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Atomliteratur: Hiroshima, Nagasaki, Fukushima

Hannah Janz
Hannah Janz

Atombombenliteratur (genbaku bungaku): setzt sich mit den Atombombenabwürfen auf Hiroshima und Nagasaki 1945 auseinander. In der Nachkriegszeit durch die japanische Gesellschaft tabuisiert und durch die US-Besatzung zensiert. Heute durch Fukushima wieder aktuell.

Hiroshima
Die Zerstörung nach dem Atombombenabwurf auf Hiroshima 1945.

Drei Textgruppen entwickelten sich innerhalb des Genres der Atombombenliteratur nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges: Autobiografische Zeugnisse von Überlebenden entstanden unmittelbar nach 1945. Dazu gehört Hara Tamikis Erzählung Natsu no hana (etwa: Sommerblumen), die 1947 veröffentlicht wurde und davon berichtet, wie der Autor Hara den Atombombenabwurf Hiroshima überlebte.

Etwas später kam die literarische Aufarbeitung von Zeugenaussagen und Dokumenten hinzu. Ōe Kenzaburō veröffentlichte 1965 beispielsweise die Essay-Sammlung Hiroshima Nōto, etwa: Notizen zu Hiroshima) auf Grundlage gründlicher Recherchen und Interviews.

KawabataKawabata Yasunari: Schneeland und NobelpreisKawabata Yasunari (1899-1972) erhielt als erster japanischer Schriftsteller 1968 den Literaturnobelpreis. Bis heute bleibt er einer der wich...07.12.2016

Atombombenliteratur
Autor Hara Tamiki floh 1944 vor den Bombenangriffen auf Tōkyō nach Hiroshima. Nachdem er den Bombenabwurf auf Hiroshima überlebt hatte, kehrte er nach Tōkyō zurück und beschäftigte sich literarisch mit seiner traumatischen Erfahrung. Hara beging 1951 Selbstmord.

Im selben Jahr erschien Schwarzer Regen (Kuroi ame) von Ibuse Masuji. Der Roman fokussiert die Diskriminierung der Atombomben-Überlebenden, der Hibakusha, und gehört auch im Ausland zu den bekanntesten Werken zu diesem Thema. Spätere Werke nutzen die historischen Ereignisse als Handlungsrahmen.

Nach Fukushima: Neue Atomliteratur

Jene Literatur, die sich mit der Havarie des Kernkraftwerkes Fukushima Daiichi im Jahr 2011 beschäftigt, wird aufgrund der großen thematischen und teilweise auch formellen Überschneidungen und Anleihen häufig als Nachfolgeliteratur der Atombombenliteratur verstanden.

Ins Deutsche übersetzt wurde beispielsweise Wagō Ryōichis Gedichtsammlung Worte ohne Schutzanzüge (Shinsai Nōto, eigentlich: Notizen zur Erdbebenkatastrophe).

Wagōs Gedichte zeichnen sich dadurch aus, dass er sie kurz nach der Dreifachkatastrophe aus Erdbeben, Tsunami und Verstrahlung über Twitter veröffentlichte. So fanden seine Gedichte eine große Verbreitung in Japan und fügten der Berichterstattung über die Katastrophe in Nordostjapan in den Social Media-Kanälen einen künstlerischen Ausdruck hinzu.

Hier twittert Wagō den ersten Teil eines Gedichtes über einen Jungen, der in seiner neuen Schule gemobbt wurde, weil seine Familie aufgrund der Verstrahlung durch die Havarie Fukushimas ihre Heimatstadt verlor und umziehen musste:

Der Tweet übersetzt sich in etwa wie folgt:

“Die Nachricht ‘Mobbing gegen Atomkraft-Flüchtlinge   Die Brust schmerzt   Es ist traurig   Es ist sehr traurig   “Ich habe bis jetzt sehr oft daran gedacht zu sterben. Aber bei der Erdbebenkatastrophe sind schon soviele gestorben. Deshalb habe ich mich entschlossen, weiterzuleben.”   Mit der Hand notierte Wörter   Das schneidet in die Brust   Ich möchte auch weiterleben”

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