum Vorgänger. © Nintendo 2023

Die Story ähnelt im Prinzip der des Vorgängers. Eine dunkle Macht bedroht Hyrule und Link muss sich auf die Suche nach Zelda machen, von der er getrennt wurde. Dieses Mal tauchen wir ein in die Vergangenheit des Königreichs und erfahren, wie es entstanden ist – und natürlich wer hinter der dunklen Bedrohung steckt. Dabei treffen wir auf alte Bekannte aus „Breath of the Wild“, wenn auch mit dem ein oder anderen Twist. Die titelgebenden „Tränen“ spielen selbstverständlich eine wichtige Rolle in der Geschichte, so viel sei verraten. 

Auch wenn die Story nicht unbedingt das ist, was das Spiel besonders hervorstechen lässt, so will man stets wissen, wie es weitergeht und fühlt mit der Freude und dem Leid der Charaktere mit – mehr braucht es hier nicht wirklich.

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Fazit: Ein Muss für alle mit einer Switch

„Tears of the Kingdom“ hat so viel Content zu bieten, dass man damit hunderte Spielstunden verbringen kann, bis man wirklich alles entdeckt hat, was es zu entdecken gibt. Auch wenn es zeitweise etwas anstrengend und überfordernd war, bis ich den „Groove“ gefunden hatte – langweilig wurde es zu keinem Zeitpunkt. Das will in der heutigen Zeit, in der Videospiele auf den Markt kommen, bevor sie überhaupt fertiggestellt (oder spielbar) sind oder deutlich weniger Spielstunden vorweisen können, eine Menge heißen.

Wer von „Breath of the Wild“ bereits begeistert war, wird den Nachfolger vergöttern, denn es ist alles, was man sich  gewünscht hat – nur noch viel mehr. „Tears of the Kingdom“ ist sein Geld mehr als wert (mit einer UVP von 69,99 € nicht günstig, aber für einen Vollpreistitel mittlerweile die Norm) und zählt sicherlich schon jetzt zu den besten Titeln für die Nintendo Switch aller Zeiten. Ein Muss für alle, die die Konsole besitzen!


© Nintendo 2023

The Legend of Zelda: Tears of the Kingdom

Erschienen am 12. Mai 2023 exklusiv für die Nintendo Switch

USK ab 12 Jahren

Offizielle Website (Nintendo)

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