„Samurai Blue“ oder „Onkel Japan“: die japanische Nationalmannschaft bei der WM 2018

Miho Doi
Miho Doi

Für Japan wie Deutschland ist die Fußball-Weltmeisterschaft 2018 bereits vorbei. Die japanische Mannschaft „Samurai Blue“ hat weltweit für Überraschung gesorgt, sowohl negativ als auch positiv. Unsere Autorin resümiert die Leistung Japans in der WM 2018.

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(c) Ye Pingfan/Xinhua News Agency/PA Images

Am 2. Juli ist die Fußball-Weltmeisterschaft 2018 für Japan zu Ende gegangen. Die Japaner haben gegen Belgien sehr gut gespielt und trotz der Niederlage hat ihr Spiel viele Leute bewegt. Zu Beginn der Weltmeisterschaft hat in Japan fast niemand mit der Leistung der „Samurai Blue“ – wie die Mannschaft auch genannt wird – gerechnet.

Der schwere Beginn der Weltmeisterschaft für Japan

Vor nur drei Monaten wechselte der Trainer der japanischen Nationalmannschaft urplötzlich. Das blitzartige Ereignis verwirrte japanische Fußballfans. Noch immer ist unklar, warum Ex-Trainer Vahid Halilhodžić seinen Platz räumen musste. Sein Nachfolger, Nishino Akira, hatte nur zwei Monate, die japanische Mannschaft zu restrukturieren, was bei den Fans nicht gut ankam. Deswegen gab es viele negative Kommentare auf Twitter: „Warum wurde Halilhodžić abgesetzt?“„ Halilhodžić ist besser“ usw.

Ende Mai wurden 23 Spieler in die japanische Nationalmannschaft gewählt. Kennen Sie den Spitznamen, den die Mannschaft zu diesem Zeitpunkt bekommen hat? Ossan Japan おっさんジャパン. Ossan ist in Japan eine negativ konnotierte Bezeichnung für Männer mittleren Alters und wird oft mit „Onkel“ übersetzt. So wurden die „Samurai Blue“ also zu „Onkel Japan“. Und warum? Das Durchschnittsalter der Spieler ist mit 28,17 Jahren das bisher älteste der japanischen Nationalmannschaft. Noch sind sie keine ossan, aber so richtig jung auch nicht mehr. Seitdem hat man auf Twitter oft den neuen Namen „Onkel Japan“ gesehen. Die Spieler selbst kannten den Spitznamen natürlich. Aber die japanischen Fußballfans haben sie dennoch überrascht.

Die „Onkel“ haben trotzdem ein Tor geschossen

Der Offensive der japanischen Mannschaft hat schon im ersten Spiel gegen Kolumbien angefangen; 2014 siegte Kolumbien gegen Japan mit 4:1. Aber die „Onkel“ haben das erwartete Ergebnis ganz schön enttäuscht, denn Japan hat das Spiel mit 2:1 gewonnen. Das zweite Spiel gegen Senegal endete mit 2:2 unentschieden. Obwohl Japan nicht siegreich war, ging es dennoch erneut anders aus als erwartet – sahen die senegalischen Spieler doch viel größer und stärker als die japanischen aus. Hinzukommt, dass in diesem Spiel gegen Senegal ausgerechnet zwei ossan, Inui Takashi (30) und Honda Keisuke (32), je ein Tor geschossen haben.

Hat Japan wirklich fair gespielt?

Japan hatte wegen dieser zwei Spiele eine große Chance, an der Finalrunde teilzunehmen, weshalb das dritte Spiel gegen Polen sehr wichtig war. Aber am Anfang der zweiten Halbzeit schoss Polen ein Tor, es stand 0:1. Danach entschied sich Japan für eine wirklich kühne Taktik: Die Japaner spielten auf Zeit, haben den Ball ewig hin und her gepasst und nicht aktiv gespielt. Dies hatte zur Folge, dass Japan gegen Polen mit 0:1 verlor. Trotzdem hat sich den „Onkeln“ die Gelegenheit geboten, in der Finalrunde zu spielen.

Der japanischen Nationalmannschaft wurde vorgeworfen, mit wenig Sportgeist gespielt zu haben. Es war ironisch, dass Japan am Ende zwei Gelbe Karten weniger als Senegal hatte und trotzdem ins Achtelfinale vorrücken konnte. Trotz der freudigen Nachricht war es für die japanischen Fußballfans wieder eine Enttäuschung.

Japan hat einen Augenblick lang geträumt

Belgien ist ein starker Konkurrent, weshalb alle sicher waren, dass Belgien natürlich gewinnt. Aber zunächst schien es, als würde die japanische Mannschaft unsere Erwartungen noch einmal enttäuschen. Am Anfang der zweiten Halbzeit schoss Japan zwei Tore. Japan würde zum ersten Mal das Viertelfinale erreichen; ein Traum aller japanischen Spieler und Fußballfans. Aber der Traum ist geplatzt denn Belgien hat das Spiel in letzter Minute mit 3:2 gewonnen.

Das Spiel begeisterte viele Zuschauer auf der ganzen Welt, denn Japan zeigte den Ernst und die wahren Fähigkeiten der Nationalmannschaft. Nach dem letzten Spiel vergaßen die Spieler nicht, sich bei ihren Fans zu bedanken, auch wenn diese bis dahin mehrmals schlecht von der Mannschaft gesprochen hatten. Danach sah man auf Twitter in Japan viele Posts von Fußballfans:„Tut mir Leid, Herr Nishino“, „Nishinos Japan ist super!“ usw.

„Onkel Japan“ hatte endlich das Vertrauen der Fans zurückgewonnen. Zwischen Erwartungen und Enttäuschungen hat die japanische Nationalmannschaft für viel Begeisterung gesorgt. Ich wünsche mir von den „Samurai Blue“, dass sie noch stärker werden und uns 2022 noch einmal träumen lassen.

Highlights des Spiels der “Samurai Blue” gegen Belgien.

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