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teamLab, Japans innovatives Digitalmuseum, schließt – doch nicht für immer

Matthias Reich
Matthias Reich

2018 eröffnete das Künstlerkollektiv teamLab Japans erstes Digitalmuseum in Odaiba. Nun wurde bekannt, das teamLab 2022 die Pforten schließt. Doch kein Grund zur Sorge: 2023 soll ein neues Domizil im Stadtzentrum bezogen werden und 2024 wird es auch nach Deutschland kommen.

Ausstellung teamLab Borderless, pink-blaue Lichtinstallation mit staunenden Besuchern
Das Digitalmuseum teamLab Borderless zog seit seiner Eröffnung Millionen Besucher an - nun schließt es seine Pforten. // teamLab Exhibition view of MORI Building DIGITAL ART MUSEUM: teamLab Borderless, 2018, Odaiba, Tokyo © teamLab

Zwanzig Jahre ist es nun her, als Inoko Toshiyuki eine ganz besondere Gruppe von Menschen um sich scharte. Das internationale teamLab-Kollektiv ist eine interdisziplinäre Gruppe aus Künstlern, Programmierern, CG-Experten, Technikern und Ingenieuren, um nur einige zu nennen. Diese setzten sich zum Ziel, etwas gänzlich Neues zu schaffen – ein Digitalmuseum, beziehungsweise eine digitale Galerie, die dem abstrakten “Multimedia”-Begriff auf einmalige Art und Weise Gestalt verleihen soll.

Begonnen hat alles mit zeitlich begrenzten Ausstellungen, bis man 2018 einen geeigneten Ort fand – im Mori-Building im Einkaufszentrum Palette Town auf Odaiba, einer künstlichen Insel und heutiges Entertainment- und Geschäftsviertel in der Bucht von Tōkyō. Bereits im folgenden Jahr zog das teamLab 3,5 Millionen Besucher aus 160 Ländern an – die Hälfte der Besucher kamen dabei aus dem Ausland1. Die Besucher verteilten sich in diesem Jahr auf zwei Ausstellungsorte – dem “Digital Museum: Epson teamLab Borderless” in Odaiba sowie dem “teamLab Planets” im nahegelegenen Toyosu.

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Umbau des Unterhaltungskomplexes

Doch die Stunde hat nun geschlagen für teamLab Borderless, denn die gesamte Gegend um Palette Town wird umgebaut, und damit werden auch das berühmte Riesenrad, das Einkaufszentrum VenusFort, der Toyota City Showroom, MEGA WEB und weitere Einrichtungen aus Odaiba verschwinden. Stattdessen soll hier eine neue Mehrzweckhalle entstehen, die bei verschiedenen Veranstaltungen bis zu 13.000 Besucher fassen soll2.

Palette Town wurde im Jahr 1999 errichtet und ist seitdem aufgrund der verschiedenen Einrichtungen ein echter Publikumsmagnet – von daher wirkt die Schließung nach nur 22 Jahren verwunderlich. Doch der Nutzungsvertrag mit der Stadt Tōkyō war von vornherein begrenzt, und die Stadtverwaltung kennt offenbar kein Erbarmen.

So traf es 2021 auch das nur einen Kilometer entfernt liegende und ebenfalls sehr beliebte Odaiba Oedo Onsen Monogatari, ein Themenpark mit 13 verschiedenen heißen Quellen und zahlreichen Restaurants. Zumindest in diesem Fall bemühte sich der Betreiber um eine Verlängerung der Pacht, doch die Stadt Tōkyō lehnte ab, und so musste diese Attraktion im September 2021 für immer die Pforten schliessen3.

teamLab Borderless Ausstellung mit zahllosen, gelb leuchtenden Lampen und staunenden Besuchern
teamLab sorgt mit seinen digital erschaffenen Welten für Gänstehaut-Momente. // teamLab Exhibition view of MORI Building DIGITAL ART MUSEUM: teamLab Borderless, 2018, Odaiba, Tokyo © teamLab

Lukratives Geschäft

Auch teamLab Planets wird verschwinden – und zwar Ende 2022. Die Einrichtung entstand 2016 und wurde in den ersten Monaten ihres Bestehens von DMM.com, einem großen japanischen E-Commerce- und Internet-Unternehmen, gesponsert. Die Partnerschaft entpuppte sich als so erfolgreich, dass teamLab und DMM.com eigens eine gemeinsame Firma dafür gründeten – die teamLab Planets TOKYO DMM.com K.K. Seitdem sollte die Ausstellung bereits mehrfach geschlossen werden, doch da die Besuchermassen nicht nachließen, wurde nun bis Ende 2022 verlängert.

Für den Dotcom-Mischkonzern DMM.com ist die Partnerschaft sinnvoll – dank teamLab kann man das abstrakte Digitale auf einmalige Weise sichtbar machen und sich zudem als Unternehmen der Zukunft präsentieren. Die Kosten für den Konzern wurden nicht veröffentlicht und dürften enorm sein, doch angesichts der Zuschauermassen ist es denkbar, dass die gemeinsame Firma sogar noch einen Gewinn für DMM.com abwirft.

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Großer Besuchermagnet

Besucher der Ausstellungen sind sich nahezu ausnahmslos einig, etwas Besonderes erlebt zu haben. Man wird in Traumwelten entführt, die man mit allen Sinnen genießen kann, und selbst Kunstmuffel haben kein Problem, Stunden in den labyrinthartigen Ausstellungen zu verbringen. Schön an den Ausstellungen ist, dass man auch Kindern einen Platz eingeräumt hat, bei dem sie spielend mit der digitalen Kunst umgehen können.

In dem Sinne darf man gespannt sein, wie sich teamLab weiter entwickeln wird. Kommenden Besuchern wird empfohlen, sich unbedingt Tage, wenn nicht gar Wochen im Voraus online einen Priority-Pass zu besorgen – ansonsten muss man mit sehr langen Wartezeiten rechnen.

2024 endlich auch in Deutschland

Deutsche Interessierte mit etwas Geduld müssen allerdings nicht nach Japan fliegen, um in teamLabs digitale Märchenwelten einzutauchen: Ab 2024 wird das Digitalmuseum in Hamburg seine Pforten öffnen. 

Hier geht es zur Website des teamLab Borderless. 

teamLab is represented by Pace Gallery

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