Sanja Matsuri
Sanja Matsuri in Asakusa ist eines der größten und wichtigsten Festivals Japans.

Feste in Tōkyō: Kirschblüten und Sanja Matsuri

Hannah Janz

Wie feiert die größte Metropole der Welt? In Tōkyō finden viele ganz eigene Matsuri statt. Japan Digest stellt Ihnen die wichtigsten vor.

Sakura in der Stadt der Superlative 

Ein empfehlenswerter Ort für einen Spaziergang während der Kirschblüte in Tōkyō 東京 ist die Promenade entlang des Flusses Meguro-gawa 目黒川 im gleichnamigen Stadtteil. Vom JR-Bahnhof Meguro, West Exit, den Hang Gonnosuke-zaka 権之助坂 hinunter, gelangt man an die Shimbashi-Brücke 新橋, von der aus der Fluss – umrahmt von Kirschblüten – zu sehen ist. Biegt man an der Brücke rechts ab, führt die Promenade unter den blühenden Bäumen entlang ins nächste Viertel Naka-meguro 中目黒. Geschäfte gibt es hier wenige, dafür lässt sich die Idylle umso mehr genießen: Auch abends sehr romantisch, wenn die pinken Laternen am Flussufer leuchten!

Nakameguro KirschblüteKanal-Promenade in Naka-meguro.

Die bequemere Variante des Hanami 花見, also des Bewunderns der Kirschblüten: Sitzen statt Gehen! An Schönheit ist der Shinjuku Gyoen-Park 新宿御苑 nicht zu übertreffen. Sitzt man auf dem Rasen, umgeben von den hellrosa Sakura 桜, fühlt man sich so richtig in Japan angekommen. Gehen Sie allerdings rechtzeitig los, denn der Park schließt um 16:30 Uhr! Die Parkordnung untersagt allerdings das Mitnehmen von Alkohol.

Shinjuku GyoenDer Shinjuku Gyoen zur vollen Kirschblüte - mit Ausblick auf den Tokyo Tower.
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Bevorzugt man die klassische Variante des Hanami inklusive alkoholischer Getränke, empfiehlt sich der Yoyogi-Park 代々木公園, nur zwei JR-Stationen vom Shinjuku Gyoen entfernt. Am Eingang des Yoyogi-Parks herrscht eine ausgelassene Stimmung: Jugendliche machen hier lautstark Musik, tanzen oder fahren Skateboard. Die Kirschblüten zu betrachten und einfach auf dem Rasen zu sitzen, etwas Bier oder Sake zu trinken, mit den Nachbarn plaudern –  all das ist hier open end möglich, denn der Park hat keine festen Schließzeiten.

Mikoshi 神輿 für die Massen: Das Sanja-Matsuri三社祭

Ist von japanischen Festen die Rede, sind die Mikoshi nicht zu vergessen. Dies sind kleine Shintō-Schreine, die auf Querstangen von einer ausgelassenen Menschenmenge durch die Straßen getragen werden, um für das Glück der Anwohner zu bitten. Das berühmteste Mikoshi-Fest ist das Sanja-Matsuri im Tōkyōter Viertel Asakusa 浅草, das im Jahr 2012 sein siebenhundertjähriges Jubiläum feierte. Es findet jährlich wechselnd von Mitte bis Ende Mai statt.

MikoshiNeben dem Hauptschauplatz am Sensō-ji sind auch die Gassen in Asakusa überfüllt mit Mikoshi-Gruppen.

Das Ausmaß der Sanja-Matsuri ist gigantisch. Während der drei Tage des Festes strömen fast zwei Millionen Zuschauer nach Asakusa. Die Lautstärke und die Fröhlichkeit der Teilnehnmer sind kaum zu übertreffen. Begleitet wird das Fest von exotischen Düften aus den Demise 出店, den Straßenständen mit japanischem Fastfood: gebratene Yakisoba-Nudeln 焼きそば, Dango-Reisknödel 団子 oder Takoyaki たこ焼き, Teigbällchen mit Tintenfischfüllung.

Zu diesem Fest passt der japanische Ausspruch „Kakki ga aru 活気がある“, der übersetzt heißt: „etwas besitzt eine erfrischende Lebendigkeit“. Dynamisch ist schon der erste Tag, der Freitagnachmittag, an dem der Gebetstanz stattfindet: Er soll für eine gute Ernte und Wohlstand sorgen. Danach ziehen die ersten Mikoshi durch die Straßen, in Begleitung von japanischer Festmusik mit Flöten und Trommeln.

Skytree Sanja MatsuriBlick auf den Skytree von der Kappabashi in Asakusa.Sanja Matsuri HappiÜberall in Asakusa zu sehen zum Sanja Matsuri: Leute in den Happi-Jacken ihrer Gruppe.

Samstagmittag werden etwa 100 Mikoshi von einer schreienden Menge von einem der weitläufigsten Tempel in Tōkyō, dem Sensōji 浅草寺, zum Asakusa-Schrein getragen. Das Besondere an diesem zweiten Tag: Auch kleinere Mikoshi, extra für Kinder, sowie Frauen-Mikoshi ziehen durch die Straßen.

Highlight ist jedoch der Sonntag. Bereits am frühen Morgen versammelt sich eine Menschenmasse, die darum kämpft, einen der drei größten Mikoshi tragen zu dürfen. In diesen Schreinen werden die drei Gründer des Sensōji-Tempels verehrt. Folgen Sie dem Geschehen aus einer gewissen Entfernung, da es bei diesem Kampf recht energisch zugeht. Aber keine Angst: Man verpasst nichts, die Lautstärke der Kämpfenden ist nicht zu überhören. An diesem letzten Tag ziehen die Mikoshi noch bis in die Abendstunden durch die Straßen von Asakusa, bis sie am Ende zum gleichnamigen Schrein zurückgebracht werden.

Der Artikel von Sandra Häfelin erschien im Japan Digest 2016. Für die Online-Ausgabe nachbearbeitet wurde er von Hannah Janz.

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