mihsima yukio
Mishima Yukio 1944 mit seiner Schwester Hiraoka Mitsuko.

NEWS I Unveröffentlichte Tonbandaufnahmen von Mishima Yukio entdeckt

Sina Arauner

Tonaufnahme Mishimas in Archiv entdeckt +++ Veröffentlichung der Aufnahme ursprünglich verboten +++ Äußerungen Mishimas zu Leben, Tod und seiner Literatur

Am 12. Januar 2017 strahlte das japanische Medienunternehmen Tokyo Broadcasting System (TBS) eine bisher unveröffentlichte Tonbandaufnahme eines Interviews des japanischen Schriftstellers Mishima Yukio aus.

Die Tonbandaufnahme sei vor etwa drei Jahren von einem Angestellten im Archiv der Sendeanstalt gefunden worden und mit der Aufschrift „Veröffentlichen verboten“ versehen gewesen, berichten japanische Medien.

Nach der erfolglosen Untersuchung von TBS, wie das Unternehmen an die Aufnahme kam und weshalb es ursprünglich nicht zur Veröffentlichung vorgesehen war, wurde die Aufnahme schließlich am Abend des 12. Januar ausgestrahlt.

Die 80-minütige Aufnahme der Unterhaltung Mishimas mit dem englischen Übersetzer John Bester, der unter anderem Werke Mishimas aus dem Japanischen übersetzte, ist im Februar 1970 entstanden, etwa neun Monate vor Mishimas rituellem Suizid.

Mishima als St. Sebastian, fotografiert von Shinoyama Kishin.

„Der Tod ist von Außen in meinen Körper eingedrungen“

Yamanaka Takeshi, Forscher am Mishima Yukio Literary Museum, sieht in der Aufnahme eine wertvolle Ressource zum Verständnis der Werke und Gedanken Mishimas. Die Aufnahme sei zu einem Zeitpunkt entstanden, als Mishima bereits begonnen hatte, die Schritte, die Monate später in seinem Suizid endeten, einzuleiten, teilte Yamanaka japanischen Medien mit.

In dem Interview äußerte sich Mishima kritisch zu seinem literarischen Schaffen: Wie bei einem Ölgemälde würde er seine Texte vollschmieren und keinen weißen Platz lassen. Dies sei seine Schwäche, anders könne er seine Gedanken nicht ausdrücken, teilte Mishima seinem Gesprächspartner unerwartet direkt mit.

Mishima war seit 1963 drei Mal für den Literaturnobelpreis nominiert worden. Er gilt als einer der einflussreichsten japanischen Autoren des 20. Jahrhunderts, dessen literarische Werke zwei Welten der Tradition und Moderne vereinen.

Zerrissen zwischen diesen Welten, nahm sich Mishima nach einem erfolglosen Putsch-Versuch mit dem Ziel. die pazifistische Verfassung Japans umzuwerfen und den Kaiser wieder ins Zentrum der Macht zu rücken, am 25. November 1970 durch den rituellen Selbstmord seppuku das Leben.

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