Der Mitaki-Tempel: Hiroshimas versteckte Schönheit

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Der Mitaki-Tempel am Rande von Hiroshimas Citykern ist einer der wundervollsten Orte der Stadt. Das idyllische Refugium bietet Erholung und Kulturgeschichte inmitten eindrucksvoller Natur. In diesem Artikel erfahren Sie mehr über die Besonderheiten und 1200-jährige Geschichte des Tempels.

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mitaki-dera

Es ist manchmal einfach erstaunlich wie viele Leute aus Hiroshima ich treffe, die bereits ihr ganzes Leben in der Stadt verbringen, aber noch nie am Mitaki-dera waren. So ist der Tempel doch eine von Hiroshimas versteckten Schönheiten, zu der ich immer wieder zurückkehren könnte, wenn ich etwas Ruhe und Erholung benötige.

Die Ursprünge des shingon-buddhistischen Tempels können bis ins Jahr 809 zurückverfolgt werden. Er befindet sich in einem steilen, stark bewaldeten Tal an einer der Bergseiten des Mitaki-yama und erhielt seinen Namen von den drei nahegelegen Wasserfällen, die dorthin hineinfließen. Am besten bekannt ist der Tempel für die Tahōtō, eine zweistöckige Pagode, welche bis in die Muromachi-Zeit (1392-1573) zurückdatiert wird. Diese steht allerdings erst seit ihrer in 1959 erfolgten Relokalisierung, aus der Präfektur Wakayama, im Tempel. Gespendet wurde die Pagode, um bei der Beschwichtigung der Seelen zu helfen, die dem Atombombenangriff auf Hiroshima zum Opfer fielen. Die Pagode selbst wird als wichtiges kulturelles Erbe der Präfektur eingestuft, während die hölzerne Amitabha Buddha-Statue des Tempels sogar zum nationalen Kulturerbe ernannt wurde.

mitaki holzstatue

Der wahre Charme von Mitaki liegt jedoch in dessen Atmosphäre. Bahnt man sich seinen Weg durch den Tempelkomplex, die moosüberzogenen Treppenstufen hinauf, passiert man hunderte Buddha-Abbilder und Jizō-Statuen, die, mit roter Mütze und Leibchen gekleidet, verschiedenste Expressionen von sich geben. Wie man bereits anhand der Wasserfälle erahnen kann, ist das gesamte Areal extrem grün bewachsen und je weiter man sich den Tempelgrenzen nähert, desto imposanter erscheinen die den Komplex umgebenden Bäume. Es wirkt fast so als sei der gesamte Ort verzaubert.

mitaki buddha statue

All die wild wuchernde Vegetation mit ihren moosüberzogenen Steinen und Bächen machen den Tempel auch wenn es regnet zu einem bezaubernden Ausflugsort. Tatsächlich empfehle ich dort an einem regnerischen Tag anzureisen, da dann die Besucherzahlen am geringsten ausfallen. Der Weg zum Tempel ist, von der Bahnstation bis hoch zum Eingang, von Kirschbäumen gesäumt, was auch den nahegelegenen Park, welcher eigentlich nicht mehr als ein erdener Sandkasten ist, zu einer beliebten Stelle für Hanami macht. Allerdings ist es erst der Herbst, welcher die bis dahin schlummernde, wahre Schönheit des Tempels hervorbringt. Die Blätter der Bäume und Sträucher verfärben sich zu einem satten, beinahe blendendem rot und sorgen so während dem Höhepunkt der kōyō (Herbstblattbeschaungssaison), für einen nicht unerheblichen SD-Kartenverschleiß bei den Fotografiebegeisterten.

mitaki wasserfall

Der Berg, auf welchem die Tempelanlage ruht, ist neben seinem Namen Mitaki-yama, auch als Uematsu-yama und Soko-yama bekannt. Die letzteren zwei Bezeichnungen entstammen der Geschichte des Samurai und Teemeister Ueda Sōko, welcher u.a. auch für das Design des Shukkeien-Gartens in Hiroshima verantwortlich ist. Dieser nämlich pflanzte zu seinen Lebzeiten einen Baum auf den Gipfel des Berges, aus dem alleinigen Grund, dass dies die Panoramen seines Gartens und seiner Teehäuschen verschönerte.

mitaki nawa

Die Wanderwege über den Berg sind beliebt und ganzjährlich zugänglich. Am Tor des Tempeleingangs, direkt hinter der Tahōtō-Pagode, beginnt der Pfad „Course B“. Bis zum 356 Meter hohen Berggipfel muss man dann insgesamt etwa 1.100 Höhenmeter überwinden, was den Aufstieg doch einigermaßen anstrengend gestaltet. Oben angekommen wird man allerdings mit einer Aussicht belohnt, welche diese Strapazen mehr als wieder gut macht. Der mit dem Rücken zur Stadt links gelegene Pfad führt entlang des Bergkamms und endet schließlich am oberen Ende des Tempelkomplexes, direkt nach einem beeindruckenden Abstieg durch einen traumhaften, hochgewachsenen Bambuswald.

mitaki wanderweg

Wieder in der Tempelanlage angekommen, bietet ein wundervolles, rustikal gestaltetes Teehaus mit dem Namen Kūtenan Sitzgelegenheit und serviert einfaches japanisches Essen sowie leckere traditionelle Desserts.

Anreise:

Zum Eingang des Mitaki-Tempels gelangt man in etwa 20 Gehminuten von der Mitaki JR Station der Kabe Line, zwei Haltestellen von Hiroshima Station entfernt. Nach dem Aussteigen, mit der Haltestelle im Rücken, biegt man zunächst links ab und überquert dann rechts den Bahnübergang. Am Tempel Saigan-ji nimmt man die rechte Weggabelung und hält sich auf dieser Straße dann links, einen Kinderspielplatz auf der rechten Seite passierend, bis man am Mitaki-dera angelangt.


Dieser Artikel wurde am 4. März 2012 von Paul Walsh für GetHiroshima verfasst und für die Veröffentlichung auf JAPANDIGEST von Nils Gärtner übersetzt und nachbearbeitet.

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