Japanische Hochzeiten: die 4 Kimonos

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Während europäische Frauen das eine perfekte Hochzeitskleid suchen, wechselt eine japanische Braut mehrmals ihr Outfit. Wie viele verschiedene Kimonos gibt es für Hochzeiten und was trägt eigentlich der Bräutigam? Hier erfahren Sie mehr.

Shintō-Braut
Japanische Braut bei einer Shintō-Hochzeit. © Doug Bowman / flickr CC BY 2.0

In Japan findet man in fast allen größeren Bahnhöfen und Zuglinien Hochzeitswerbungen. Oft zeigen sie die Braut mit einem prachtvollen Brautkleid oder einem hochzeitlichen Kimono. Alle sind sich einig, dass die Bedeutung des Tages neben dem eigentlichen Akt der Trauung auch in der Chance der Braut liegt, für einen Tag zur Prinzessin zu werden.

Während europäische Bräute ihre Kleider stolz über den gesamten Tag tragen, wollen Japanerinnen keine Kompromisse machen und tragen an ihrem Hochzeitstag bis zu drei Gewänder. Mit jedem Kleiderwechsel müssen auch Haare und Makeup geändert werden. Am Ende der Feier entscheiden sich viele dazu, ein klassisches weißes Kleid oder eine Robe in Blau oder Rosa zu tragen, um das ultimative Prinzessinengefühl zu erleben. Doch selbst vor dem allerletzten Kleiderwechsel heißt es, sich zwischen mindestens drei Typen von Kimonos, die man als Braut tragen kann, zu entscheiden. Der Bräutigam kann sich ebenfalls in einem ganz besonderen Outfit fein machen.

Shiromuku

Bei Shintō-Hochzeiten wählen Bräute oft einen shiromuku – ein ganz weißer Kimono – für die Zeremonie. Er ist der feierlichste von allen Brautkleidern und steht für Reinheit, Unverdorbenheit und Harmonie. Die symbolische Farbe Weiß stellt auch die Bereitschaft der Braut dar, mit den Maßstäben und Vorstellungen ihrer neuen Familie „bemalt“ zu werden.

Nicht nur das Gewand selbst, sondern sämtliche Accessoires sind ebenfalls ganz in Weiß. Besonders auffällig ist die große weiße Haube, die als watabōshi bezeichnete wird und an den Schleier einer westlichen Braut erinnert. Die Haube bedeckt das Haar und einen Großteil des Gesichts, sodass man mit etwas Glück zumindest einen kurzen Blick auf die roten Lippen der Braut erhaschen kann. Das Verstecken des Gesichts ist Tradition, da es nur dem Bräutigam erlaubt sein sollte, das Gesicht seiner schönen Ehefrau zu sehen.

shiromuku
Japanische Braut in ihrem schneeweißen shiromuku.

Unter dem watabōshi tragen Bräute traditionsgemäß eine Perücke, die nach dem sogenannten bunkin-takashimada-Stil frisiert und mit hübschen goldenen Kämmen und Accessoires, den sogenannten kanzashi, geschmückt wird. Eine weitere Kopfbekleidung besteht aus einem Stück weißen Stoff und wird um den Kopf der Braut gewickelt. Sie heißt tsunokakushi, was so viel bedeutet wie “Versteckte Hörner” und ist ein Symbol für das Verstecken sämtlicher selbstsüchtiger Gefühle wie Eifersucht oder Stolz. So tritt die Braut ihrem Mann mit Sanftmut und Liebe entgegen.

Ehe bedeutet vielleicht Schwerstarbeit, doch mit all diesen prunkvollen, prächtigen Kleidern und Accessoires (die bis zu 20 Kilo wiegen können!) müssen Frauen so einiges bestreiten um diesem Ideal der japanischen Braut zu entsprechen, noch bevor das Eheleben überhaupt begonnen hat.

Irouchikake

Nachdem während der Zeremonie der shiromuku getragen wird, tauschen Bräute ihren weißen Kimono bald gegen einen, der sich irouchikake nennt. Iro – das Japanische Wort für Farbe – symbolisiert, wie die Braut von ihrer neuen Familie „bemalt“ wird. Beliebte Farben für den irouchikake sind rot, gold und schwarz.

Japanische Braut in irouchikake mit tsunokakushi.
Erster Outfitwechsel: Vom weißen shiromuku zum etwas farbenfroheren irouchikake. Hier sieht man die Braut mit der tsunokakushi-Kopfbedeckung.© Japan Travel Centre

Seine Muster sind denen des shiromuku ähnlich (Symbole für Glück und Vermögen, z.B. Kraniche und Blumen), aber deutlich bunter.

Hikifurisode

Zu guter Letzt gibt es noch den hikifurisode, ein weiterer klassischer Kimono für Bräute. Er ist eindeutig der am wenigsten formale Kimono von den dreien und wird meistens nur während des Empfangs getragen.

Wegen des obi (Kimono-Gürtel) – den man zu den beiden anderen Gewändern nicht trägt – sieht der hikifurisode am ehesten wie ein gewöhnlicher Kimono aus, den man auch zu anderen Anlässen trägt. Er ist jedoch anders gefaltet als normale Kimonos: Anstatt den Saum so zu falten, dass er fast bis zu den Fußgelenken reicht, haben hikifurisode eine kleine Schleppe – sie werden also ohne sie auf Hüfthöhe zu falten getragen.

Was die Accessoires betrifft gibt es keinerlei Grenzen, sodass die Braut ihren ganz individuellen Stil zur Geltung bringen kann. Das ganze Gewand ist definitiv viel moderner und bietet deutlich mehr Bewegungsfreiheit.

Montsuki Haori Hakama

Obwohl eine Hochzeit eindeutig der Tag ist, an dem die Braut glänzt, darf man den Bräutigam nicht vergessen. Dieser quält sich nicht mit der Auswahl so vieler verschiedener Outfits, bekommt aber trotzdem die Chance, ein stattliches Ensemble zu tragen. Das sehr viel einfachere Outfit besteht aus einem Kimono, einem hakama (Kimono-Hosen) und einer Art weitem Übermantel, dem sogenannten haori.

uchikake
Farbenprächtiger Kimono als nächster Kleiderwechsel.

Montsuki-Kimonos tragen das Familienwappen sowohl vorne als auch hinten und können zu Zeremonien und besonderen Anlässen von verheirateten und unverheirateten Männern gleichermaßen getragen werden. Der haori wird über dem Kimono getragen, der in die hakama-Hosen gesteckt wird. Männer haben nicht die Möglichkeit der Frauen, aus verschiedenen Farben und Symbolen zu wählen, sodass traditionsgemäß die Gewänder schwarz oder grau mit weißem Wappen sind.

Dieser Artikel wurde am 15. Dezember 2016 für Japan Travel Centre verfasst und für die Veröffentlichung auf JAPANDIGEST von Yasemin Besir übersetzt und nachbearbeitet.

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