Gesellschaftliche Partizipation: Deutsch-Japanisches Austauschprogramm für junge Ehrenamtliche

Um den wissenschaftlichen und kulturellen Austausch anzuregen, teilt das Japanisch-Deutsche Zentrum Berlin eine Reihe von Gastbeiträgen mit JAPANDIGEST. In diesem Teil berichtet Norina Oelschläger von ihren Erfahrungen beim Deutsch-Japanischen Austauschprogramm für junge Ehrenamtliche.

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Gesellschaftliche Partizipation: Warum alle von der Teilhabe junger Menschen profitieren oder: Weshalb ihr unbedingt am Deutsch-Japanischen Austauschprogramm für junge Ehrenamtliche teilnehmen solltet!

Der Grund dafür liegt auf der Hand: es ist ein­fach eine großartige Erfahrung! Ihr lernt neue Leute kennen und erkundet dann zusammen ein für euch vielleicht noch fremdes Land. Lernt dort wieder andere Menschen kennen und erfahrt von ihnen etwas über die Kultur, die Gewohnheiten, die Sitten und Bräuche und dürft diese dann gemeinsam direkt vor Ort erleben. Was gibt es Schöneres? Sich auch selbst dabei besser kennenzulernen. Klingt vielleicht pathetisch, ist aber genau so.

Im Sommer 2017 hatte ich die Gelegenheit, mit 16 anderen Gleichgesinnten über das Deutsch-Japanische Austauschprogramm für junge Ehrenamtliche nach Japan zu reisen. Die Reise stand unter dem Thema „Gesellschaftli­che Partizipation junger Menschen“. Wir hat­ten viele Möglichkeiten, uns mit Gleichaltrigen auszutauschen und haben z.B. erfahren, dass Ehrenämter hauptsächlich von Studierenden und Rentner*innen, jedoch weniger von Schüler*innen und Berufstätigen wahrge­nommen werden. Durch Vorträge, auch von deutscher Seite aus, haben wir zudem Kenntnis darüber erlangt, dass sinkende Ge­burtenraten sowie Kinderarmut beide Gesell­schaften herausfordern. Außerdem sind wir in die Region gefahren, welche am 11. März 2011 von der verheerenden Naturkatastrophe heimgesucht wurde und in der noch heute die Wunden zu spüren sind. Wir waren froh, als wir helfen durften, einen Strandabschnitt an der Pazifikküste zu reinigen, um wenigstens einen kleinen gesellschaftlichen Beitrag leisten zu können – das macht uns Ehrenamtliche schließlich aus und verbindet uns weltweit!

Die tatkräftige Strandreinigung im ehemaligen Katastrophengebiet Kesennuma.
Die tatkräftige Strandreinigung im ehemaligen Katastrophengebiet Kesennuma.

Ich bin durch die Reise offener geworden und habe gelernt, noch schneller auf Menschen zuzugehen, weil bei dem streng durchge­planten Programm in Japan oft keine Zeit war, schüchtern zu sein. Außerdem konnte ich durch spannende Vorträge, Gespräche und Diskussionen schon auf dem Vorberei­tungsseminar im JDZB, dann in Japan selbst und auch auf dem Wochenendseminar in Ravensbrück mit der japanischen Delegation meinen Horizont erweitern, meine Stand­punkte überdenken und in manchen Fällen sogar ändern. Ich selbst habe mich nämlich vor diesem Austausch zugegebenermaßen eher wenig mit gesellschaftlicher Partizipation befasst. Das ist jetzt anders!

Denn dadurch, dass ich mit Leuten in mei­nem Alter, sowohl Deutschen als auch Japaner*innen, darüber gesprochen habe, wurde mein Interesse geweckt und ich hatte das Bestreben, meine Lücken zu schließen. Dem geschuldet, dass Japan doch sehr weit weg ist, gibt es relativ wenig Austauschmög­lichkeiten und wenn, dann eher nicht zum Thema „Gesellschaftliche Partizipation junger Menschen“ und wenn überhaupt, dann auch nicht mit Menschen gleichen Alters, sondern dann sind es doch leider meist die sehr viel Älteren, die uns Jüngeren etwas erzählen…

Nina Oelschläger beim Besuch einer Grundschule.
Nina Oelschläger beim Besuch einer Grundschule.

Dieses Austauschprogramm ist genau deshalb besonders wichtig, weil junge Menschen miteinander in Kontakt treten, die gewillt sind etwas zu verändern, denn allein kann ich nichts umgestalten, da bin ich mir nach diesem Austausch auch sicher. Einer allein in einer Welt, in der bald acht Milliarden Men­schen leben, ist einfach zu klein, um etwas grundlegend zu verändern. Wenn sich aber mehrere, über die Welt verteilt, zusammentun und das, was sie verbindet, in ihr Land tragen und dort leben und weitergeben, kann das etwas bewirken.

Es ist unter anderem auch deshalb so schön und macht viel Spaß, weil niemand von oben herab etwas „unterrichtet“, sondern dieser Austausch jede Erfahrung für euch erlebbar macht und euch die Freiheit lässt, dies alles bei tollen Programmpunkten selbst zu erlernen und zu reflektieren.

Ganz besondere Höhepunkte im vergangenen Jahr waren: Die tatkräftige Strandreinigung im ehemaligen Katastrophengebiet Kesennuma, der Besuch einer Grundschule (Autorin) und das gemeinsame Outdoor-Cooking mit jungen Ehrenamtlichen aus Iwate.

Abwechslungsreiche Programmpunkte bringen junge Menschen beider Kulturen in Kontakt. Hier beim gemeinsamen Outdoor-Cooking mit jungen Ehrenamtlichen aus Iwate.
Abwechslungsreiche Programmpunkte bringen junge Menschen beider Kulturen in Kontakt. Hier beim gemeinsamen Outdoor-Cooking mit jungen Ehrenamtlichen aus Iwate.

Sollte dieser kurze Einblick bei euch den Wis­sensdurst, den Wunsch nach Veränderung und auch den Mut zur Veränderung geweckt haben, dann bleibt mir nur noch eins zu sagen: schreibt schnell eure Bewerbung und schickt sie ans JDZB. Und dann viel Erfolg!


Dieser Artikel ist ein Gastbeitrag des vierteljährlichen Newsletters “jdzb echo”, der vom Japanisch-Deutschen Zentrum Berlin publiziert wird. Der Beitrag wurde von Norina Oelschläger für die März 2018-Ausgabe verfasst.

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