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Ex-Olympia-Chef Mori Yoshirō tritt Lawine los – zu Recht?

Matthias Reich
Matthias Reich

Mit seiner Bemerkung, Frauen würden in Meetings zu viel reden und sollten entsprechend kürzere Redezeiten haben, löste der mittlerweile Ex-Olympia-Chef Japans, Mori Yoshirō, national wie international einen Sturm der Entrüstung aus - zu einem denkbar schlechten Zeitpunkt. Zu Recht?

Mori Yoshiro
Die internationale Kritik war am Ende zu groß - wegen seiner frauenfeindlichen Aussagen räumt Mori Yoshirō (r.) seinen Posten als japanischer Olympia-Chef. © ZUMA Press, Inc. / Alamy Stock Photo

Mori Yoshirō hat es tatsächlich geschafft: Während seiner kurzen Amtszeit als Premierminister Japans 2000 – 2001 hatte er eine historisch schlechte Zustimmungsrate von 9%. Kein anderer der vielen Dutzend Nachkriegs-Ministerpräsidenten war weniger beliebt. Grund dafür waren u.a. zahlreiche anstößige Äußerungen – so bezeichnete er Ōsaka als Dreckloch, und über kinderlose Frauen sagte er aus, dass er nicht einsehe, warum diese dem Steuerzahler auf der Tasche liegen sollen.

Als ehrenamtlicher Chefkoordinator der Olympischen Spiele war Mori nun schon seit 7 Jahren aktiv, und Mori wäre nicht Mori, wenn er in dieser Zeit nicht die eine oder andere verbale Entgleisung von sich gegeben hätte. Doch nun ist er plötzlich über eine Aussage gestolpert, die man mit etwas Wohlwollen durchaus als unangebrachten Humor hätte durchwinken können. Als es in einer von vielen Versammlungen darum ging, den Frauenanteil in den Gremien zu erhöhen, warf Mori ein, Frauen sorgten in Meetings dafür, dass diese unnötig lang werden – weil Frauen prinzipiell mehr Konkurrenzdenken an den Tag legten und deshalb immer etwas sagen müssten.

Aussage zwingt Mori widerwillig zum Rücktritt

Diese Bemerkung wurde schnell von den Medien aufgegriffen – und nicht nur von der japanischen, sondern im verstärkten Maße auch von der ausländischen Presse. Eine am nächsten Tag erfolgte offizielle Entschuldigung schien vorerst zu reichen, doch die Medien gaben nicht nach – es blieb letztendlich nur der Rücktritt im Februar 2021.

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Der Sturm der Entrüstung in den verschiedenen Medien hatte immer den gleichen Grundtenor: Die Bemerkung Moris ist frauenfeindlich, antiquiert und widerspreche zudem dem olympischen Geist, nach dem alle Menschen gleich sind. Folgerichtig tauchten schnell erste Studien auf, die widerlegen sollen, dass Frauen für überlange Meetings verantwortlich seien. In den japanischen Medien gab es zudem noch einen zusätzlichen Blickwinkel: Mori schade mit der Aussage dem internationalen Ansehen Japans. Dieser Aspekt ist von besonderem Interesse, impliziert er doch, dass der Fauxpas nach japanischem Maßstab eigentlich nicht der Rede wert ist.

Rücktritt nur wegen internationaler Reaktionen?

Und in der Tat: Viele sind mit der Aussage nicht einverstanden oder halten sie für unpassend. Die meisten Japaner stempelten die Aussage jedoch einfach nur als typische Bemerkung eines alten Mannes (in Japan oyaji genannt) ab. Andere wiederum schmunzelten einfach nur. Fakt ist: Hätten die Bemerkungen nicht ihren Weg in die ausländische Presse gefunden, wäre Mori wahrscheinlich noch im Sattel. Zwar ist er nicht besonders beliebt, aber er gibt sich seit vielen Jahren als Ehrenamtlicher redlich Mühe.

Es gibt jedoch noch einen weiteren Aspekt: Die Idee, an der Ausrichtung der Olympischen Spiele in diesem Sommer festzuhalten, stößt seit langem auf wenig Gegenliebe in der Bevölkerung – die Mehrheit der Japaner ist, wenn nicht schon für den völligen Ausfall, dann doch für eine Verschiebung bis ins Jahr 2022. Allein aus diesem Grund kommt für jene jeder Skandal gerade recht.

Ob die Reaktionen auf Moris Bemerkung nun überzogen sind oder nicht – Moris Haltung spricht nicht gerade für Japan und bringt die Frage mit sich, warum ausgerechnet ein 83-jähriger, zu seiner Amtszeit außerordentlich unbeliebter Ex-Politiker, mit solch einer wichtigen Aufgabe betraut wurde. Da gäbe es viele andere, geeignetere Personen für das Amt.

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