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Der Motonosumi-Schrein: 123 Torii zum Meer

Diana Casanova
Diana Casanova

In Japan finden sich shintōistische Schreine in so ziemlich jeder Stadt. Sie können klein und unscheinbar sein, oder befinden sich auf riesigen Anlagen, die jährlich von zehntausenden Besuchern besichtigt werden. Andere wiederum verschlagen einem einfach nur die Sprache – so wie der Motonosumi-Schrein in der Präfektur Yamaguchi.

Motonosumi Schrein
Der Motonosumi-Schrein in der Präfektur Yamaguchi ist ein beeindruckender Anblick. © Photo AC / 百和

Im Jahre 1955 träumte ein örtlicher Fischer von einem weißen Fuchs, der ihn aufforderte, einen Schrein zu bauen. Daraufhin errichtet er einen kleinen Schrein nahe der Küste und widmet ihn dem Reisgott Inari, der weiße Füchse als Begleiter und Boten zu nutzen weiß.

So lautet zumindest die Entstehungsgeschichte der wohl bekanntesten Sehenswürdigkeit der Präfektur Yamaguchi, des Motonosumi-Schreins (元乃隅神社, motonosumi-jinja). Im Nordwesten Yamaguchis liegt der Ort Nagato (ca. 70 km von der Präfekturhauptstadt entfernt), weit weg von anderen größeren Städten. Die Besucher bahnen sich ihren Weg an die Küste, in Richtung des Japanischen Meeres, wo sie ein Abhang zu einem sandigen Platz vor hohen Klippen führt.

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Der knapp 100 Meter lange Weg hinab ist gesäumt von 123 feuerroten torii – heilige Tore, die die Grenze zwischen der Menschen- und der Götterwelt markieren und an jedem shintōistischen Schrein zu finden sind. Diese wurden, anders als das winzige Hauptgebäude des Schreines, erst im Laufe der 80er und 90er Jahre gespendet und errichtet.

Motonosumi Schrein
Der torii-Tunnel von unten. © Photo AC / 百和

Wunderschöne Natur

Es ist die wunderschöne wie beeindruckende Szenerie, die den Motonosumi-Schrein zu einem ganz besonderen Erlebnis machen. Das Panorama der steilen Klippen, die von tosenden Wellen umschlungen werden (an stürmischen Tagen werden diese bis zu 30 m hoch), dazu der sich schlängelnde Tunnel aus den torii, bieten wahre Postkartenansichten. 2015 wurde der Schrein vom amerikanischen Sender CNN sogar zu einem der schönsten Orte Japans gewählt.

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Die Wellen sorgen zudem für ein besonderes Phänomen: Die Klippen sind aufgrund der Witterung voller Löcher und Einkerbungen. Wenn die Wellen gegen die Steinwände schlagen, wird das Wasser durch diese Löcher gepresst, was es wie einen Geysir aufspritzen lässt. Deshalb wird dies auch Ryūgū no Shiofuki genannt, wörtlich „Drachenpalast-Geysir“, denn das aufspritzende Wasser soll dem mythischen Drachenkönig ähneln, der im Palast Ryūgū auf dem Grund des Meeres leben soll. Wer auf das Japanische Meer blickt, kann in die Ferne bei gutem Wetter vielleicht sogar die koreanische Halbinsel entdecken.

Motonosumi Schrein
© Photo AC / photoB

Werfen für das Glück

Das Naturschauspiel ist nicht die einzige Sehenswürdigkeit des Schreines. Eine kleine Spendenbox bietet eine besondere Herausforderung. Es ist üblich, dass Schreinbesucher dort Geldspenden hineinwerfen können, doch im Motonosumi-Schrein ist diese Box an einem ca. 6 m hohen torii befestigt. Es heißt, dass ein Wunsch für jene in Erfüllung geht, die mit einer Münze die Box treffen. Wundern Sie sich also nicht, wenn Sie bei Ihrem Besuch Menschen sehen, die verzweifelt Münzen in die Luft werfen (und versuchen Sie es doch gleich selbst).

Motonosumi Schrein
Wer es schafft, eine Münze in die oben angebrachte Box zu werfen, wird seinen Wunsch erfüllt bekommen. © Photo AC / ルドルフ88

Anfahrt

Der Motonosumi-Schrein ist leider nicht leicht mit öffentlichen Verkehrsmitteln zu erreichen. Es fahren weder Busse noch Züge direkt dorthin, daher nimmt man am besten ein Taxi oder einen Mietwagen. Eine Autofahrt von der am nächsten gelegenen Bahnstation Nagato-Furuichi (JR San’in-Linie) dauert je nach Verkehrslage ca. 15-20 Minuten.

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