Elektromobilität in Japan: Warum E-Autos kaum verbreitet sind

Matthias Reich
Matthias Reich

März 2026, und ein neuer „Ölschock“ bahnt sich an, denn der Iran bedroht die für Japan so wichtige Straße von Hormus — ein Nadelöhr, durch das mehr als 90 % des für Japan bestimmten Rohöls transportiert werden. Wie steht es in solchen Krisenzeiten um die Elektromobilität?

Ein Nissan Leaf wird an einer Ladestation am globalen Hauptsitz des Unternehmens in Yokohama, Japan, aufgeladen. © joel-t / iStock

Klimaschutz ist auch in Japan ein großes Thema, doch in vielerlei Hinsicht gibt es große Unterschiede zwischen den Methoden, mit denen man die gesteckten Ziele erreichen will. Das ist bei der Verkehrswende nicht anders, und dafür gibt es Gründe. So legt zum Beispiel der durchschnittliche Deutsche rund  83 % aller Wege mit dem Auto zurück – in Japan liegt dieser Anteil unter 60 %. Während in Deutschland fast überall das Auto genutzt wird, bewegen sich in Japan die meisten Großstadtbewohner – und das sind weit mehr als die Hälfte der JapanerInnen – mit den öffentlichen Verkehrsmitteln fort. Und dennoch, unter anderem aufgrund der weitaus höheren Bevölkerungszahl, gibt es in Japan fast 80 Millionen zugelassene Fahrzeuge. In Deutschland sind es gute 60 Millionen. Und um die im Pariser Abkommen festgelegten Umweltziele zu erreichen, bemüht man sich auch in Japan um die Verkehrswende: So sollen ab 2035 keine reinen Verbrenner mehr als Neuzulassungen verkauft werden, und das komplette Verbrenner-Aus ist für 2050 geplant.

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Ein Blick auf die aktuellen Zahlen

So weit, so ähnlich. Anfang 2026 lag der Anteil reiner Benzinverbrenner bei den Neuzulassungen in Japan nur noch bei knapp 32 % 1, Dieselfahrzeuge machten keine 5 % aus – in Deutschland waren es rund 27 % Benziner 2 und immerhin 14 % Dieselfahrzeuge – ein historisch begründeter Unterschied, denn Diesel-PKW waren in Japan nie sehr beliebt. Sie gelten als besonders große Luftverschmutzer, und dass die Politik Ende der 1990er plötzlich ein Fahrverbot für ältere Dieselautos im Großraum Tōkyō aussprach, blieb im kollektiven Gedächtnis haften. Doch zurück zum Thema: Während 2025 in Deutschland 41 % der Neuzulassungen Verbrenner waren, lag der Anteil in Japan bei rund 36 %.

Hybride dominieren den Markt

Doch was wird stattdessen gekauft? In Japan waren es 2025 hauptsächlich Hybridwagen, die mit 60 % die klare Mehrheit ausmachten. In Deutschland hingegen entschieden sich „nur“ 30 % für einen Hybriden. Andersherum sieht es dementsprechend bei den Plugin-Hybriden aus: Während weniger als 2 % der Neuzulassungen in Japan Plugin-Hybriden (in Japan kurz PHEV oder auch PHV genannt) waren, lag der Anteil in Deutschland bei fast 10 %. Richtig eklatant ist der Unterschied bei den reinen Elektroautos: In Deutschland waren fast 20 % reine Elektroautos, in Japan mickrige 1,57 %.

Elektroautos als Randerscheinung

Rechnet man die Anteile der Neuzulassungen in Japan zusammen, die einen Verbrennungsmotor enthalten (egal ob als Haupt- oder Nebenantriebsquelle), so kommt man im Jahr 2025 auf 98,4 %. Mit anderen Worten: Die Verkehrswende hat in Japan noch nicht so richtig begonnen – wobei es natürlich gerade bei den Firmen und öffentlichen Trägern Ausnahmen gibt, denn Japan Post zum Beispiel hat schon vor Jahren einen großen Teil seiner Flotte „elektrifiziert“. Das nahezu gänzliche Fehlen von E-Autos ist auf den japanischen Straßen offensichtlich. Tesla, BYD und Co. sind eine absolute Seltenheit; die Mehrheit sind Hybride, die man bei geringer Geschwindigkeit kaum hört – bis sie auf Benzin umschalten. Ganz schlimm sieht es beim Brennstoffzellenantrieb aus. Gerade japanische Autobauer wie Toyota haben Milliarden in diese Technologie gesteckt, doch gekauft wurden gerade mal 431 Fahrzeuge – das sind 0,02 %.

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Warum sich E-Autos schwer tun

Für die geringe Verbreitung in Japan gibt es unterschiedliche Gründe: Zum einen wäre da das Steuermodell. Zurzeit wird die KFZ-Steuer noch immer nach dem Zulassungsgewicht des Autos berechnet, und da kommen die E-Autos mit ihren schweren Batterien schlecht weg. Ein weiterer Grund ist das noch immer sehr dünne Netz von Ladestationen. Selbst bei größeren Raststätten sind es gerade mal 2 oder 3 Plätze. Merkbare Steuerentlastungen beim Kauf eines neuen E-Autos sind auch nicht in Sicht. Und es gibt noch einen, gerade in Japan sehr wichtigen Punkt: E-Autos verlieren aufgrund ihrer Beschaffenheit rapide an Wert – während man für einen 3 Jahre alten Verbrenner noch bis zu 70 % des Neuwerts verlangen kann, liegt der Preis bei gleich alten E-Autos oft bei weniger als der Hälfte, und dieser rapide Wertverfall schreckt viele JapanerInnen ab.

Seit Januar 2026 wird der Kauf eines reinen E-Autos zwar mit bis zu 1,3 Millionen Yen vom Staat subventioniert, doch die Rechnung geht immer noch nicht auf. Rechnet man Kaufpreis, Haltungs- und Stromkosten zusammen und berücksichtigt den Wert des Wagens nach drei Jahren, kommt man finanziell immer noch schlechter mit einem E-Auto weg. Das wissen die Käufer natürlich.

Durch Steuererleichterungen, niedrigen Verbrauch und einfache Parkplatzsuche gelten Kei Cars als besonders kostengünstige Alltagsautos. © DarthArt / iStock

Die Rolle der K-Cars

Die vielen K-Cars, also kleine Autos mit kleinen Motoren und Steuervergünstigungen, die vor allem auf dem Land extrem beliebt sind, machen die Lage auch nicht besser – zwar kam erstmals mit dem Nissan Sakura ein attraktiver Elektro-K-Car auf den Markt, doch auch hier sprechen immer noch zu viele Gründe gegen die elektrische Variante, zumal nun auch eine „Kilometersteuer“ für E-Autos im Gespräch ist, um den Rückgang bei der Mineralölsteuer auszugleichen.

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