Einführung in den japanischen Film

Christiane Süßel
Christiane Süßel

Anime-Großmeister Miyazaki Hayao hat Zeichentrickfilme einem Erwachsenem-Publikum erschlossen. Mit Kurosawa Akira und Ozu Yasujirō stehen zwei große Namen für den japanischen Film. Bekannt wurde Nippons Kino auch durch Godzilla-Streifen.

"Nokan - Die Kunst des Ausklangs" gewann 2009 einen Oscar. ©Koolfilm

Egal, ob Zeichentrickfilm, große Kinoproduktionen oder Horror-Streifen: die japanische Filmindustrie zählt nicht nur zu den ältesten, sondern auch den größten der Welt. Im internationalen Ranking der Filmproduktionen nimmt das Inselreich den dritten Platz ein. Der Siegeszug des japanischen Films beginnt bereits 1897 mit der ersten öffentlichen Filmvorführung in Ōsaka. 1903 öffnet in Tōkyo das erste Filmtheater seine Pforten. Die ersten japanischen Streifen sind abgefilmte Kabuki-Vorführungen.

Als 1908 das erste japanische Filmstudio entsteht, ist das der Startschuss für den Film als eigene Kunstform. Spätestens in den 1920er Jahren orientiert sich Japan dann an Vorbildern aus Europa und Hollywood. Eng mit den Anfängen verbunden sind die sogenannten Benshi, Erzähler, die Stummfilme kommentieren. Sie behaupten sich bis in die 1950er Jahre. Ab 1930 setzt sich sukzessive der Tonfilm durch und die zahlreichen Kinos im Land ziehen ein immer größeres Publikum an.

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Meister der Filmkunst

In diese Zeit fallen die ersten Streifen von Regisseur Ozu Yasujirō. Markenzeichen des Großmeisters sind seine Kameraeinstellungen: Gefilmt wird meist aus der Perspektive eines sitzenden Zuschauers. Oft werden dabei Durchsichten von japanischen Häusern gezeigt. Der Großmeister beeinflusste mit seinen Geschichten, die von der Natur und dem Wandel der Jahreszeiten erzählen, zahlreiche ausländische Kollegen, etwa Rainer Werner Fassbinder, Wim Wenders oder Doris Dörrie.

In den Kriegsjahren verkommt der japanische Film zum Mittel nationalistischer Propaganda. Der Zusammenschluss von Filmproduktionsfirmen trägt hierzu bei. Erst nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs wird die Zensur wieder aufgehoben und die Militärdiktatur filmisch aufgearbeitet, etwa auch in Kurosawa Akiras Frühwerk. Spätestens mit seinem Kinofilm Rashomon von 1950 treten japanische Produktionen ihren Siegeszug auf internationaler Bühne an. Kurosawa gewinnt 1951 als erster asiatischer Regisseur bei den Filmfestspielen in Venedig den Goldenen Löwen und ein Jahr später auch den Oscar für den besten ausländischen Film. Sein Meisterwerk „Die sieben Samurai“ wird zur Vorlage anderer Regiearbeiten. 1985 legt er mit Ran den bis dato teuersten japanischen Film vor. 1990 erhält der Meister der Samurai-Epen den Oscar für sein Lebenswerk.

Ab den 1960ern treten Science-Fiction- und Monsterfilme ihren Siegeszug an, allen voran Godzilla. Das Monster, eine dinosaurier-ähnliche Kreuzung zwischen einem Gorilla und einem Wal, erhält 2004 einen eigenen Stern auf dem Walk of Fame in Hollywood. Seit dem ersten Godzilla-Streifen von Honda Ichirō 1954 erzählen mehrere dutzend Streifen von Katastrophenszenarien. Kritiker interpretieren diese Filme auch als Aufarbeitung des Atombombenabwurfs über Hiroshima und Nagasaki.

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Anime wurden zu weltweiten Hits

In den 1970ern schlittert der japanische Film in eine Krise. Er kann sich nur schwer gegen die Vormacht der US-amerikanischen Produktionen durchsetzen. Erst in den 1980er Jahren treten Animationsstreifen aus Nippon einen weltweiten Siegeszug an. Allen voran triumphiert Miyazaki Hayao, der unter anderem an dem Welterfolg der Heidi-Serie mitgearbeitet hat. Miyazaki setzt die Manga-Serie „Nausicaä aus dem Tal der Winde“ um und gewinnt mit seiner Animationsschmiede Ghibli Studios internationale Preise. Das Anime „Prinzessin Mononoke“ spielt an den Kinokassen mehr Geld ein als die US-Schmonzette „Titanic“. „Chihiros Reise ins Zauberland“ wird mit dem Oscar für den besten Animationsfilm ausgezeichnet.

Einen Namen macht sich ab den 1980er Jahren auch der Schauspieler und Entertainer Kitano Takeshi. Er dreht oft blutige Kassenschlager wie „Sonatine“ (1993), „Kids return“ (1996) und „Hana-Bi“ (1997) und heimst in Venedig 1997 den Goldenen Löwen ein. 2009 kürt die Oscar-Jury den Film „Nokan – Die Kunst des Ausklangs“ von Takita Yōjirō als besten fremdsprachigen Film. Dem westlichen Publikum sind heute Regisseure wie Kore-eda Hirokazu, Kawase Naomi, Sono Shion und Kurosawa Kiyoshi bekannt.

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