Karaoke: Weil Selbstsingen am schönsten ist!

Hannah Janz

Karaoke hat seinen Siegeszug um die Welt angetreten. In Europa singt man meistens auf einer Pub-Bühne vor allen Gästen. Aber wie genau läuft das mit dem Karaoke in Japan?

Erfunden wurde Karaoke 1971 von Inoue Daisuke. Das Kunstwort Karaoke カラオケ setzt sich zusammen aus kara 空 für leer und oke, kurz für Orchester オーケストラ. „Leeres Orchester“ spielt darauf an, dass die Musik nur instrumental vorgespielt wird. Die Karaoke-Teilnehmer singen selbst, indem sie dem Liedtext folgen, der als Untertitel synchron zur Musik auf einem Bildschirm eingeblendet wird.

Wie wird gesungen?

Auch in Japan gibt es Karaoke auf großen Bühnen. Verbreiteter ist es aber, in Karaoke-Läden einzelne Kabinen zu mieten. Diese gibt es für kleinere und größere Gruppen, auf jeden Fall singt man dort aber im privaten Kreis.

In Japan geht man sowohl im Freundeskreis als auch mit Arbeitskollegen singen. Dabei muss man keine ausgebildete Gesangsstimme mitbringen (auch wenn viele Japaner durch Karaoke natürlich geübt im Singen sind!). Im Vordergrund stehen Spaß und sozialer Kontakt. Deshalb wird zum Karaoke meistens auch nicht wenig Alkohol getrunken.

karaoke kanDie meisten Karaoke-Läden bieten verschieden große Kabinen auf mehreren Stockwerken. Meist meldet man sich im Erdgeschoss an und kriegt dort einen höher gelegenen Raum zugewiesen. ©Janz

Je Kabine gibt es meist einen Bildschirm, auf dem die Liedtexte angezeigt werden. In neueren Karaoke-Läden werden diese Videos per Beamer-Technik an die Wände projiziert. Je nach Gruppenstärke werden mehrere Mikrofone ausgegeben, die zuvor desinfiziert wurden.

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Typische Ausstattung: Bildschirm, Mikrofon, Touchpad mit Liedkatalog ©Orataw CC3.0

Über ein Eingabegerät mit Touchpad kann man Lieder aus dem Katalog auswählen. Die Songs werden dann der Reihenfolge nach abgespielt. Einige Karaoke-Läden bieten zusätzlich Instrumente wie Tamburine oder auch Kostüme, die man während des Karaoke tragen kann. Diese kann man gegen einen Aufpreis mitbuchen. Zudem gibt es in den Karaoke-Läden immer wieder verschiedene Themenwochen, die sich auf bestimmte Bands konzentrieren. Auch Themenräume sind sehr beliebt – so bietet Pasela beispielsweise einen Raum, der im Stile der Anime-Serie Neon Genesis Evangelion hergerichtet wurde.

Karaoke-Kabine für alle Fans der Anime-Serie Neon Genesis Evangelion. ©GAINAX, Pasela Karaoke

Auch japanische Kneipen haben häufig kleine Karaoke-Anlagen. Die Gäste bezahlen hier je gesungenem Song. Dabei ist es auch üblich, dass alle Gäste zusammen singen, auch wenn sie sich nicht kennen. Hier wird auch begeistert applaudiert.

Japanische Volkslieder singen in einer Izakaya-Kneipe in Asakusa, Tōkyō. ©Seibel

Was wird gesungen?

Die Auswahl an Liedern ist gigantisch – sowohl auf Japanisch als auch auf Englisch. Japanische Popmusik ist in Japan natürlich am beliebtesten. Der Song Heavy Rotation ヘビーローテーション der Girlband AKB48 gehört zu den am häufigsten gesungenen Karaoke-Songs. Ab November 2010 belegte der Song 48 Wochen lang Platz 1 der Karaoke-Charts.


Der reguläre Song Heavy Rotation von AKB48…

…und die Karaoke-Version. Für viele Lieder wird ein eigenes Karaoke-Video produziert. Neuerdings konkurrieren die großen Karaoke-Anbieter aber auch miteinander, indem sie versuchen, möglichst aktuelle Videos mit den Stars einschließlich Karaoke-Untertitel zu zeigen.

Auch japanische Volkslieder, sogenannte Enka, werden beim Karaoke gerne gesungen. Wer auf Japanisch singen möchte, sollte zumindest die Untertitel in Hiragana und Katakana lesen können.


Die beim Karaoke beliebte Enka-Sängerin Ishikawa Sayuri mit dem Stück Amagigoe 天城越え – und dem Liedtext in den Untertiteln.

Internationale Lieder

Englischsprachige Lieder sind, sofern der Interpret bei einem Major-Plattenlabel unter Vertrag ist, ebenfalls gut vertreten – sowohl Klassiker wie die Beatles als auch ganz neue Songs wie jene von Lady Gaga & Co. Auch einige deutsche Songs haben es in den Katalog geschafft, darunter Moskau Moskau (Dschinghis Khan), 99 Luftballons (Nena) oder Sonne (Rammstein).

Wer keine Lust auf Popmusik hat, findet auch Opernmusik oder Deutschsprachiges aus der Klassik wie Ave Maria von Schubert. ©Janz

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