Nagashi-soba_in_Yamagata_Japan
Zur "Sicherheit" wird die 4 an diesem Stand für Soba ausgespart.

Aberglaube + Tabus

Heute schon unter einer Leiter durchgelaufen? Oder einen Regenschirm drinnen aufgespannt? Würden Sie nie machen? Auch in Japan gilt so manches als Unglücksbringer – aber die wenigsten Beispiele werden Ihnen vertraut vorkommen...

Das japanische Wort für die Zahl Vier shi 四 ist in der Aussprache identisch mit dem Wort für Tod shi 死. Deshalb wird die Vier in vielen öffentlichen Zusammenhängen vermieden. Gerade in Krankenhäusern und Altersheimen fahren Fahrstühle direkt vom dritten in den fünften Stock, einen vierten gibt es nicht. Auf der Entbindungsstation wird besonders um die 43 ein weiter Bogen gemacht, denn shi-san klingt verdächtig nach shizan 死産, Fehlgeburt. Die abergläubische Angst vor der Unglückszahl Vier ist bis nach China verbreitet und so stark, dass er sogar wirtschaftliche Entscheidungen beeinflusst. Die Neun ku 九 gilt ebenfalls als unglücklich, da die Zahl ausgesprochen an „Pech“ und „Leid“ erinnert. Diese Unglückszahlen werden als imikazu 忌み数 bezeichnet.

Tabu 4 JapanIn diesem Hotel gibt es keinen 4. Stock. ©Janz

Der Tod am Tisch

Um Unglück zu vermeiden, gibt man sich auch bei Tisch besondere Mühe: Essen wird nie von einem Paar Stäbchen zum anderen gereicht, da bei der traditionellen Einäscherung die Knochen des Verstorbenen so aus der Asche in die Urne gegeben werden. Nie steckt man seine Essstäbchen aufrecht in eine Schüssel Reis, das erinnert an Opferreis vor dem Altar bei Begräbnissen. Generell gilt es, dem Tod aus dem Weg zu gehen. Beim Anblick eines Leichenwagens versteckt man den Daumen, der auf Japanisch Oya-yubi 親指, Elternfinger, heißt, beschützend in der Faust und Namen werden nie in roter Farbe geschrieben, weil sie auf Grabsteinen traditionell in rot aufgebracht werden.

Anderes ist weniger nachvollziehbar: Warum Schlangenhaut im Portemonnaie reich macht, das Nägelschneiden bei Nacht zu einem frühen Tod führt und nächtliches Pfeifen Schlangen anlocken soll, bleibt unbekannt. Nur eine schwarze Katze kann dann noch helfen – sie bringt in Japan nämlich Glück.

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