Mischkleidung
"Schauspieler in japanisch-westlicher Mischgarderobe", Künstler unbekannt, um 1860-70. ©Museum Angewandte Kunst

Ausstellung: Holzschnitte und Fotografie in der Meiji-Zeit

Hannah Janz

Der Wechsel von der Edo- zur Meiji-Zeit wird als einer der größten Umbrüche der japanischen Geschichte gewertet. Die Ausstellung „Yokohama 1868–1912 - Als die Bilder leuchten lernten“ zeigt diese Zäsur in Holzschnitten und Fotografien.

Die erzwungene Öffnung Japans durch die „Schwarzen Schiffe“ unter US-Amerikaner Commodore Perry 1854 brachte zahlreiche Neuerungen ins Land. Der Feudalismus wurde abgeschafft, der Kaiser reinstalliert. Japan holte wissenschaftliche und gesellschaftliche Entwicklungen nach, die in den westlichen Ländern mehrere Jahrhunderte in Anspruch genommen hatten.

MAKMuseum Angewandte Kunst, Frankfurt. ©Museum Angewandte Kunst

Hier finden Sie die Ausstellung in der Event-Datenbank.

Die Ausstellung im Museum Angewandte Kunst in Frankfurt widmet sich vom 8. Oktober 2016 bis zum 29. Januar 2017 dem medialen Bruch dieser Epoche. Einerseits wurden viele Holzschnittkünstler durch die aufkommende Fotografie arbeitslos, andererseits schuf die Fotografie ganz neue bildwerte Topoi. Ausgangspunkt ist die Hafenstadt Yokohama, die ab den 1850ern das Tor zum Westen wurde und eine Ausländer-Enklave beherbergte.

Langnasen und moderne Technologie

Die Ausstellung eröffnet mit den westlichen Einflüssen auf die Yokohama-e 横浜絵, die Holzschnitte aus Yokohama. Da wird der Bowler-Hut zu Hakama-Hosen getragen oder eine Dampflok zur Kulisse für ein Kabuki-Theaterstück. Für das bürgerliche japanische Publikum war ebenso interessant zu sehen, wie die Ausländer lebten, und so finden sich in der Ausstellung zahlreichen „Langnasen“-Holzschnitte.

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Holzschnitte MAKPräsentation Japans auf der Weltausstellung in Wien 1873. ©Museum Angewandte Kunst ©SeibelMAKDie Ausstellungsräume im Museum Angewandte Kunst. ©Seibel

Japan wurde in der Meiji-Zeit auch erstmals Reiseland. Die Häfen, deren Öffnung die US-Kanonenboote zuvor erzwungen hatten, dienten nun als Kohletender für die globale Schifffahrt sowie als Anlegestellen für betuchte Reisende. Da die private Fotografie sich erst in den 1890ern verbreitete, boten westliche und später japanische Fotografen in ihren Studios Abzüge zur Auswahl, aus denen die Besucher kostspielige Erinnerungs-Alben fertigen ließen. Diese werden in der Ausstellung ebenfalls gezeigt.

DaibutsuDer große Buddha in Kamakura - schon in den 1880ern ein beliebtes Ausflugsziel für westliche Touristen. ©Seibel ©Museum Angewandte KunstAb den 1890ern rückten mit den japanischen Kriegen gegen China und Russland militärische und nationalisierende Darstellungen in den Mittelpunkt der Holzschnitte. ©Museum Angewandte Kunst

…und noch mehr Kunst

Zusätzlich zur umfangreichen Ausstellung mit über 250 Exponaten bietet das Museum Angewandte Kunst neuerdings eine Galerie unter dem Titel „Meet Asian Art“. Dort werden wechselnde Exponate aus der Sammlung des Museums präsentiert. Zur Zeit (November 2016) sind dort Emaille-Arbeiten, sogenannte Cloisonné, zu sehen – diese wurden in der Meiji-Zeit zu einem der Exportschlager japanischer Handwerkskunst.

Die Galerie "Meet Asian Art" zeigt wechselnde Exponate. ©Janz

Japan Digest dankt dem Kurator der Ausstellung, Herrn Dr. von der Schulenburg, für die umfangreiche Einführung in die Ausstellung.

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