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Trainiert die zukünftigen Spitzenathleten: Asahara Nobuharu [Interview]

JAPANDIGEST
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Asahara Nobuharu ist Vorsitzender des „NOBY T&F CLUB“ von Osaka Gas, der die „gesunde Entwicklung der Jugend“ und die „Ausbildung der nächsten Generation von Star-Athleten“ anstrebt. JAPANDIGEST im Interview mit dem ehemaligen Spitzensportler.

Trainer Asahara Nobuharu beim Staffellauftrainung
© OSAKA GAS CO.,LTD

1995 gingen Sie nach Deutschland, nicht wahr?

Genau. In Düsseldorf erzählte mir ein Sportkoordinator von einem guten Trainer. Ich ging nach Stuttgart, trat einem lokalen Verein bei und trainierte als Mitglied im Club.

Waren die Trainingsmethoden in Deutschland anders als in Japan?

Vor allem beim Krafttraining gab es Unterschiede, etwa die Einstellung gegenüber dem Gewichtheben. In Japan vertrat man die Theorie, vor einem Lauf keine Gewichte zu heben, da dies einen langsamer mache. In Deutschland machten wir am Tag vor einem Wettkampf Muskeltraining, auch Ganzkörpertraining für Core und Rumpf. Inzwischen wurde dies auch in Japan übernommen, aber damals war es beim Training unüblich.

Lokale Sportclubs gibt es in Japan kaum, Sport wird eher an Schulen betrieben.

Natürlich ist es toll, dass man an der Schule sportlich so aktiv sein kann, doch sind meist die Trainer reguläre Schullehrer, denen häufig die zusätzliche Verantwortung zur Last fällt. Es kommt zwar schon vor, dass Lehrer mit der nötigen Erfahrung den Schulsport leiten. Aber oft haben sie keinerlei Erfahrung mit Turnieren oder auch der Leitung eines Sportclubs und werden zu diesen Aktivitäten gezwungen. In Deutschland hingegen gibt es viele lokale Sportvereine, wo die Trainer qualifiziert sind, ob sie nun Wettkampf-Erfahrung haben oder nicht.

Gibt es in Japan denn eine Bewegung in Richtung eines Sportverein-Systems?

Derzeit gibt es in Japan durchaus die Empfehlung und die Hilfsgelder, mehr Sportvereine zu gründen; aber das ist noch nicht so ganz durchgesickert. Die Organisation der Wettbewerbe ist einfach zu anders. In Japan hat jeder Schulcampus eigene Sportstätten. In Deutschland ist dies auch der Fall, aber es kommt auch vor, dass Schulen und Städte sich Sportplätze teilen. Es wird noch lange dauern, bis sich in Japan ein Sportverein-System wie in Deutschland etabliert. Fußball ist ein gut funktionierendes Beispiel. Seit der Gründung der J-League hat sich auch die Anzahl der Fußballclubs rasant gesteigert. Das bestehende System erlaubt es Vereins- und Schulmannschaften, gegeneinander anzutreten. Bei Leichtathletik ist dies noch nicht der Fall, Vereine und Schulen sind voneinander getrennt. Beim Landesweiten Turnier für schulischen Gesamtsport dürfen keine Athleten, die nicht über eine Schule angemeldet sind, teilnehmen.

Trainer Asahara Nobuharu triniert die Jugend
© OSAKA GAS CO.,LTD

Was ist für Sie das Schöne am Laufen?

Es ist eine Sportart, bei der man die eigene Veränderung, das eigene Wachstum sehr stark wahrnimmt. Außerdem sind Selbstdisziplin und die Erhaltung der Gesundheit wichtig.

Warum sind japanische Läufer so gut im Staffellauf?

Man kann nicht leugnen, dass die harmonische Zusammenarbeit in Japan einen hohen Stellenwert hat. Außerdem gibt es noch weitere kulturelle Aspekte. An jeder japanischen Schule wird jährlich ein Sportfest abgehalten und es kommt selten vor, dass jemand absolut keine Erfahrung mit der Stafettenübergabe hat. Auch außerhalb des Sports gibt es viele Musik- und Kulturfeste, bei denen alle gemeinsam mitwirken, vielleicht ist man deshalb daran gewöhnt.

Es gibt bestimmt Unsicherheiten, als Leichtathlet Mitglied der Gesellschaft zu sein. Haben Sie Ratschläge?

Heutzutage gibt es einen Überfluss an Informationen, was im Gegenzug dazu führt, dass viele Leute zu früh aufgeben. Trotz der vielen Informationen gibt es wenige Gelegenheiten, sich mit anderen über deren Erfahrungen auszutauschen, woraus eine enge Sichtweise resultiert. Statt sich mit Gedanken wie „Wenn ich es so nicht mache, schaffe ich es nicht“ den Weg selbst zu blockieren, ist es nötig, verschiedene Möglichkeiten zu suchen: „Selbst wenn ich es so nicht mache, schlage ich einen anderen Weg ein, den ich genießen werde.“

Sie sind Vorsitzender des NOBY T&F CLUBS für Leichtathletik. Wie hat das angefangen?

Zunächst wurde der Club bei dem Unternehmen Osaka Gas eingerichtet. Ich wollte alle verfügbaren Ressourcen so effektiv wie möglich nutzen und ihn direkt in den lokalen Aktivitäten verwurzeln. Am Anfang hatten wir nur vor, die Top-Sportler unter den Oberschülern auszubilden. Doch heute trainieren mit uns alle von Grundschülern bis Senioren. Auch mit Blick auf das System in Deutschland wollten wir etwas anbieten, wo man vom Kindes- bis ins Erwachsenenalter Sport betreiben kann. Was das bereits genannte Problem der sportlichen Leitung betrifft, so sind die Trainer des Clubs ehemalige Athleten mit Wettbewerbserfahrung.

ehemaliger Leichtathlet Asahara Nobuharu
© OSAKA GAS CO.,LTD

Was ist nötig, um das Talent eines Kindes auszubauen?

Es ist wichtig, schon in jungen Jahren ein Körperbewusstsein zu wecken, deshalb machen wir hier Koordinationstraining, wie ich es in Deutschland machte. Nur weiß man nie, was passieren wird, deshalb wünsche ich mir, dass sich dieses Bewusstsein entwickelt, bevor das Interesse verloren geht. Außerdem ist es wichtig, Autonomie und Unabhängigkeit zu fördern. Wichtiger als eine Aufgabe zu zwingend zu stellen ist es, sich dieser im Rahmen der Aktivität bewusst zu werden und gemeinsam zu lösen.

Wie kann man ein globales Niveau beim Sport erreichen?

Training und Wettkämpfe mit Top-Athleten müssen gegeben sein. In einem solchen Umfeld steigern sich unweigerlich Wahrnehmung und Fähigkeiten. Daher finde ich es wichtig, sich dort aufzuhalten, wo man mit Spitzensportlern interagieren kann und nicht nur dort zu bleiben, wo man herkommt.


Dieser Artikel wurde für die Januar-Ausgabe des JAPANDIGEST 2020 von Kei Okishima verfasst und  für die Veröffentlichung auf der Website nachbearbeitet.

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