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Unterwegs im Yaeyama-Archipel – Die Insel Iriomote

Alena Eckelmann
Alena Eckelmann

Abenteurer aufgepasst: Die Insel Iriomote, ca. 2.000 km entfernt von Tōkyō, gehört zu Präfektur Okinawa und besticht mit Dschungel-Landschaften und prächtigen Mangroven-Wäldern, wie es sie nirgendwo sonst auf der Welt gibt. Was kann man in diesem Tropenparadies alles erleben?

Sonnenaufgang auf der Insel Iriomote. Ein neuer Tag mit viel Abenteuer wartet auf die Besucher, die hier übernachtet haben. © Alena Eckelmann

In Japan mit dem Kajak durch Mangrovenwälder paddeln oder einen abgelegenen Wasserfall im Dschungel besuchen? Das gibt es auf der zur Präfektur Okinawa gehörenden Insel Iriomote, die schon lange die japanischen Fans von Abenteuerurlaub und Öko-Tourismus anzieht. Unter Deutschen ist dieses Insel-Paradies noch weitestgehend unbekannt.  

Im letzten Artikel habe ich die Nachbarinsel Ishigaki vorgestellt. Iriomote ist eine weitere Insel im Yaeyama-Archipel, das 2.000 km entfernt von Tōkyō liegt. Für diesen Artikel habe ich mich im japanischen Regenwald umgeschaut.

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Mangrovenwald an der Mündung des Nakama Flusses.
Mangrovenwald an der Mündung des Nakama Flusses. © Alena Eckelmann
Boot
Nur mit dem Boot kommt man nach Iriomote. Einen Flughafen gibt es nicht. © Alena Eckelmann

Wie in „Jurassic Park“

Iriomote ist eine Insel im Ostchinesischen Meer, die zu 90 Prozent mit subtropischem Regenwald bedeckt ist. 26 Flüsse durchqueren das meist unwegsame Gelände und münden in weite Mangrovensümpfe an der Küste. Die drei „Berge“ der Insel gehören zu den höchsten im Okinawa-Archipel, obwohl der höchste, der Berg Komi, keine 500 m Höhe misst.

In den wenigen Dörfer auf der dünn besiedelten Insel, die einst ein Malaria-Gebiet war, leben nur etwa 2.400 Menschen. Die Siedlungen liegen auf einem schmalen Streifen Land in Küstennähe, wo sich steile Kliffe mit sandigen Stränden abwechseln. Die Dörfer sind umgeben von Zuckerrohrfeldern sowie Ananas- und Mango-Plantagen, denn Landwirtschaft ist neben der Fischerei und dem Tourismus die Haupteinnahmequelle der Inselbewohner.  

Eine einzige Küstenstraße, die sogar nur halb um die Insel verläuft, verbindet diese Dörfer mit den Transportzentren, dem nördlichen Hafen Uehara und dem südöstlichen Hafen Ohara. An diesen Häfen kommen pro Jahr eine halbe Million Besucher auf Hochgeschwindigkeitsfähren nach einer 40 bis 60-minütigen Überfahrt von der Nachbarinsel Ishigaki an. Einen Flughafen gibt es auf Iriomote nicht.

Nakama-Fluss
Bootsausflug auf dem Nakama-Fluss. © Alena Eckelmann

Mit dem Boot in die Mangrovenwälder

Eine kommentierte Bootsfahrt ist eine einfache und sichere Art, die Insel zu entdecken. Die größten Flüsse, der Urauchi und der Nakama, schlängeln sich durch den dichten Dschungel im Landesinneren und werden an der Küste von Mangrovenwäldern gesäumt, die die Insassen der Boote mit ihrer reichen Flora und Fauna begeistern.

An der Mündung des Nakama-Flusses steht ein Viertel des gesamten japanischen Bestandes an Mangrovenwäldern. Hier wachsen sieben verschiedenen Arten von Mangroven!

Solche Bootsfahrten werden zum Beispiel vom Reiseveranstalter Yaeyama Kanko angeboten. Die Tour beginnt am Hafen Ohara und führt den Nakama-Fluss hinauf und an den Mangrovenwäldern auf Armlänge vorbei. Malerische Aussichten gibt es hier an jeder Biegung des Flusses!

Mangroven aus Iriomote
Bei einer Bootstour entlang der Mangrovenwälder erfahren die Gäste viel über die Natur von Iriomote. © Alena Eckelmann

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Auf einem Büffelkarren nach Yubu

Nach der Mangroventour bietet Yaeyama Kanko auf Iriomote einen weiteren beliebten Halbtagesausflug an und zwar mit einer für Japan sehr ungewöhnlichen Art des Transportes: nämlich mit einem Büffelkarren!

Rund 40 dressierte asiatische Wasserbüffel, die von den Einheimischen alle Namen bekommen, trotten bei Ebbe für 20 Minuten durch das seichte Meer und bringen die Besucher zu der kleinen Insel Yubu vor der Küste von Iriomote.

Zur Unterhaltung während der Überfahrt spielt der Büffelkarren-Führer ein traditionelles Lied auf der Sanshin, das mit Schlangenhaut bedeckte Shamisen-Banjo.

Büffelkarren
Mit dem Büffelkarren und musikalischer Unterhaltung unterwegs nach Yubu. © Alena Eckelmann

Dieses Inselchen, welches einen Umfang von nur 2 Kilometern hat, wird als  „Blumenparadies“ bezeichnet. Früher war diese Insel bewohnt, heute ist sie jedoch als botanischer Garten angelegt. Es gibt hier unter anderem 10 Sorten blühender subtropischer Palmen und nicht weniger als 30 Hibiskus-Sorten.

Im Inselrestaurant wird ein schmackhaftes Mittagsmenü der Okinawa-Küche in einer hölzernen lackierten Bentō-Box serviert. Nach dem Essen kann man dann ganz entspannt einen kleinen Spaziergang zum Ende der Insel unternehmen, wo sich ein kleines Café befindet. Hier gibt es vor der Rückfahrt Kaffee und Eis mit Blick auf das Meer die Mangroven zum Nachtisch.

Büffelkarren
Die leeren Büffelwagen kommen zurück von der Insel und machen erst mal Pause. © Alena Eckelmann
Hibiskus auf Iriomote
Das Herz aller Blumenfreunde schlägt bei den vielen Hibiskusblüten höher. © Alena Eckelmann

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Unterwegs im Dschungel

Für abenteuerlustige Reisende sind geführte halbtägige oder ganztägige Dschungeltrekking- und Kajaktouren mit privatem Fahrzeugtransfer zu empfehlen. Auf einer solchen Tour ist man mitten drin in der Natur und erfährt noch mehr über die Tier-und Pflanzenwelt von den ortskundigen Führern.

Einer von ihnen ist Herr Mochizuki von der Motti Iriomote Island Trekking Eco Tour. Gebürtig in Kansai (der Region um Ōsaka), zog Herr Mochizuki vor 15 Jahren nach Iriomote und teilt nun seine Leidenschaft für die Natur und Outdoor-Aktivitäten der Insel mit seinen Gästen.

Wandern auf Iriomote
Für eine Tour durch den Iriomote Regenwald ist Wanderbekleidung am besten. © Alena Eckelmann

Ich habe mich für eine relativ einfache Wanderung zu dem malerischen Kura-Wasserfall mit Herrn Mochizuki entschieden. Ich war beeindruckt von dem Wissensschatz, den er über die immergrünen Laubwälder der Insel vermitteln konnte.

Andere Trekkingrouten führen zu atemberaubenden Aussichtspunkten und zu majestätischen Wasserfällen, wie zum Beispiel dem Kanpire-Wasserfall, dem Mariyudō-Wasserfall oder dem Pinaisāra-Wasserfall.

Kura-Wasserfall
Eine kurze Dschungel Tour führt zum Kura-Wasserfall. © Alena Eckelmann

Kajaktour bei Sonnenaufgang

Mangroven-Kajaktouren, auch kombiniert mit Dschungeltrekking und Wasserfall-Besuch, werden von zahlreichen Führern zu unterschiedlichen Tageszeiten angeboten. Ich bin ganz früh aufgestanden und habe vor dem Frühstück eine Kajaktour entlang des Maira-Flusses unternommen.

Diese Tour wurde von Herrn Kamijo von Harubaru-Kanu- und Trekkingtour organisiert und durchgeführt. Der frühmorgendliche Sternenhimmel und der Sonnenaufgang über dem Meer waren Höhepunkte, die das zeitige Aufstehen wert waren.

Jedoch ist das Beobachten des Sternenhimmels vor dem Frühstück nicht jedermanns Sache. Für Langschläfer gibt es daher auch eine Nachttour. Ich wollte auch diese probieren und habe mich deshalb erneut mit Herrn Mochizuki getroffen.

Kajaktour auf Iriomote
Warten auf den Sonnenaufgang bei einer Kayak Tour auf dem Maira-Fluss. © Alena Eckelmann

Nachtausflug mit Sternegucken

Er hat seine Tourteilnehmer an einen „geheimen“ Ort zwischen Zuckerrohrfeldern gebracht, als es stockdunkel war. Das ist ideal, um den fantastischen Sternenhimmel der Yaeyamas zu erleben. So ein Nachtausflug ist eine wahre Offenbarung für Stadtbewohner, die zu Hause nie ganz ohne Licht sind.

Wegen dieser einzigartigen Landschaften wurde 2018 der Iriomote-Ishigaki-Nationalpark von der International Dark-Sky Association (DSA) als erster Dark Sky Park in Japan akkreditiert.

NAchthimmel Iriomote
Der Sternenhimmel auf Iriomote ist ebenfalls eine Attraktion. © Alena Eckelmann

In der Nähe des Nördlichen Wendekreises – Tropic of Cancer – ist die Atmosphäre stabil und der Nachthimmel klar. Das sind die idealen Bedingungen, um alle Sterne der Ersten Größe – First Magnitude Stars, die hellsten Sterne am Nachthimmel – sowie 84 von 88 Sternenkonstellationen zu beobachten.

Wenn man im Dunkeln auf Iriomote unterwegs ist, kann man auch noch andere Raritäten in der Nähe der Wasserläufe entdecken, wie zum Beispiel einen Schwarm der Yaeyama-hime Glühwürmchen (lat. Luciola parvula) im April und Mai oder die Blüten vom Puderquastenbaum oder „Sagaribana“ (lat. Barringtonia racemosa) im Juni und Juli.

Puderquastenbaum
Die Blüten des Puderquastenbaumes zeigen sich im Dunkeln von ihrer besten Seite. © Alena Eckelmann

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Sterne am Strand suchen

Falls sich das Wetter nicht zum Sternegucken anbietet, kann man immer noch eine Stern-Erfahrung am Strand machen. Iriomote ist für seinen „Sternenstrand“, den Hoshizuna, bekannt.

Der weiße Sandstrand entpuppt sich bei näherer Betrachtung als eine Ansammlung von winzigen Korallen, die wie Sterne geformt sind. Manche Besucher nehmen sich eine Handvoll Sternensand in einer Glasflasche als Andenken mit nach Hause.

Vor der Küste von Iriomote gibt es Korallenriffe, die bei japanischen Tauchsportlern sehr beliebt sind. Schnorcheln am Hoshizuna-Strand ist für Wasserratten die Alternative zum Dschungel. Man kann sich bei den Tauchshops in den Dörfern entlang der Küstenstraße die entsprechende Ausrüstung ausleihen und auch eine Unterrichtsstunde im Tauchen buchen.

Strand
Es gibt viele Buchten mit Sandstrand rund um die Insel. Den „Sternensand“ gibt es jedoch nicht überall. © Alena Eckelmann
Strand
Eine Einladung zum Strandspaziergang? © Alena Eckelmann

Katze unter Naturschutz

Die Land- und Wasserflächen der Insel Iriomote sind zusammen mit denen von der Nachbarinsel Ishigaki seit 1972 als der südlichste Nationalpark in Japan, der Iriomote-Ishigaki Nationalpark, anerkannt. Auf der Insel Iriomote gibt es zahlreiche Tierarten, die nur hier vorkommen, einschließlich des Hauben-Schlangenadlers, dem Kishinoue-Riesen-Skink und der Ryukyu gelbrandigen Dosenschildkröte.

Der Medien-Star ist jedoch die seltene Iriomote-Wildkatze. Sie ist vom Aussterben bedroht, denn es gibt momentan nur noch etwa 150 Tiere. Man hofft vergebens, sie auf einer nächtlichen Expedition im Freiland zu entdecken.

Viel wahrscheinlicher ist eine Abbildung der Wildkatze auf den zahlreichen Postern, die für einen Urlaub auf Iriomote werben. Wenn man trotzdem mehr darüber erfahren möchte, kann man das Iriomote Wildlife Conservation Center  besuchen.

Wildkatze Iriomote
Ein Monument für die vom Aussterben bedrohte Iriomote-Wildkatze. © Alena Eckelmann

Iriomotes Gastfreundschaft

Unterkünfte gibt es auf Iriomote bei weitem weniger als auf der Nachbarinsel Ishigaki. Viele Besucher unternehmen sogar nur einen Tagesausflug von Ishigaki, obwohl Iriomote doch einiges zu bieten hat.

Besucher sollten auf jeden Fall die Übernachtung mit Mahlzeiten buchen. Es gibt zwar ein paar Restaurants und kleine Lebensmittelgeschäfte, aber die sonst in Japan allgegenwärtigen Convenience Stores haben diese Insel noch nicht erobert.

Ich selbst übernachtete im Takemori Inn, der „ältesten Unterkunft auf Iriomote“. Das Gästehaus in der Gegend des Ohara-Hafens wird von Herrn Takemori Yoichi und seiner Frau Yukiko geführt. Die hausgemachten Gerichte von Yukiko mit frischen Zutaten aus der Region waren die köstliche Krönung des Besuchs auf Iriomote. 

Takemori Inn
Der Takemori Inn ist wohl die älteste Pension auf Iriomote. © Alena Eckelmann
Essen
Iriomotes „Inselküche“ frisch zubereitet bei Frau Takemori im Takemori Inn. © Alena Eckelmann
Iriomote
Die Mündungen der Flüsse auf Iriomote sehen wie Minivarianten des Amazonas aus. © Alena Eckelmann

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