Olympische Spiele light? Tōkyō 2021

Matthias Reich
Matthias Reich

Weniger als 300 Tage verbleiben bis zum Beginn der um ein Jahr verschobenen Olympischen Sommerspiele in Tōkyō 2021. Vom Ende der Corona-Pandemie ist man bekanntermaßen weit entfernt. Das IOC und Japan ringen um Lösungen.

Olympische Flagge 2020

Die Pandemie ist zwar noch lange nicht besiegt, doch in einem Punkt sind sich das Internationale Olympische Komitee und die japanischen Beteiligten einig: Die Sommerspiele 2021 müssen kommen. Die Frage ist nur, wie man den veränderten Bedingungen Rechnung tragen soll. Das wurde ausführlich in diversen Videokonferenzen diskutiert, bis man sich Ende September darauf einigte, eine Art „Olympische Spiele light“ auf den Weg zu bringen. Ein gewagtes Vorhaben, denn hier geht es darum, einerseits der Corona-Lage Herr zu werden, und andererseits das ursprünglich veranschlagte, durch die Verschiebung um ein Jahr notwendig gewordene Zusatzbudget von fast 2,5 Milliarden Euro spürbar zu begrenzen. Vorerst hat man sich dabei nun auf 52 Punkte geeinigt.

Konkrete Maßnahmen

Zu diesen Punkten zählt zum Beispiel die Verkleinerung der Funktionärsentourage sowie der Gruppe der Pressevertreter um 10 bis 15%, Einsparungen bei der Außenbeleuchtung der 43 Wettkampfstätten und eine Kostenreduzierung bei der Verköstigung der olympischen Funktionäre. Desweiteren wird auf die Zeremonien beim Einzug der jeweiligen Länderdelegationen in das olympische Dorf (allein hier waren ursprünglich rund 90 Zeremonien angesetzt!) verzichtet, sowie die Anzahl der Fahrzeuge und Begleiter, die mit dem olympischen Feuer durch Japan ziehen sollen, reduziert.

Man muss kein Insider sein, um zu ahnen, dass all diese Dinge enorm viel Geld verschlingen – und von Mal zu Mal größer, luxuriöser und auch teurer werden. Dementsprechend gibt es Stimmen, die anmerken, dass – Corona hin oder her – diese Maßnahmen längst fällig seien. Schaut man allerdings genauer hin, entpuppen sich jedoch auch manche Punkte als unsinnig. Das fängt bei der Verringerung der Entourage und den damit einhergehenden Einsparungen an: Selbst hartgesottenen Optimisten dürfte es schwerfallen, an ein vollständiges Ende der Pandemie bis zum nächsten Sommer zu glauben. Im günstigsten Fall wird es hier und dort in diversen Winkeln der Erde lokal begrenzte Infektionshäufungen geben, aufgrund derer einige Delegationen nicht teilnehmen können (oder wollen). Das führt bereits automatisch zu einer Verringerung der Funktionäre und der Presse aus den betroffenen Ländern. Anders gesagt können das IOC und Japan froh sein, wenn es „nur“ 10-15% sind, die anders als in vorangegangenen Jahren teilnehmen.

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Ein kniffliges Unterfangen

Die 52 beschlossenen Punkte berühren dabei noch nicht des Pudels Kern: Wie will man eine Verbreitung des Virus bei so vielen Teilnehmern aus so vielen Ländern verhindern? Alle Sportler und Zuschauer für zwei Wochen in Quarantäne zu schicken, wie es momentan üblich ist, erscheint unrealistisch. Unklar ist auch, wie viele Zuschauer man zulassen möchte. Allein das Inlandskontingent der Tickets liegt bei rund 4,5 Millionen, und viele dieser Tickets wurden bereits verkauft (die bei der Ticketlotterie für 2020 verkauften Eintrittskarten behalten ihre Gültigkeit). Doch die Regierung arbeitet bereits daran – so beginnt man seit September mit diversen Einreisekonzepten zu experimentieren, was im Wesentlichen auf eine Lockerung der bisher äußerst strengen Einreiseregelungen hinausläuft.

Und noch eine weitere große Aufgabe steht den Organisatoren und Politikern bevor: Das Volk vom Sinn der Spiele zu überzeugen. So sehr man vor Corona von den Spielen begeistert war, so sehr hat man nun ernsthafte Bedenken, dass man die Bevölkerung nicht ausreichend vor dem Virus schützen kann. Bisher ist Japan verhältnismäßig glimpflich davongekommen, und das schreibt man unter anderem der Tatsache zu, dass sich der Inselstaat fast vollständig abgeschottet hat. Eine Öffnung des Landes, erst recht für ein solch großes Ereignis, halten viele Japaner für zu riskant.

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