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Keine Lust mehr, Ihre Stifte beim Kanji-Lernen leer zu schreiben? Probieren Sie es mal mit unseren Tipps! (c) Toshiyuki IMAI / flickr CC BY-SA 2.0

Kanji lernen leicht gemacht: Lernstrategien für Schriftzeichen-Büffler

Sina Arauner

Wollen Sie Japanisch beherrschen, führt kein Weg an den Kanji vorbei. Von den chinesischen Schriftzeichen gibt es viele und für die meisten von uns sind sie schwer zu merken. Diese persönlich erprobten Lernstrategien schaffen Abhilfe gegen stundenlanges Abschreiben!

Es gibt viel zu viele Kanji um sie alle im Kopf zu bewahren! So empfinde ich es zumindest, wenn ich an meine mehrjährige Japanisch-Lernerfahrung denke. Seltene Anwendungsmöglichkeiten und Monotonie beim Auswendiglernen machen es nicht unbedingt leichter. Mit ein paar Tipps jedoch wird noch jeder Kanji-Lernalltag aufgepeppt!

Mühseliges Kanji-Lernen

Ich habe endlose Karteikarten mit Strich­folgen übersät. Zahllose Vokabellisten mit Lesungen erstellt. 1.500 Kanji mühsam im Kopf abgespeichert. Trotz allem kann ich bei weitem nicht so gut Japanisch lesen, wie für mein Selbstbewusstsein als bekennende Streberin gut wäre. Ans Herz gewachsen sind mir die Kanji trotzdem!

kanji cardOb selbstbeschrieben oder fertig gekauft, jeder Japanisch-Lernende macht Erfahrungen mit Kanji-Karten. (c) Abdulla Al Muhairi / flickr CC BY 2.0

Lernen Sie Japanisch, seien Sie sich bewusst: Der zeitliche Aufwand wird nicht selten von einem emotionalen über­schattet. Sie lernen nicht nur Grammatik und Vokabeln, sondern auch ein neues Schriftsystem. Die beiden schnell ge­merkten Silbenalphabete Hiragana und Katakana werden berghoch von den Kanji übertürmt.

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Sie sollten etwa 2.000 dieser chinesi­schen Schriftzeichen beherrschen, um allgemeine Literatur und Zeitungen lesen zu können. Das Problem: Verwenden Sie die gelernten Kanji nicht regelmä­ßig und aktiv, geraten diese schnell in Vergessenheit.

Kreative Lernstrategien

Nichts gegen stures Abschreiben, auch bei Kanji ist dies eine bewährte Lernmethode. Schreiben Sie allerdings gerade das zehn­te Heft mit den immer selben Kanji voll, ist die Frustration nicht weit. Wegen einer Sache würde ich den­noch niemals aufgeben, Kanji zu ler­nen: Das kreative Lernen, das die Kanji ermöglichen!

abscheuVisualisieren Sie Schriftzeichen: Entdecken Sie das grimmige Gesicht? Dass das Zeichen "Abscheu" bedeutet ist so schnell gespeichert!

Betrachten wir einmal das Herz: Die einzelnen Buchstaben des Wortes tragen keinen Inhalt. Der große Bedeutungunterschied zwi­schen Herz und Harz steckt wohl nicht in einem kleinen Vokal. Und auf Japanisch? Das Schriftzeichen für kokoro 心 ist ein Piktogramm, das ursprünglich vermutlich die anatomische Darstellung des Organs verbildlichte.

Viel mehr als im Deutschen basieren im Japanischen abstrakte Begriffe auf bildlich Darstellba­rem oder körperlich Fassbarem. Ein Beispiel: Stellen Sie sich vor, Sie sind peinlich be­rührt. Das Blut steigt Ihnen zu Kopf und der Schlag Ihres Herzens 心 ist im Ohr 耳 zu hören. Das zugehörige Kanji für Scham 恥 setzt sich zusammen aus Ohr 耳 und Herz 心. Das ist gut zu merken, oder?

Übrigens, das Japanische und das Deutsche haben eine interessante Gemeinsamkeit: In beiden Sprachen wird die Scham euphemistisch für die menschlichen Geschlechtsteile verwendet. Doch zurück zum Thema!

Kleine Helfer: Die Radikale

Als Radikal (die bedeutungsgebende Einheit der Kanji) steckt 心 auch in vielen ande­ren Kanji, die oft, aber (leider!) nicht ausschließlich mit Gefühlen zu tun haben. Lernen Sie Japanisch, können Sie sich bis zu einem gewissen Punkt gut an den einzelnen Bausteinen orientieren, um eine Bedeutung zu erahnen. Lesen Sie einen japanischen Text, reicht dies manchmal, um den Kontext zu verstehen.

Wenn Sie wissen, was die einzelnen Bauteile eines Kanji bedeuten, basteln Sie sich kurze Geschichten aus diesen zusammen. Oder aber, Sie orientieren sich an Strichreihenfolge, -anzahl oder was auch immer Ihnen in den Sinn kommt, um ähnliche Kanji auseinanderzuhalten. Ihrer Kreativität sind keine Grenzen gesetzt.

Es gibt viele Strategien beim Lernen der Kanji, die sowohl kreative Köpfe als auch Theoretiker inspirieren. Nutzen Sie Eselsbrücken und Merkhilfen, um Ihrem Gehirn bei langem Lernen etwas Ab­wechslung zu verschaffen. Und: Tauschen Sie sich mit Gleichgesinnten aus – die Ideen Anderer sind eine unschlagbare Ressource, fällt Ihnen partout nichts ein.

Praktischer Tipp: Kanji zum Mitnehmen

Auf welche Art Sie am erfolgreichsten lernen mögen – nutzen Sie “verlorene Zeit” unterwegs zum Lernen: Drucken Sie zum Beispiel Kanji-Karten aus, und werfen Sie in der U-Bahn, in der Supermarkt-Schlange oder in der Mittagspause einen Blick darauf: Wer weiß, wann die Inspiration Sie trifft – vielleicht merken Sie sich so endlich das eine Kanji, dass Sie sich noch nie merken konnten!

Diese Eselsbrücke ist so offensichtlich, dass es in der deutsch-japanischen Redaktion zu ein paar Missverständnissem, ob sie nun aus Japans Kanjiunterricht, oder dem Kopf der Autorin stammt.

Ich lerne fünf Kanji und vergesse zehn. Aber wenn ich nach zahllosen Esels­brücken und Merksätzen über eines stol­pere und endlich merke, „Ha, ich weiß, was das heißt!“, das sind Momente, die mein Herz zum Schlagen bringen und mich daran erinnern, weshalb ich über­haupt Japanisch lerne.

In diesem Sinne: Erfolgreiches Lernen, und nicht vergessen auch ein paar Pausen einzulegen!

Dieser Artikel erschien im JAPANDIGEST 2017 und wurde für die Online-Veröffentlichung nachbearbeitet. Bestellen Sie die Zeitschrift hier und lesen Sie hier mehr Artikel aus dem JAPANDIGEST 2017!

Alle Illustrationen stammen von Nakamura Sayuri.

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