07. September 2016 – Hikikomori: Studie zur freiwilligen sozialen Isolation

Sina Arauner

Eine Erhebung der japanischen Regierung, die Anfang September veröffentlicht wurde, belegt, dass in Japan derzeit etwa 541.000 Menschen im Alter von 15 bis 39 Jahre in freiwilliger Isolation leben. Sowohl das Phänomen als auch die Personen, die dieses Verhalten zeigen, werden als hikikomori 引きこもり bezeichnet.

Laut dem japanischen Ministerium für Gesundheit, Arbeit und Soziales (MHLW) sind hikikomori Personen, die sich freiwillig für einen Zeitraum von mindestens sechs Monaten in ihrem zu Hause isolieren und jeglichen sozialen Kontakt meiden. Solch eine Abkapselung von der Gesellschaft kann durch interpersonale Beziehungsprobleme in der Schule oder Arbeit ausgelöst werden. Darauf deutet die Tatsache, dass ein Großteil der hikikomori über einen längeren Zeitraum in der Schule fehlt oder Schwierigkeiten in der Gewöhnung an ein Arbeitsumfeld hat.

Aus der Umfrage geht hervor, dass ein Trend zur zeitlichen Ausdehnung von Isolationsperioden besteht. Etwa 35% der durch die Umfrage als hikikomori Definierten leben seit über 7 Jahren zurückgezogen, 28,65% zwischen 3 bis 5 Jahren und 12,2% zwischen 5 bis 7 Jahren.

Im Vergleich zur Erhebung des Kabinettbüros aus dem Jahr 2010hat sich die Anzahl der hikikomori um etwa 155.000 Personen gesenkt. Ein möglicher Grund hierfür könnten Maßnahmen der Regierung sein, lokale Hilfe einzuführen. Hinzuweisen ist auf die Tatsache, dass in diesen Untersuchungen keine Personen über 40 Jahre einbezogen sind. Seit 2010 hat sich die Altersgruppe der zwischen 35- und 39-jährigen hikikomori verdoppelt und liegt bei 10,2% der Gesamtmenge. Die Altersgruppe der 20- bis 24-jährigen liegt mit 34,7% der Gesamtmenge um13% höher als 2010.

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