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© 三重県松阪市 松浦武四郎記念館

Matsuura Takeshirō: Wie Hokkaidō seinen Namen bekam

Sina Arauner

Der Entdecker Matsuura Takeshirō gilt als Namensgeber Hokkaidōs. Er führte regen Austausch mit den Ainu und hinterließ zahlreiche Aufzeichnungen. 2018 markiert das 150. Jubiläum der Namensgebung Hokkaidōs – und den 200. Geburtstag Matsuura Takeshirōs.

Matsuura Takeshirō (1818 – 1888) wurde in der heutigen Präfektur Mie geboren. An seinem Elternhaus führte der Weg zum heiligen Ise-Schrein vorbei und so schnappte er viele Reisegeschichten der Pilger auf. Mit 16 Jahren machte er sich schließlich selbst in Richtung Edo (heutiges Tōkyō) auf. Drei Tage lang erkundete er die Hauptstadt, ehe er die Heimreise antrat.

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Er verbrachte einige Zeit zu Hause, doch mit 17 Jahren packte Takeshirō erneut das Reisefieber, und er begab sich auf eine Rundreise durch Japan. Im Alter von 20 Jahren umrundete er Kyūshū, doch die damalige Abschließung Japans verwehrte ihm die Weiterreise nach Korea. Takeshirō blieb eine Weile in Nagasaki, wo der Handel mit China und den Niederlanden florierte.

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So bekam er einen Einblick in Japans Außenbeziehungen. Das Shogunat erkannte damals die Gefahr der Kolonialisierung Japans, besonders durch Russlands Expansion und wollte das Land öffnen. Takeshirō fasste den Entschluss, nach Ezo (heutiges Hokkaidō) zu gehen, das er bisher noch nicht erkundet hatte. Der Name Ezo bedeutet „der Ort, wo ein anderes Volk lebt“.

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Der Geburtsort Matsuura Takeshirōs ist Matsusaka in der heutigen Präfektur Mie. © 三重県松阪市 松浦武四郎記念館

Takeshirō reiste sechs Mal in den Norden Japans. Er lebte unter den Ainu und freute sich über ihre Mitarbeit an seinen Forschungen. Das Shogunat erfuhr schließlich von Takeshirōs Erkundungen und bat ihn, im Auftrag der Regierung Ezo zu erforschen. In seinen Aufzeichnungen setzte sich Takeshirō für die Ainu ein, die über die schlechte Behandlung durch die Wajin, wie sie die Japaner bezeichneten, klagten. Sie appellierten an das Shogunat, den Schutz der Ainu und deren Leben über den Fortschritt zu stellen.

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Als Takeshirō zu Beginn der Meiji-Zeit als Verwaltungsrichter in der Erschließungskommission für Hokkaidō tätig war, suchte die Regierung einen neuen Namen für Ezo. Takeshirōs ursprünglicher Vorschlag lautete Kitakaidō 北加伊道. Kai bezeichnete die Ainu. Der Name Kitakaido trug die Bedeutung „Der Norden, wo die Ainu leben“. Der Wortteil 道 (Weg) ist eine Verwaltungsbezeichnung, die ganz Japan in verschiedene Regionen teilt. Die Regierung änderte kai 加伊 zu kai 海 (Meer) und der Name Hokkaidō wurde offiziell anerkannt. Hoku ist eine andere Lesung für kita – beides bedeutet Norden.

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Eine der erhaltenen Aufzeichnungen Matsuura Takeshirōs ist der Ezo Manga, der das Leben der Ainu mit Bildern beschreibt. © 札幌市中央図書館

Als Takeshirō merkte, dass seine Bitten, Maßnahmen gegen die Diskriminierung und Gewaltanwendung gegen die Ainu zu ergreifen, kein Gehör fanden, quittierte er seinen Dienst. Er reiste nie wieder nach Hokkaidō.

Takeshirō hatte seit seiner Jugend das ganze Land bereist und die verschiedenen kulturellen Aspekte und Denkweisen kennengelernt. Er schätzte die vielseitigen, unterschiedlichen Wertvorstellungen und akzeptierte diese mit der Weltoffenheit eines Reisenden.

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© 三重県松阪市 松浦武四郎記念館

Dieser Text wurde von Mai Schmidt für die Januar-Ausgabe des JAPANDIGEST verfasst und von Sina Arauner aus dem Japanischen übersetzt und für die Veröffentlichung im Printmagazin und auf der Webseite nachbearbeitet. Eine Übersicht über weitere Artikel finden Sie hier:

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