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Wakuwaku Wari: Wie Japan die Eventindustrie wiederbeleben will

Matthias Reich
Matthias Reich

Die Corona-Krise hat viele Wirtschaftszweige arg gebeutelt, die Tourismusbranche litt darunter, die Gastronomie ebenso. Aber kaum jemand litt so sehr wie Künstler*innen und die Veranstaltungsindustrie. Aus diesem Grund lässt sich Japan nun – wieder – etwas Neues einfallen.

Ein PCR-Testcenter in Tōkyō.
Ein PCR-Testcenter in Tōkyō.

Bereits im Jahr 2020 gab es erste Versuche, die Veranstaltungsindustrie wieder in Gang zu bekommen – damals mit der “Go To Event-Kampagne”, angelehnt an die Go To Travel-Kampagne. Das Budget für Go To Event war enorm und betrug fast eine Milliarde Euro. Doch vom Beginn der Aktion im Oktober 2020 bis zum Ende im Dezember 2021 wurden davon gerade einmal ca. 40 Millionen Euro abgerufen, und dafür gab es verschiedene Gründe. Einerseits war da der periodisch wiederkehrende Ausnahmezustand, währenddessen Veranstaltungen zwar nicht komplett verboten, aber doch mehr oder weniger indirekt untersagt wurden. Andererseits war den Menschen nicht nach Großveranstaltungen zumute, so dass nur wenige von der finanziellen Unterstützung profitieren konnten. Die Aktion verpuffte, und nur wenige Menschen in Japan hatten überhaupt von Go To Event gehört.

Rabatte für Geimpfte

Für die neue Kampagne steht zwar nur ein Drittel des vorherigen Budgets, also umgerechnet rund 300 Millionen Euro, zur Verfügung, doch mit der Lockerung vieler Corona-Maßnahmen könnte es dieses Mal durchaus erfolgreicher verlaufen. Nutznießer der Aktion müssen jedoch – im Gegensatz zur Go To Event-Kampagne – nachweisen, dass sie drei Mal gegen das Coronavirus geimpft wurden. Der Name ist da Programm, denn wakuwaku bedeutet “freudig erregt sein”, aber das waku in dem Wort markiert auch die ersten beiden Silben des aus dem Englischen importierten Wortes wakuchin (“vaccine”). Das wari bedeutet „Rabatt“, und allein darum geht es bei der Aktion – dreifach Geimpfte Veranstaltungsbesucher können so 20 % Nachlass bekommen.

Mehr Menschen zur Drittimpfung bewegen

Das Ziel der Kampagne ist klar: Die Politiker möchten so die Menschen aufmuntern, wieder Veranstaltungen zu besuchen. Ebenso will man erreichen, dass sich möglichst viele Menschen ein drittes Mal impfen lassen, denn besonders unter den jungen Menschen ist die Booster-Quote im Vergleich zur übrigen Bevölkerung eher gering – in Tōkyō hat sich nur ein gutes Drittel der 20- bis 30-jährigen ein drittes Mal impfen lassen, während der Schnitt bei Teenagern in der Hauptstadt bei rund 60 % liegt[1].

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Die Veranstaltungsindustrie hat die Unterstützung dringend nötig. PIA Corporation, einer der größten Ticketverkäufer in Japan, veröffentlichte im September 2021 Zahlen, nach denen die Ticket- und Veranstaltungsindustrie im ersten Corona-Jahr im Vergleich zum Vorjahr um über 80 % eingebrochen ist[2]. Im zweiten Corona-Jahr sah die Lage zwar etwas besser aus, trotzdem lagen die Verkäufe bei nur 35 % des letzten Vor-Corona-Jahres. Der Großteil des verbliebenen Umsatzes wurde mit Sportveranstaltungen gemacht, denn z.B. Baseballspiele wurden vergleichsweise früh wieder für Besucher zugänglich gemacht. 

Kleine Rabatte ändern womöglich nicht viel

Wakuwaku Wari beschränkt sich interessanterweise nicht nur auf Eintrittskarten für Konzerte und Sportveranstaltungen – subventioniert werden auch Eintrittskarten für Museen, Kinos, Vergnügungsparks, Zoologische Gärten und so weiter. Allerdings liegt die Obergrenze des Zuschusses bei 2.000 Yen (rund 15 Euro). Trotzdem dürfte die Aktion viele Zuschauer anlocken, und die Idee ist im Prinzip lobenswert: Die Zuschüsse gehen lediglich an den Zuschauer/Endkunden; Veranstalter müssen sich um nichts kümmern.

Ob das Angebot jedoch attraktiv genug ist, mehr Japaner zu einer dritten Impfung zu bewegen, ist fraglich – schließlich macht sich allmählich die Stimmung breit, dass Corona “sowieso abklingt” beziehungsweise die jetzigen Varianten nicht mehr so schlimm sind. Außerdem lassen sich viele Japaner aus Sorge vor den Nebenwirkungen (gemeint sind die kurzfristigen, nicht eine diffuse Sorge vor möglichen Langzweit-Nebenwirkungen) nicht noch einmal impfen, und ein Rabatt von ein paar hundert Yen wird wahrscheinlich nicht genug sein, um die Meinung der Betroffenen zu ändern.

Übrigens soll auch ein negatives PCR-Testergebnis ausreichen, um in den Genuss des Rabattes zu kommen. Allerdings kosten die PCR-Tests weit mehr als die maximal zugestandenen 2.000 Yen, weshalb diese Option wirtschaftlich außer Frage steht.

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