4 Tage in Tōhokus Wunderland (Teil 2) Anzeige

All About Japan
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Die Tōhoku-Region im Norden Japans birgt zahlreiche, unglaubliche Schätze, die es zu entdecken gilt! Wir nehmen Sie auf eine viertägige Reise durch das fantastische Wunderland Tōhokus und zeigen Ihnen faszinierende Sehenswürdigkeiten, Delikatessen und Handwerkskunst!

Namahage
In Akita allgegenwärtig: Große Namahage-Statuen erinnern an die alte Tradition.

Japans nordöstliche Region Tōhoku galt früher als abgelegen und schwer zugänglich. Heute sind ihre einzigartigen Traditionen, ihre nicht mit Touristen überfüllten historischen Stadtteile und umwerfenden natürlichen Landschaften dank des Tōhoku-Shinkansen und anderer Transportmöglichkeiten leichter zu entdecken als je zuvor.

Um zu enthüllen, was diese faszinierende Region zu bieten hat, brach ich zu einer kurzen Reise in drei der sechs Präfekturen der Tōhoku-Region auf: Fukushima, Yamagata und Akita.

Lesen Sie Teil 1 des Artikels!


Tag 3

Inaniwa Udon bei Satō Yōsuke

In Japan gibt es handgemachte Nudeln und dann gibt es Inaniwa Udon-Nudeln. Diese Spezialität aus Akita ist dünner als typische Udon und wird in einem sehr mühsamen, traditionellen Prozess des Knetens und Dehnens per Hand hergestellt.

Inaniwa Udon
Inaniwa Udon sind anders als die typischen Udon-Nudeln. Die Spezialität aus Akita kann man in einem Workshop sogar selbst herstellen!

Der berühmte Inaniwa Udon-Hersteller Satō Yōsuke bietet neugierigen Besuchern an, für 1.500 Yen diesen Herstellungsprozess selbst auszuprobieren. Der Teig wird bereitgestellt – Sie übernehmen das Kneten und Dehnen, und die fertigen Nudeln werden Ihnen sogar innerhalb einer Woche nach Hause geliefert (nur an japanische Adressen)!

Inaniwa Udon
Anstrengend ist das Kneten und Dehnen des Nudelteiges. Doch das Ergebnis ist mehr als schmackhaft1

Im Anschluss probierte ich diese handgemachte Spezialität in deren nahe gelegenem Restaurant. Typischerweise kalt serviert, hatten die dünnen, flachen und glitschigen Nudeln eine angenehm zähe Konsistenz und schmeckten vorzüglich mit den dazugehörigen Dashi- und Sesamsoßen. Gehackte Frühlingszwiebeln, frischen Wasabi und geriebenen Ingwer gab es ebenfalls als Beilagen dazu.

Inaniwa Udon
Die dünnen Nudeln schmecken schmecken in den kalten Soßen besonders gut.

Die Uchigura von Masuda

Der zentrale historische Stadtteil in Masuda, im Südosten der Präfektur Akita, zeichnet sich durch eine Hauptstraße umsäumt von Jahrhunderte alten Wohnhäusern aus. Dies ist an sich nichts Ungewöhnliches, doch diese geschichtsträchtigen Bauten sind schmal und in die Länge gezogen, viele über 100 Meter lang, und immer noch bewohnt!

Uchigura in Masuda
Masuda in der Präfektur Akita im hohen Norden Japans lockt mit historischen Bauwerken und Straßen.

Doch wichtiger ist, was sich im Inneren befindet – uchigura, oder “innere Lagerhäuser”. Anders als in anderen Teilen Japans sind dies keine einfachen Lagerräume, sondern sie funktionieren tatsächlich als Wohnfläche. Viele dieser uchigura kann man besichtigen und die unglaubliche Handwerkskunst bewundern – das charakteristische rot lackierte Holz stellt dabei einen eleganten Kontrast zu den schwarz verputzen Wänden dar.

Uchigura in Masuda
Die schwarzen Wände stellen einen starken Kontrast zum rot lackierten Holz dar.

Apfelpflücken

Wie auch beim Yamagata-Rind, sind Tōhokus große Temperaturunterschiede zwischen Tag und Nacht perfekt für den Anbau von Äpfeln. Tatsächlich ist die Region Japans führender Apfelproduzent! Äpfel (und andere Früchte) selbst vom Baum zu pflücken macht ordentlich Spaß, und manche Obstplantagen bieten sogar „All-you-can-eat“-Optionen an, während andere nach dem Gewicht ihrer Ernte abrechnen.

Äpfel in Akita
Äpfel sind eine Spezialität der Tōhoku-Region.

Das nördliche Akita besitzt eine Vielzahl an Apfelplantagen, besonders im Stadtteil Nakayama in Ōdate sowie in Fushikage in Kita-Akita. Wir machen einen Umweg nach Kagaya Kajuen, ein kleiner Familienbetrieb, der verschiedene Apfelsorten anbaut. Mehrfach eine Leiter hinauf- und hinabkletternd wählte ich einige international angesehene Fuji- sowie Beni Akari-Äpfel aus. Letztere sind eine neue, für Akita einzigartige Sorte. Ich genoss ihre knackige Textur und exzellente Balance zwischen süß und sauer.

Äpfel in Akita
In ausgewählten Plantagen kann man selbst Äpfel und andere Früchte pflücken.

Damako-Nabe Eintopf selbst machen

Anschließend fuhren wir hinaus auf Akitas Oga-Halbinsel, auf der kulinarische und kulturelle Traditionen inmitten wunderschöner Naturlandschaften heimisch sind. Unser erstes Ziel war das Ninigi Café, ein rustikales Bauernhaus (und doch normaler Familiensitz), gemütliches Café und traditionelle Herberge, alles unter einem Dach.

Ninigi Cafe in Akita
Das Ninigi Café ist Café, Restaurant, Wohnhaus und Herberge in einem.

Auch wenn wir die Nacht an einem anderen Ort verbracht haben, kamen wir auf einen Sprung vorbei, um eine von Akitas lokalen Spezialitäten, Damako-Nabe Eintopf, selbst zu kochen. Der Café-Besitzer, ein Vater in seinen 40ern und großer Musik-Liebhaber, stellte gestampften Reis bereit und zeigte uns, wie man ihn in kleine, mundgerechte Bälle formt.

Damako Nabe
In heimischer Umgebung kann man hier selbst Hand anlegen.

Nach Fertigstellung kamen diese in einen Eintopf mit Klettenwurzel, japanischer Petersilie und Lauch, sowie geschnetzeltem Hühnerfleisch. Wohlschmeckend, herzhaft und sättigend war dieses Soul Food aus Akita perfekt, um es an einem kalten Herbstabend mit anderen zu teilen.

Damako Nabe
Akitas Soulfood Damako-Nabe: eine leckere Spezialität, die besonders in kalten Tagen viel Wärme und Kraft spendet.

Tag 4

Namahage

Unser nächstes Ziel beinhaltete etwas, das beinahe synonym mit der Oga-Halbinsel geworden ist: Namahage. Dies ist eine lokale Neujahrstradition, bei der sich junge Männer durch Masken und traditionelle Strohgewänder in sogenannte Namahage verwandeln, furchteinflößende Oger, die von Haus zu Haus ziehen und nach ungezogenen Kindern zum Erschrecken suchen, damit sie sich wieder benehmen.

Selbst wenn Sie nicht am 31. Dezember in Oga sind, so können Sie diese amüsante Akita-Tradition im Oga Shinzan Folklore Museum erleben. Ich trat in dieses traditionelle reetgedeckte Gebäude ein, die Luft war geschwängert vom Duft des Rauches aus dem irori (ein im Boden eingelassener, traditioneller japanischer Kamin), und setzte mich mit den anderen Besuchern auf den Tatami-Boden. Nach viel Gepolter und Geklopfe von draußen stießen zwei Namahage zu uns und begannen prompt das Ritual, auch wenn ich mit Freuden sagen kann, dass keine ungezogenen Kinder an diesem Tag bei uns waren.

Namahage
Die furchterregenden Namahage sind Kinderschreck und interessante Kultur zugleich.

Im Gebäude nebenan stellt das modernere Namahage Museum die Geschichte und unglaubliche Vielfalt dieser Tradition vor. Zwar sind die grundlegenden Praktiken des Namahage die gleichen, allerdings unterscheiden sich die auf der Halbinsel kreierten Masken, von denen viele dort ausgestellt sind, je nach Kommune.

Namahage
Im Namahage Museum kann man mehr über diese Tradition und besonders über die Vielfalt der Namahage-Masken lernen.

Der aus der Heian-Zeit (794-1185) stammende Shinzan-Schrein die Straße runter bereitete sich mittlerweile auf das Namahage Sedō Festival im Februar vor, genauso wie auf dynamische nächtliche Aufführungen der Namahage, die zu bestimmten Zeiten im Jahr Taiko-Trommeln spielen!

Namahage
Zu besonderen Zeiten spielen die Namahage sogar Taiko-Trommeln. Ein wahres Erlebnis!

Takashimizu Brauerei (Akita Shurui Seizoh Co. Ltd.)

Offiziell wurde die Akita Shurui Seizoh Co. Ltd. 1944 gegründet, doch wie bei vielen anderen japanischen Sake-Produzenten liegen ihre Wurzeln viel tiefer. 12 Akita-Brauereien, die schon während der Edo-, Meiji-, Taishō- und Shōwa-Ära Sake herstellten, bündelten ihre Kräfte und starteten die Marke Takashimizu, was soviel wie „hohes Quellwasser“ bedeutet.

Takashimizu Brauerei
Die Takashimizu Brauerei in Akita produziert Sake mit Quellwasser.

Das Unternehmen verwendet Quellwasser sowie einen speziellen, in Akita angebauten Reis für ihren Sake, um eine Vielzahl an unterschiedlichen Sorten herzustellen. Während der Herstellungsprozess überwiegend von Maschinen übernommen wird, gibt es weiterhin eine besondere Kategorie für den ausschließlich handgebrauten Sake des Typs ginjō.

Takashimizu Brauerei
Führungen durch die Brauerei bieten die Möglichkeit, mehr über Geschichte und Herstellung von Sake zu erfahren.

Führungen durch die Brauerei werden in der Regel drei Mal am Tag angeboten, und im Winter können Besucher, die an der Tour um 10:30 Uhr teilnehmen, vielleicht sogar die Mitarbeiter bei der Sake-Herstellung beobachten. Bitte beachten Sie jedoch, dass zum aktuellen Zeitpunkt der Verkauf vor Ort aufgrund der Corona-Pandemie nicht stattfindet. Bitte rufen Sie die Brauerei für weitere Informationen an (japanische Telefonnummer): (+81)-(0)81-864-7331

Takashimizu Brauerei
Die Takashimizu Brauerei stellt zahlreiche Sorten von Sake her.

Mittagessen bei Honke Abeya

Die Präfektur Akita brüstet sich damit, eine der Top 3 Marken für freilaufende Hühner zu sein: hinai-jidori. Das Restaurant Honke Abeya (本家あべや) wird täglich mit diesem Premium-Geflügel beliefert, um Frische zu garantieren, die wiederum in variationsreichen Gerichten den Gästen serviert wird – von klassischen, über Kohle gegrillten Yakitori-Spießen bis hin zu Reisschüsseln und Eintopfgerichten.

Kurz vor der Rückfahrt nach Tōkyō mit dem Shinkansen, machten wir einen Stopp in der Honke Abeya Filiale in Akita, nahe der Bahnstation Akita, und bestellten Oyakodon. Honke Abeya hat es geschafft, aus diesem klassischen Gericht der japanischen Küche, das aus Hühnerfleisch und Ei über Reis besteht, ein wahres Meisterwerk zu machen. Ruhend auf Akita Komachi-Reis verschwand diese köstliche Kombination aus Dashi, gesundem Eigelb und schmackhaftem, saftigen Hühnerfleisch voll leckerer Umami-Noten, viel zu schnell – sehr zu meinem Bedauern.

Oyakodon
Der Klassiker Oyakodon wird im Restaurant Honke Abeya serviert.

Schlusswort

Wenn auch innerhalb der Tōhoku-Region weit voneinander entfernt gelegen, war ich doch sehr beeindruckt von der Vielfalt, die ich in jeder der drei Präfekturen erlebt habe. Was Esskultur, Landschaft, Architektur und kulturelle Traditionen angeht, so bieten sie Besuchern eine wahre Fundgrube an unglaublichen Entdeckungen.

Namahage
In Akita allgegenwärtig: Große Namahage-Statuen erinnern an die alte Tradition.

Für mehr Informationen zur Region Tōhoku klicken Sie auf das Logo der TOHOKU JAPAN Seite (Englisch)!

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