Shōgi
Shōgi-Spieler in einem Park in Yokohama. (c) naitokz / flickr CC BY-ND 2.0

Wie ein Teenager in Japan Shōgi neuen Glanz verleiht

Sina Arauner

Dass Shōgi gerne mit dem europäischen Schachspiel verglichen wird, wissen Sie sicher. Anders als Schach in Deutschland erfreut sich Shōgi gerade einer außerordentlichen Beliebtheit in Japan. Der Grund: Fujii Sōta, der jüngste Profi-Shōgi-Spieler aller Zeiten.

Besonders in den letzten Wochen hat ein 14-jähriger Japaner nicht nur in seiner Heimat, sondern auch international Schlagzeilen gemacht. Es handelt sich natürlich um Fujii Sōta, der seit September 2016 in die Reihen professioneller Shōgi-Spieler aufgenommen wurde.

Sein professionelles Debüt absolvierte Fujii passenderweise gegen den damals ältesten Shōgi-Spieler, Katō Hifumi. Prompt gewann er und schien für eine Weile unaufhaltbar. Der 77-jährige Katō hat seither übrigens seine 63-jährige Karriere beendet. Für Fujii geht es jedoch jetzt erst richtig los.

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Wie ein Star wurde der junge Fujii gefeiert, als er in einer rekordbrechenden Siegesserie einen Gegner nach dem anderen – 29 um genau zu sein – besiegte. Ein jähes Ende fand diese Serie am 02. Juli 2017: Gegen den 22-jährigen Sasaki Yuki konnte sich Fujii letztlich nicht durchsetzen.

Shōgi erlangt neue Beliebtheit

Doch trotz der Niederlage ist eines klar: Fujii löste eine Woge der Shōgi-Begeisterung in Japan aus, die das Land seit 1996 nicht mehr gesehen hat: Wie die Japan Times berichtete, gewann Yoshiharu Habu, einer der berühmtesten Shōgi-Spieler Japans, alle sieben wichtigen Shōgi-Titel des Landes in diesem Jahr.

Wenn man nun die Häufigkeit des japanischen Suchbegriffs für Shōgi 将棋 etwa mit dem deutschen Suchbegriff “Schach” innerhalb der letzten zwölf Monate vergleicht, wird einem das Ausmaß der Shōgi-Woge bewusst.

shogiBis zur Siegesserie Fujiis wurden die Begriffe "将棋" als auch "Schach" ähnlich selten gesucht.

Japanische Medien berichten über die steigende Nachfrage an Shōgi-Kursen, vor allem für Kinder. Die Kinder-Variante Dōbutsu Shōgi (wörtlich Tier-Shōgi), sowie an Kinder gerichtete Shōgi-Bücher und Videos boomen.

Die bunte Kindervariante "Dōbutsu Shōgi". (c) Kei Noguchi / flickr CC BY-SA 2.0

Dass Shōgi ausgerechnet jetzt wieder mehr Aufmerksamkeit erfährt, liegt allerdings nicht nur an dem Talent Fujiis, sondern wohl auch am Zeitpunkt seines Erscheinens auf der Shōgi-Bildoberfläche.

Im Oktober 2016 wurde die Welt des professionellen Shōgi durch einen Skandal erschüttert, bei dem der Shōgi-Spieler Miura Hiroyuki beschuldigt wurde, mithilfe von Smartphone-Software bei offiziellen Turnieren geschummelt zu haben. Zwar wurde Miura von diesen Anschuldigen frei gesprochen, doch war das Rampenlicht, in dem Shōgi sich plötzlich wiederfand, ein eher negatives.

Zumindest bis der junge Fujii als Hoffnungsträger des traditionellen Brettsports, einem Lichtstrahl gleich, das finstere Image der Shogi-Welt durchbrach.

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