Evakuirung Japan
In Japan finden regelmäßig Katastrophenübungen statt.(c) Masahiko SATOH / Flickr CC2.0

NEWS | Raketenangriff durch Nordkorea: Japan probt erstmals Evakuierung

Raketenangriff bei Katastrophenschutzübung an japanischer Schule simuliert +++ Grund: wachsende Bedrohung durch nordkoreanische Raketen +++ Evakuierung findet japanweit Aufmerksamkeit

Die Stadt Oga in der Präfektur Akita hat heute die erste Luftschutzübung abgehalten, die einen Raketenangriff Nordkoreas simuliert. Das Szenario der Evakuierungsübung sah vor, dass eine Rakete Nordkoreas kurz vor der Küste Ogas ins Meer gestürzt sei.

Bei der Luftschutzübung wurden zuvor registrierte Teilnehmer durch das Alarmsystem J-Alert über die Evakuierung in Kenntnis gesetzt. Anschließend organisierte der Katastrophenschutz der Stadtverwaltung die Evakuierung der Teilnehmer in eine Stadthalle sowie eine Schule.

Obwohl nur 110 Bewohner an der Evakuierungsübung teilnahmen, fand sie als erste Raketenschutzübung japanweit umgehend mediale Aufmerksamkeit.

Kurze Vorwarnzeit nach Raketenabschuss: Evakuierung muss reibungslos funktionieren

Die Vorwarnzeit bei einem auf Japan gerichteten Raketenabschuss durch Nordkorea durchschnittlich unter 10 Minuten. Die Mittelstreckenraketen erreichen Geschwindigkeiten bis zu 6 km/s.

Diese geringe Vorwarnzeit macht es nötig, dass die Zentralregierung Informationen über einen entdeckten Raketenstart umgehend an die lokalen Verwaltungen weiterleitet, damit diese ohne Zeitverlust konkrete Maßnahmen des Zivilschutzes einleiten können.

Zu diesem Zweck hat die japanische Regierung das Informationsnetzwerk J-Alert (Zenkoku shunji keihō shisutemu 全国瞬時警報システム) eingerichtet.

Katastrophenwarnung über J-Alert. Die Grafik aus dem Jahr 2008 wurde durch die Redaktion um die Erklärungen auf Deutsch sowie die Grafik mobiler Endgeräte (rechts) erweitert. © Wikimedia Commons

J-Alert informiert die Bürger durch registrierte Geräte wie Smartphones über akute Bedrohungen. Auch Lautsprecher machen Ansagen zu Schutzmaßnahmen, so zum Beispiel bei Erdbeben und Tsunami am 11. März 2011 an Japans Nordostküste. Die Evakuierungsübung in Oga stellte die erste praktische Zusammenarbeit zwischen Zentralregierung und einer Ortsverwaltung dar, in der J-Alert als Raketenwarnsystem zum Einsatz kam und Zivilschutzmaßnahmen begleitet wurde.

Hintergrund: Nordkorea weitet Raketentests aus

In den letzten Monaten hatte Nordkorea vermehrt Tests seines verbesserten Raketenarsenals durchgeführt. Zuletzt hatte das Regime am 6. März 2017 zeitgleich vier Mittelstreckenraketen in Richtung Japan über das Japanische Meer abgefeuert. Die Raketen stürzten ins Meer, eine davon etwa 200 km vor der Oga-Halbinsel in Japans Ausschließliche Wirtschaftszone.

Zudem hatte Nordkorea danach verlauten lassen, dass die Raketentests eine Übung für einen Angriff auf US-Militärstützpunkte in Japan gewesen seien. Die Stützpunkte kritisiert Nordkorea als Ausdruck eines US-amerikanischen Imperialismus. Japans Premierminister Abe warnte vor einer Eskalation der Bedrohungslage.

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