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Salz, Sitzen & Glockenläuten: 6 häufige Bräuche

Hannah Janz
Hannah Janz

Neben religiösen Ritualen haben sich in Japan auch andere kulturell tradierte Gewohnheiten etabliert. JAPANDIGEST erklärt Formsprache und Bedeutung der wichtigsten.

Giom Matsuri Funkoshi
Männer in traditionellen Lendenschurzen zum Hakata Gion Yamakasa in Fukuoka. ©Pontafon Wikimedia Commons

Salz wird im Shintō eine reinigende Wirkung zugesprochen: Da Salz in einem langen Prozess aus Magma entsteht, gilt es als Essenz der Erdkräfte. Vor Geschäften sollen Häufchen aus Salz böse Geister fernhalten. Auch beim Sumō werfen die Ringer Salz, bevor sie in den Ring steigen. Da der Sport sehr ritualisiert abläuft, kann dramatisch geworfenes Salz bereits eine Dominanzgeste bedeuten. Das Auslegen oder –streuen von Salz gehört zu jenen exorzistischen Bräuchen, die der Vertreibung von Dämonen dienen und Harae heißen.

Salz Shintô
Salz gegen Dämonen vor einem Restaurant in Tōkyō. ©Janz

Seiza

Vielen Ausländern schlafen schon beim Hinschauen die Beine ein: Japaner schlagen beim Sitzen auf dem Boden die Beine unter. So sitzt man vor allem bei Zeremonien, die in Räumen mit Tatami-Matten abgehalten werden, zum Beispiel bei der Teezeremonie. Seiza (正座) bedeutet entsprechend „formeller Sitz“. Wer keine Übung im Seiza hat, darf sich auch im Schneidersitz hinsetzen.

Typische Sitzpose bei Ritualen in Schreinen und Tempeln und der Teezeremonie.

Hankachi

Geschnäuzt wird in Japan nicht – ziehen Sie Ihre Nase bitte hoch, wenn sie läuft! Trotzdem hat sich eine ganz eigene Taschentuch-Tradition herausgebildet. Hankachi abgeleitet vom englischen “handkerchief”, sind meist aus bunt bedrucktem Frottee. Trocken Sie nach dem Besuch einer öffentlichen Toilette Ihre Hände mit dem Tüchlein oder wischen Sie verschüttete Flüssigkeit auf. Im Sommer tupfen sich außerdem viele Japaner den Schweiß mit den hankachi aus dem Gesicht.

Fundoshi

Fundoshi werden aus einem langen, schmalen Stück Baumwollstoff gefertigt und dienten Männern vor dem Zweiten Weltkrieg als normale Unterwäsche. Diese knappen Lendenschurze kommen im heutigen Japan vor allem zu Festivals und bei Sumō-Ringern zum Einsatz.

Fundoshi Asakusa
Die große Beinfreiheit: Früher wurden Fundoshi auch von Riksha-Fahrern getragen. Heute kleiden sich diese bedeckter. ©Janz

Hatsuhi

Hatsuhi bedeutet wörtlich „erste Sonne“. Hierbei handelt es sich um die Tradition, die Morgensonne des ersten Tages des Neuen Jahres aufgehen zu sehen. Meistens begeht man diesen Tag zusammen mit der Familie.

Tempelglocken

Einige buddhistische Tempel in Japan läuten am Neujahrstag 108 ihre Glocken. Die Zahl symbolisiert die menschlichen Sünden. Im Anschluss haben Besucher die seltene Gelegenheit, selbst die Glocke zu läuten. Dies soll von den 108 Sünden befreien.

Glocke am buddhistischen Tempel.

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