Einen Kimono richtig anziehen: Kitsuke | Teil 1

Anji Salz
Anji Salz

Wie zieht man eigentlich einen japanischen Kimono richtig an? Was bei westlicher Kleidung in einer Minute erledigt ist, dauert beim Kimono ein klein wenig länger. Kitsuke, das Anziehen eines Kimonos, ist eine Kunst für sich.

Collage: einen Kimono richtig anziehen
© Anji SALZ

Für das ungeübte Auge mag das Anlegen des japanischen Kimonos für Frauen sehr kompliziert und einschüchternd wirken. Im Grunde ist es jedoch ziemlich einfach und mit etwas Übung auch in ein paar Minuten erledigt. Doch noch vor dem Kimono muss erst einmal die richtige Unterkleidung vorbereitet werden. Im ersten Teil meines Kitsuke-Artikels stelle ich Ihnen die Grundschritte und Kniffe des Anziehens von Unterwäsche und Unter-Kimono vor.

Bevor Sie loslegen, überprüfen Sie hier, ob Sie mit dem passenden Kimono-Zubehör ausgestattet sind:

zusammengefalteter Kimono mit ObiDiese Lagen hat ein japanischer KimonoDer Kimono wird in den Medien oft als erotisiertes Schlafgewand auf nackter Haut dargestellt, besteht in Wirklichkeit aber aus zahlreichen L...17.02.2019

Los geht es mit den Tabi-Socken. Diese sollten vor dem Anlegen des Kimonos angezogen werden, denn in voller Montur kommt man nur noch erschwert an die Füße.

Unter dem Kimono: Unterwäsche und Auspolsterungen

Für eine gerade Silhouette sollte die Brust so flach wie möglich liegen. Das heißt, keine Push-Up- oder Bügel-BHs. Stattdessen ist ein Kimono-BH empfehlenswert oder ein einfacher Sport-BH mit tiefem Ausschnitt im Nackenbereich. Darüber wird traditionell Unterwäsche (hada-gi 肌着, wortwörtlich: „etwas, das direkt auf der Haut getragen wird“) aus feiner Baumwolle getragen. Diese besteht meist aus einer Art Wickel-Shirt und dem Wickelrock susoyoke (裾除け). Natürlich kann man auch hier mit einem Tank-top oder dergleichen auskommen.

 

Collage: einen Kimono richtig anziehen
© Anji SALZ

Um die bereits erwähnte gerade Kimono-Silhouette zu bekommen, sollten die Kurven ein wenig ausgepolstert werden. Je nach Körperbau und Belieben variiert das ganze ein wenig, ich persönlich komme mit folgendem gut aus: Ein dünnes Handtuch, der Länge nach gefaltet um die Hüften, darüber noch ein spezielles Hüftpad für den Rücken. Damen, die mit Oberweite gesegnet wurden, sollten diese so flach wie möglich binden und vielleicht noch oberhalb der Brust, auf Schlüsselbeinebene, etwas ausstopfen. So sieht der Kimono gut aus und verrutscht nicht so leicht.

Beim Anziehen der Unterwäsche darauf achten, dass der Nacken frei ist und alle Falten im Rücken glatt gezogen werden.

Collage: einen Kimono richtig anziehen
© Anji SALZ

Nagajuban: Die Basis für den Kimono

Der nagajuban (長襦袢) ist der Unterkimono und zugleich die Basis, die den guten Sitz des Kimonos gewährleistet.

Als erstes wird die Plastikschiene eri-shin (襟芯) in die Innenseite des Kragens eingeführt. Diese ist wichtig, damit der Kragen vernünftig sitzt. Als nächstes wird der juban mit einer Hand gehalten, bevor er vorsichtig von hinten über die Schultern gezogen wird. Dann erst werden die Arme, einer nach dem anderen, durch die Ärmel gesteckt. Wenn man gleichzeitig etwas an den Säumen der Ärmel zieht, kann man den juban mittig positionieren.

Collage: einen Kimono richtig anziehen
© Anji SALZ

Die unteren Ecken des Kragens auf gleicher Höhe gehalten, sollte der juban im Rückenbereich etwas herunter gezogen werden, um den Nacken frei zu legen. Optimal ist eine faustbreit Platz zwischen Hinterkopf und Kragen. Wie tief der Kragen jedoch gezogen wird, ist Geschmackssache.

Collage: einen Kimono richtig anziehen
© Anji SALZ

Vorne wird erst die rechte, dann die linke Seite übereinander geschlagen. Ein wichtiger Punkt: Beim Kimono sollte die rechte Hand in den Kragen geschoben werden können. In umgekehrter Reihenfolge werden nur die Verstorbenen gekleidet!

Weiterhin ist gut darauf zu achten, dass der Kragen über die Brust gezogen wird, sonst kann er im Laufe des Tages locker werden. Alles wird mit dem Band koshihimo (腰紐) gebunden. Damit es nicht zu fest wird, hilft es beim Binden einmal einzuatmen.

Juban mit chikara nuno (力布), einem langen Stück Stoff im Rücken, helfen, dass der Kragen den ganzen Tag über gut sitzt. In diesem Fall wird das Band durch die Schlaufen gezogen, bevor es vorne gebunden wird.

Collage: einen Kimono richtig anziehen
© Anji SALZ

Vorsichtig die Falten vorne und hinten glatt ziehen, dann das datejime (伊達締め), ein breites Band aus fester Seide oder mit einem Stück festem Papier ausgekleidet, binden. Dieses begradigt nochmals den Übergang von der Brust zum Bauch.

Collage: einen Kimono richtig anziehen
© Anji SALZ

Sie haben nun erfolgreich das Untergewand für Ihren Kimono angelegt. Wie es danach weitergeht, erfahren Sie im zweiten Teil des Artikels.

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